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Hilfsbereitschaft ist jetzt schon groß

Flüchtlinge in der Wik Hilfsbereitschaft ist jetzt schon groß

450 Flüchtlinge sollen ab 1. November in die neue Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Marinetechnikschule in der Wik einziehen. 200 interessierte Bürger kamen am Mittwoch zur Infoveranstaltung und signalisierten ihre große Hilfsbereitschaft.

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Sie sind selbst noch nicht lange in Deutschland, haben über die ehrenamtlichen Sprachkurse bei der Zentralen Beratungsstelle (ZBBS) Deutsch gelernt und helfen nun anderen Flüchtlingen als Lotsen bei Ämter- und Arztbesuchen (von links): Ehsam (33) und Parinaz (31) aus dem Iran, Saad (31) und Bilal (29) aus Syrien und Maziar (27) aus dem Iran.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Die Plätze auf dem alten MFG-5-Gelände werden möglicherweise nicht nur auf 800 aufgestockt, in allen Stadtteilen wird mit Hochdruck nach weiteren Unterkünften gesucht. Als besonders geeignet gelten ungenutzte Bundeswehrimmobilien. Das erklärte Sozialdezernent Gerwin Stöcken bei einer Info-Veranstaltung in der Wik.

200 Bürger waren am Mittwochabend in die St. Lukas-Kirche der Emmaus-Gemeinde gekommen, um mehr über die neue Flüchtlingsunterkunft in der Wik zu erfahren. Nach der Asbestsanierung müssen dort nun noch die Wände in Leichtbauweise eingezogen werden, bevor am 1. November die ersten Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen kommen. Sie werden mit zwei bis vier Personen in den kleinen Zimmern wohnen. Für Familien sind größere Zimmer geplant. Außerdem gibt es Gemeinschaftsräume, Gemeinschafts-Duschen und große Küchen mit mehreren Kochplätzen. „Die Flüchtlinge sollen sich hier selbst versorgen und selbst wirtschaften. Das ist wichtig, um sich hier einzuleben, herauszukommen und der Langeweile entgegenzuwirken“, erklärte Stöcken. Dazu sei es aber notwendig, erklärt zu bekommen, wie bei uns der Alltag und der Umgang miteinander läuft. „Was für uns selbstverständlich ist, kennen viele der Flüchtlinge nicht. Etwa die Mülltrennung oder dass wir, wenn wir einen Termin um 8 Uhr haben, auch um 8 und nicht um zehn kommen“, sagte Stöcken.

 Begegnungen mit Kielern sind auch für den Spracherwerb wichtig. Die Flüchtlinge kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Die einen sind Akademiker und können sich auf Englisch gut verständigen. Andere konnten in der Heimat nie eine Schule besuchen und müssen erst alphabetisiert werden. „Gerade für sie ist sprechen, sprechen, sprechen das Wichtigste“, betonte der Sozialdezernent. Auch als Mittel gegen das größte Problem: die Langeweile. „Die ist ein Problem, weil die Potenziale der Menschen so ungenutzt bleiben, die Sehnsucht nach der Familie oft überhand nimmt, aber auch weil sie durch den einen oder anderen Lumpen auf schlechte Ideen kommen könnten.“

 Betreut werden die Flüchtlinge in der Einrichtung von einem Team der Diakonie Altholstein. Unter der Leitung von Semra Basoglu werden (Sozial-) Pädagogen, Sprachmittler und technisches Personal in der alten Marinetechnikschule arbeiten. „Wir möchten ein offenes Haus sein, keine Einbahnstraße hinaus in den Stadtteil. Wir hoffen, dass viele Bürger auch in die Einrichtung kommen und Kontakt suchen“, sagte Basoglu. Allerdings zeige die Erfahrung auch, dass die Flüchtlinge die ersten Wochen erst einmal zur Ruhe kommen wollen.

 Auf der Veranstaltung zeigte sich große Hilfsbereitschaft bei den Bürgern. Auf Initiative der Heinrich-Böll-Stiftung haben sich bereits etliche Bürger getroffen und erste Arbeitsgruppen geplant, berichtete Sigrid Lietzow. Unter anderem gibt es Interessenten für eine Kunstgruppe, eine Begegnungsgruppe und eine Sprachgruppe. Aber es gibt auch andere Ideen. So hat ein Schulleiter im Ruhestand ein Konzept für „Hilfe zur Selbsthilfe“, damit jugendliche Schüler besser dem Fachunterricht folgen können.

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Bad Bramstedt
Im leerstehenden Haus C des Klinikums könnten künftig auch Flüchtlinge untergebracht werden.

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