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Notquartier C&A löst Diskussionen aus

Flüchtlinge in Kiel Notquartier C&A löst Diskussionen aus

Dass die Stadt Kiel das frühere C&A-Haus als Notquartier für Transitflüchtlinge vorübergehend nutzt, stößt nach wie vor auf ein geteiltes Echo. „Immobilien zu beschlagnahmen, ist das falsche Signal“, warnte Alexander Blažek, Verbands-Chef von Haus & Grund Schleswig-Holstein, angesichts der Sicherstellung des leerstehenden Gebäudes.

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Das Erdgeschoss des ehemaligen und leerstehenden C&A-Kaufhauses in der Kieler Innenstadt wurde als weitere Übernachtungsmöglichkeit für Flüchtlinge hergerichtet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Bei den derzeitig hoch her gehenden Diskussionen zu dem Thema würden die Ängste der privaten Grundeigentümer geschürt, fürchtet der Eigentümerverein. Freiwilligkeit sei der richtige Weg, mit dem im Flüchtlingspakt bereits beachtliche Erfolge erzielt worden seien.

 Das Innenministerium versicherte jedoch, dass es im Gegensatz zu Hamburg keine Zwangsverpflichtung von Hauseigentümern geben soll, Grundstücke oder Gebäude zur Verfügung zu stellen. Die Behörde stellte sich hinter das „sehr verantwortungsvolle Handeln“ der Stadt Kiel. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte die Maßnahme, die eine Ausnahme bleiben soll, mit einer Notlage begründet, um eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit abzuwehren und Obdachlosigkeit zu vermeiden: Die maximal 350 Schlafplätze in der Markthalle für Flüchtlinge, die nach Skandinavien weiterfahren wollen, hatten in der Nacht zu Sonnabend nicht mehr ausgereicht.

 Bis nach Mitternacht waren etwa 600 Menschen gekommen, darunter viele Kinder und Kranke. Am Sonnabend rüsteten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk das Erdgeschoss des C&A-Hauses zum Ausweichquartier um. Die Stadt erreichte aber den Noch-Eigentümer in London über den Insolvenzverwalter erst nach dem Wochenende, um ihm die entsprechende Ordnungsverfügung zukommen zu lassen. „Wir bemühen uns jetzt, eine verbindliche Nutzungsvereinbarung auf einem guten Weg hinzubekommen“, erklärte Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD).

 Die künftige Eigentümerin, die Deutsche Immobiliengesellschaft, hat der Stadt bereits die benachbarte Markthalle für einen symbolischen Mietpreis von einem Euro überlassen. Das frühere C&A-Haus, das im nächsten Jahr für ein Neubauprojekt abgerissen werden soll, blieb am Dienstag jedoch leer, da die Markthalle alle ankommenden Flüchtlinge in der Nacht aufnehmen konnte.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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