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Keine Angst vor Containern

Flüchtlinge in Kiel Keine Angst vor Containern

Immer mehr Menschen flüchten vor Krieg und Terror aus ihren Heimatländern und suchen Zuflucht in Deutschland. Auch in Kiel wächst die Zahl der Asylbewerber. In Wohncontainern am Ellerbeker Weg 120 haben 60 Männer vorübergehend ein Zuhause gefunden – in der Hoffnung auf ein besseres Leben und mit großer Unterstützung aus dem Stadtteil.

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Aus Eritrea und Syrien stammen diese Männer. Damit die Flüchtlinge etwas zu tun haben, wurden mit Hilfe der Gruppe „Willkommenskultur in Elmschenhagen“ unter anderem Gemüsebeete angelegt.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. „Geräuschlos“ sei die Elmschenhagener Unterkunft bezogen worden, stellte Ortsbeiratsvorsitzender Detlef Langfeldt in der jüngsten Sitzung fest. „Wir haben bisher keinen Ärger gehabt – und das soll auch so bleiben“, betonte der Vorsitzende. „Willkommen heißen statt ablehnen“ lautet das Rezept. Als bekannt wurde, dass Container für Asylsuchende aufgestellt werden sollten, gründeten Männer und Frauen aus dem Stadtteil die Initiative „Willkommenskultur in Elmschenhagen“ und pflegten die neue Nachbarschaft mit gemeinsamen Treffen. Fahrräder, Kleidung und Möbel wurden gesammelt, eine kleine Fahrradwerkstatt eingerichtet, gemeinsame Unternehmungen organisiert, Hochbeete gebaut und Gemüse gepflanzt. Rund 20 ehrenamtlich Aktive engagieren sich in der Gruppe. Eine Kroogerin hat eine Flüchtlingsfamilie – Vater, Mutter und ein vierjähriges Kind – aufgenommen. „Wir wollen ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht allein gelassen werden“, sagt sie. Die bürokratischen Hürden und Sprachschwierigkeiten seien so groß, dass Hilfe nötig sei. „Man sollte keine Angst vor Containern haben“, erklärt eine Elmschenhagenerin, „die Leute dort freuen sich, wenn man kommt, dieser persönliche Kontakt ist wichtig.“

 Die Männer stammen unter anderem aus Syrien, Eritrea, Irak oder Afghanistan. Ein ausgebildeter Herzspezialist, früher Direktor eines Krankenhauses, teilt sich im Container ein elf Quadratmeter großes Zimmer mit einem ehemaligen Hotelchef. Ein Mathematiker, ein Lehrer, ein Bauer und mehrere Studenten sind unter den Asylbewerbern und fragen sich, ob sie bleiben und die Familie nachholen dürfen oder wieder gehen müssen.

 Der Christliche Verein zur Förderung sozialer Initiativen in Kiel hat ein Büro im Container bezogen und hilft bei der Orientierung, bei Behördenkontakten, Sprachkursen und Wohnungssuche. „Wenn sie ankommen, sind sie voller Spannung“, weiß Stefan Schoneboom vom Christlichen Verein, „aber sie dürfen nicht arbeiten, dann sacken sie in sich zusammen“.

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