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Eine tolle Gemeinschaftsleistung

Flüchtlinge in Kiel Eine tolle Gemeinschaftsleistung

Noch am Mittwochmittag sah es in dem Containerdorf beim Nordmarksportfeld aus wie auf einer Großbaustelle. Als am Nachmittag die ersten Flüchtlinge aus Neumünster ankamen, lief dennoch alles ruhig und geordnet ab. Eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung, lobte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), als er die Aufnahme der ersten Flüchtlinge verfolgte.

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Rund 100 Kieler waren dem kurzfristigen Aufruf der Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ gefolgt und bereiteten den ersten Flüchtlingen in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung einen herzlichen Empfang.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Es sind vor allem Familien mit kleinen Kindern und junge Männer aus Syrien, die kurz vor 16 Uhr aus dem ersten Bus aus Neumünster steigen. Müde sehen sie aus und erschöpft. Meist haben sie nur eine Plastiktüte oder eine Tasche dabei. Die Willkommensplakate, die Mitglieder von „Kiel hilft Flüchtlingen“ in aller Eile gemalt haben, locken bei vielen aber ein kurzes Lächeln hervor. Schnell nehmen sie eine gelbe Meldekarte von den DRK-Mitarbeitern in Empfang, verteilen sich auf die beiden Wartezelte und füllen die Karten aus. Vorname, Name, Geburtsdatum, Herkunftsland. Einige sehen etwas ratlos auf die Zettel. Zum Glück sind DRK-Helfer mit Sprachkenntnissen vor Ort – wie Mohammed Abed, ein promovierter Chemiker aus dem Iran. „All diese Menschen sind noch nicht in Neumünster registriert worden“, erklärt DRK-Einsatzleiterin Anne Helm, „wir stellen ihnen jetzt erst einmal einen Hausausweis aus, mit dem sie sich in Kiel bewegen können.“

 Als Erster kann Toomaj die provisorisch ausgebaute Registrierung verlassen. Der 26-jährige Iraner ist schon vor dem Bus angekommen. Erhard Grewe hat ihn mit dem Auto hergebracht. Der 69-jährige Rentner kümmert sich mit seiner Frau Monika um mehrere Flüchtlinge. Toomaj hatte sich bis zu seiner Schwester in Heide durchgeschlagen. „Er musste erst mal zur Registrierung. In Albersdorf war aber noch nichts, also sind wir nach Neumünster. Dort hat man uns hierher geschickt“, erzählt Grewe und würde seinen Schützling am liebsten sofort wieder zu dessen Schwester bringen. Doch das ist rechtlich nicht möglich. So bezieht Toomaj als erster Bewohner einen der Container. Der Iraner wirft einen schüchternen Blick hinein: ein paar Quadratmeter mit zwei Doppelstockbetten, Tisch, Stühlen, Schrank. „Alles gut“, sagt Toomaj, nachdem er sich auch den Container mit Duschen und Toiletten angeschaut hat. Nur die Küche wirft Fragen auf. Die ist nämlich noch weitgehend leer.

 „Das war nicht mehr zu schaffen. Erst mal liefert ein Caterer die Verpflegung“, sagt Rüdiger Smal vom Landespolizeiamt, der das Containerdorf konzipiert und organisiert hat. Hier ist alles großzügiger als in der Erstaufnahme in Rendsburg, findet er. „Aber letztlich kommt es auf die Atmosphäre an“, sagt Smal, „und die ist auch dank der Nachbarn in Rendsburg wirklich gut.“ Dass es in Kiel auch eine gute Atmosphäre in Sicherheit wird, dafür setzen sich fünf Polizeibeamte, die hier Quartier bezogen haben, und die Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ ein, die am Mittwoch etwa 100 Bürger mobilisieren konnte. „Die eigentliche Arbeit wird aber sein, dass die Flüchtlinge hier auch Wohnungen finden“, sagt die Initiatorin Faica Tahir (29). Das sehen auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Sozialdezernent Gerwin Stöcken so: „Unsere Gemeinschaftsunterkünfte laufen nicht mehr leer, weil wir für die Menschen keinen Wohnraum finden. Wir müssen aber pro Woche 90 Menschen unterbringen.“ Es dürfe deshalb kein Tabu mehr sein, über einen neuen Verteilerschlüssel nachzudenken.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Container auf Nordmarksportfeld schon belegt

Begrüßt von mehr als 100 Bürgern sind am Mittwoch die ersten 300 Flüchtlinge vor allem aus Syrien in der neuen Erstaufaufnahme-Einrichtung am Nordmarksportfeld in Kiel angekommen. Am Donnerstag sollen weitere 200 folgen. Die Lage in der Einrichtung in Neumünster ließ keine Wahl - bei einer Überbelegung mit 3000 Menschen.

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