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Was sagt die Polizei?

Flüchtlinge Was sagt die Polizei?

Vermehrt häufen sich die Meldungen, dass es unter Flüchtlingen zu Auseinandersetzungen kommt. Die Polizei äußert sich jetzt zu den Vorwürfen.

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Die Lage in den Flüchtlingsunterkünften, wie hier in Boostedt, ist nach Angaben der Polizei entspannt. In Neumünster gab es am 24. September eine Prügelei, die die Beamten schnell schlichten konnten. Der Anlass war eine Drängelei vor der Essensausgabe.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen kommen immer häufiger vor. Wenn viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten auf engem Raum zusammenleben, kann aus einem nichtigen Anlass gleich ein handfester Streit entstehen – wie zuletzt am Dienstag in Hamburg, als etwa 60 Albaner und Afghanen aufeinander losgingen.

Auslöser war offenbar eine Auseinandersetzung im Sanitärbereich. Auch in Schleswig-Holstein gab es bereits eine Prügelei in Neumünster. Zudem hatte ein Insider berichtet, dass es organisierte Kriminalität in Form von Prostitution oder Drogenhandel gebe. Dazu liegen der Besonderen Aufbauorganisation der Polizei (BAO), die das Amt für Ausländerangelegenheiten bei der Bewältigung des Zustroms von Flüchtlingen unterstützt, keine Erkenntnisse vor. Die Lage sei weitgehend entspannt. BAO-Sprecher Rainer Wetzel beantwortet die wichtigsten Fragen. Er betont, dass die BAO aber nicht mit allen Sachverhalten an die Öffentlichkeit gehe und zu einzelnen Vorkommnissen nur auf Anfrage antworte. Innenminister Stefan Studt habe der BAO keine Vorgaben bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit gegeben, teilte Sprecher Ove Rahlf mit.

Wie oft ist es zu Gewalt in Unterkünften gekommen?

 In den Einrichtungen wurden in den vergangenen zwei Septemberwochen 17 Körperverletzungen registriert. Die Polizei griff schnell ein und konnte die Streitigkeiten klären. Die Gründe waren die angespannte Lage, weil viele Menschen auf engem Raum wohnen. Die Präsenz der Beamten wirkt sich positiv auf die Sicherheitslage aus.

Gab es Massenschlägereien?

Der Polizei wurde am 24. September gegen 19.45 Uhr ein Streit zweier Gruppen verschiedener Nationalitäten (mehr als 20 Personen) im Speisesaal in der Zentralen Aufnahmestelle in Neumünster gemeldet. Der Anlass: Vordrängeln beim Essen. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten und Körperverletzungen. Inventar wurde beschädigt. Einsatzkräfte des 1. Polizeireviers Neumünster und aus Eutin konnten die Situation schnell befrieden. Anzeigen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung wurden gefertigt, Personalien festgestellt. Insgesamt waren 18 Beamte eingesetzt. Vorsorglich wurde zusätzlich ein Einsatzzug aus Eutin (etwa 30 Beamte) angefordert. Dieser erschien auch in Neumünster, musste aber nicht mehr eingreifen. Aufregung gab es Mittwoch im Ostseekai: Gegen 6.40 Uhr gerieten zehn Syrer und zehn Afghanen aneinander, weil sie unbedingt Tickets für die Fährpassage nach Göteborg haben wollten. 20 Beamte waren schnell vor Ort. Menschen wurden nicht verletzt. Die Afghanen erhielten einen Platzverweis, den sie befolgten.

Kommt es zu Ladendiebstählen rund um die Unterkünfte?

Die Polizei registrierte in den letzten zwei Septemberwochen im Umfeld der Unterkünfte 68 Eigentumsdelikte. In den meisten Fällen verschwanden Kleinigkeiten wie Süßigkeiten oder Dinge des täglichen Bedarfs aus den Geschäften.

Wächst die Gefahr von Terroranschlägen, weil potenzielle Täter unbemerkt im Schutz des Flüchtlingsstroms herkommen?

Dem Landeskriminalamt liegen dazu keine Anhaltspunkte vor.

Verhalten sich junge Männer gegenüber Polizistinnen respektlos und befolgen deren Anweisungen nicht?

In den Unterkünften Neumünster und Boostedt kam es bisher nicht zu Akzeptanzproblemen gegenüber Beamtinnen.

Gibt es Vandalismus in den Einrichtungen?

Von Vandalismus will die Polizei in diesem Zusammenhang nicht sprechen. 18 Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit Flüchtlingen sind bei der Polizei aktenkundig.

Werden ungültige oder gefälschte Fährtickets Richtung Schweden verkauft?

Nach Angaben eines Stena-Sprechers gab es einige Fälle. Meist waren es abgelaufene Tickets, die vor dem Terminal angeboten wurden. Die Reederei warnt mit Aushängen vor derartigen Betrügern. Die Überfahrten nach Göteborg verlaufen ohne Probleme.

Kommt es zu Gewalt gegen Flüchtlinge?

In den vergangenen zwei Septemberwochen wurden landesweit zwei Körperverletzungen und vier Bedrohungen angezeigt.

Wie ist die Stimmung bei den Polizisten in den Unterkünften?

Trotz der hohen Belastung der Beamten bezeichnet die Polizei die Stimmung in den Einrichtungen als positiv. Die Einsatzkräfte erledigten ihre Aufgaben mit der gewohnten Professionalität.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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