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Soldaten für Rettung nicht geeignet

Flüchtlingsbeauftragter Soldaten für Rettung nicht geeignet

Der Einsatz des Kieler Tenders „Werra“ zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer stößt auf Kritik. „Ich bin skeptisch und halte nicht viel davon“, sagte der Flüchtlingsbeauftragte des Landes, Stefan Schmidt, am Mittwoch.

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Der Tender „Werra“ legte am Mittwoch von Kiel aus zum Rettungseinsatz im Mittelmeer ab.

Quelle: dpa

Kiel. Die Soldaten an Bord würden sich zwar „alle Mühe“ geben, doch sie seien zur Rettung von Menschenleben auf hoher See nicht hinreichend ausgebildet. Schmidt berief sich auf Augenzeugenberichte und Videomitschnitte aus dem Mittelmeer, wonach erst kürzlich Dutzende Menschen bei einer missglückten Rettungsaktion der deutschen und amerikanischen Marine ertranken. „Es gibt andere Fachleute, die sich dazu eher berufen fühlen sollten als Soldaten“, sagte Schmidt. Er forderte, professionelle Hilfsorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) stärker in Schulung und Beratung einzubinden.

 Landespolitiker verteidigten dagegen den Hilfseinsatz. „Alles, was dazu beiträgt, Menschen zu retten, die vor Krieg, Verfolgung oder bitterer Armut aus ihrer Heimat fliehen mussten, ist gut“, sagte SPD-Landeschef Ralf Stegner. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sprach von einem sinnvollen Beitrag der Bundesmarine: „Gerade wir von der Küste wissen, dass die Rettung aus Seenot Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben muss.“ CDU-Fraktionschef Daniel Günther verwies auf die „herausragende Leistung“ der Bundeswehr bei der Rettung von Flüchtlingen in den vergangenen Wochen: „Da die koordinierte Aktion der EU-Länder gegen verbrecherische Schlepperbanden noch nicht anläuft, ist die Rettung der von diesen in Lebensgefahr gebrachten Menschen umso dringlicher.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg forderte eine koordinierte europäische Seenotrettung. Vorher könne man sich „über jeden geretteten Menschen freuen, egal von wem er gerettet wird“.

 „Die Marine wird substantiell einen Beitrag zur Seenotrettung leisten“, stellte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums klar. Tatsächlich stellt die neue Mission die Marine vor eine Zerreißprobe. „Wir sind am Limit“, sagte ein Offizier.

 Die Seenot-Operation ist die achte Mission, an der deutsche Einheiten beteiligt sind. Für den Einsatz der „Werra“ gebe es bis heute noch keinen Einsatzbefehl, bestätigte Kapitän zur See Peter Görg, Chef des Stabes der Einsatzflottille 1. Grund dafür ist ein reger Dialog zwischen der Marineführung, dem Einsatzführungskommando und der Hardthöhe darüber, welche Einsätze für die Seenotrettung verringert werden müssen. Nach Informationen unserer Zeitung ist eine Vorentscheidung gefallen: Die deutsche Beteiligung an der Anti-Piraten-Mission Atalanta am Horn von Afrika soll radikal gekürzt werden. Auch die Fregatte „Schleswig-Holstein“, bisher an Atalanta beteiligt, soll zusammen mit der „Werra“ Flüchtlinge retten.

Von Frank Behling und Patrick Tiede

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Jedes Leben zählt: Egal, ob es nun von einem italienischen Kapitän, einem philippinischen Schiffskoch oder einem deutschen Soldaten gerettet wird. Tausende Menschen fliehen derzeit über das Mittelmeer, wohl Hunderte ertrinken täglich. Jeder einzelne ist einer zu viel.

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