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Auf dem Norder wächst ein Dorf

Flüchtlinge Auf dem Norder wächst ein Dorf

Das Flüchtlingsdorf neben dem Nordmarksportfeld wächst schnell und soll bereits am Montag fertig sein. Die Zeit drängt. Ende der kommenden Woche kommen auf einen Schlag 500 Asylsuchende nach Kiel. Land, Polizei und Hilfsorganisationen stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Ein Info-Tag und Gesprächsrunden für Anwohner sind geplant.

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Die Spinde kommen Anfang der Woche: Thiemo Lüeße (links), Projektleiter für die Erstaufnahmeeinrichtungen beim Land, und Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken schauen sich einen Wohncontainer an.

Quelle: Frank Peter

Kiel.  Um die Akzeptanz zu erhöhen, planen Land und Stadt noch vor der Ankunft der Flüchtlinge einen Tag der offenen Tür.

 Kräne stapeln Container, Radlader planieren Wege, Zimmermänner bauen Dächer: „Wir sind gut im Zeitplan, müssen aber dieses Wochenende durcharbeiten, denn am 31. August ist Abnahme“, sagt Bauleiter Markus Gamm von der Firma Sani. Die Blechboxen für die Flüchtlinge sind bis auf die Spinde schon mit Hochbett, Tisch und Stühlen eingerichtet. An der Kantine und den Büros wird noch kräftig gearbeitet. „Ich bin schwer beeindruckt, dass es so schnell geht“, lobt Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken, der sich zusammen mit Thiemo Lüeße, Projektleiter für die Erstaufnahmeeinrichtungen beim Land, bei einem Rundgang über das Areal einen Eindruck verschaffte.

 Wenn die 500 Flüchtlinge mit mehreren Bussen gleichzeitig eintreffen, stehen die Mitarbeiter des Landes vor einer schwierigen Aufgabe. „Bei der Verteilung auf die Wohncontainer achten wir auf Familien und Geschlecht. Wir wollen nicht nach Ethnien trennen, damit die Integration bereits in der Einrichtung beginnt“, erklärt Lüeße. Mitarbeiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten nehmen die Personalien auf, Beamte des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bearbeiten vor Ort die Asylverfahren. Für die Sicherheit in dem Dorf sorgt ein Wachschutz, der rund um die Uhr am Eingang präsent ist. Auch eine Polizeistation mit fünf Beamten wird in einem Container auf dem Gelände untergebracht.

 „Etwa 20 Menschen sind tagsüber im Dorf, um sich die Sorgen und Nöte anzuhören und Konflikte zu lösen. Sie werden von Sprachmittlern unterstützt“, sagt Lüeße. Für die Verpflegung in der Kantine sorgt ein Catering-Service. Auch eine Arztpraxis für die Erstuntersuchung und auftretende Krankheiten wird eingerichtet. „Selbstverständlich steht das Städtische Krankenhaus mit allen Fachabteilungen für eine weitere Behandlung zur Verfügung“, erklärt Stöcken. In einer Sprachschule sollen Kinder möglichst schnell Deutsch lernen. Für Erwachsene werden Orientierungskurse angeboten. Sechs Wochen sollen die Menschen maximal hier sein, bis sie dann auf die Kommunen verteilt werden.

 Nach wie vor hält das Land an dem Plan fest, die geplante Erstaufnahmeeinrichtung am Bremerskamp bis zum Herbst 2016 fertigzustellen. Das Containerdorf soll dann zurückgebaut werden. Noch aber kann kein Mensch sagen, wie viele Flüchtlinge im nächsten Jahr kommen werden. Die Stadt will jeden Monat einen Stammtisch anbieten, um mit Anwohnern und anderen interessierten Kielern ins Gespräch zu kommen und sie über aktuelle Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. „Wir müssen sprechen, sprechen und nochmals sprechen, um Barrieren abzubauen“, sagt Stöcken. Damit sich Menschen mit unlauteren Absichten nicht auf das Gelände schleichen können, ist es umzäunt. Stöcken: „Ich habe keine Befürchtung, dass in Kiel etwas passiert.“

 Der Tag der offenen Tür soll nach derzeitiger Planung am 3. September stattfinden. Die Uhrzeit steht noch nicht fest.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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