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Verlorene Seelen auf der Durchreise

Flüchtlingsdrama Verlorene Seelen auf der Durchreise

Die Flüchtlingswelle reißt nicht ab. Das Stena-Terminal ist auch am Montag die zentrale Anlaufstelle für Menschen aus Syrien, Armenien, dem Irak und dem Iran. Viele liegen erschöpft auf dem Boden und schlafen. Andere genießen eine warme Suppe, die von Helfern verteilt wird.

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Tarek Jamous holt nun seine Frau Maram Zianah nach.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Kinder haben sich vor die großen Scheiben im Eincheck-Bereich gesetzt und malen in aller Seelenruhe die vorbeigebrachten Malbücher aus oder lassen Seifenblasen in die Luft steigen. In all dem Durcheinander steht eine junge Frau mit großen braunen Augen. Verängstigt und unsicher wartet sie auf ein neues Leben.

 Die Ereignisse haben Maram Zianah überrollt. Wo die 20-Jährige gerade ist, kann sie noch gar nicht so recht realisieren. Zusammen mit ihren beiden Schwestern, die acht und 18 Jahre alt sind, hat sie sich auf den weiten Weg von Syrien Richtung Norden gemacht. Eineinhalb Monate waren sie unterwegs. Ihr Vater habe nur gesagt: Geht und bringt euch in Sicherheit. Über das, was sie erlebt hat, will sie nicht sprechen – „zu schlimm“. „Ich habe mich unendlich einsam gefühlt und hatte solche Angst wie noch nie zuvor in meinem Leben“, sagt sie in ihrer Heimatsprache. Ein anwesender Dolmetscher übersetzt.

Die Flüchtlingswelle reißt nicht ab. Das Stena-Terminal ist auch am Montag die zentrale Anlaufstelle für Menschen aus Syrien, Armenien, dem Irak und dem Iran. Viele liegen erschöpft auf dem Boden und schlafen. Andere genießen eine warme Suppe, die von Helfern verteilt wird.

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 Über die typische Route Syrien-Türkei-Griechenland-Ungarn-Österreich kam sie schließlich in die Welt, die Sicherheit verspricht. Und schon in Österreich begann ihr neues Leben. Denn da wartete ihr Ehemann, mit dem sie bisher nur auf dem Papier verheiratet war. Die Eltern hatten die Hochzeit arrangiert. Tarek Jamous (24) ist schon zwei Jahre zuvor nach Schweden geflohen. Lernt die Sprache und verdient sich in einer Pizzeria Geld für seinen Unterhalt. Während seine junge Frau unter Todesangst die letzten Grenzen überwand, reiste er mit der Stena Line nach Kiel und fuhr dann mit der Bahn nach Österreich. Übers Internet wusste er immer, wo sie gerade war. Doch kurz bevor er seine junge Frau umarmen konnte, durchlitt auch er Höllenqualen. „Leute warnten mich, dass ich mit meinem Aussehen schnell als Schlepper verhaftet werden könnte“, berichtet er. Doch alles ging gut.

Auf in eine sichere Zukunft

 Nun stehen beide im Kieler Stena-Terminal. Zwei verlorene Seelen auf der Durchreise. Stolz legt der junge Mann seinen Arm um seine Braut. „Wir freuen uns auf eine gemeinsame, sichere Zukunft“, sagt er. In wenigen Stunden dürfen sie einchecken. Dann ist Schweden nicht mehr weit. Für etliche andere Flüchtlinge wird es aber noch dauern. Schon gegen 13 Uhr sind an diesem Tag alle Tickets verkauft. Wer noch keines hat, wird gebeten, es in Rostock zu versuchen. Dort fährt die Fähre dreimal Richtung Trelleborg. 22 Euro müssen sogenannte Fußpassagiere für die einfache Fahrt zahlen. Noch ist die Grenze nach Schweden offen. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht.

 So wird Birgit Nachtigall aus Molfsee auch heute wieder in ihrer heimischen Küche aktiv. Zusammen mit Freunden und dem Restaurant Drahtenhof packt sie seit Freitag Lunchpakete mit Käsebroten und Bananen und bringt sie am Nachmittag zum Fähranleger in Kiel. Da hat der Chefkoch des Restaurants Längengrad schon längst die Linsensuppe mit Kreuzkümmel, Kurmin und Kefirlimetten verteilt. Und Kay Kramm, Revierleiter vom zweiten Polizeirevier, ist wieder zur Stelle, um mit seinem Team den erschöpften Flüchtlingen ein wenig Orientierung zu geben. Erst wenn die Fähre um 18.45 Uhr Richtung Göteborg ablegt, kehrt etwas Ruhe ein. Doch die Ruhe währte bisher immer nur bis zum nächsten Morgen. Ein Morgen, der für die Flüchtlinge ein neues Leben bedeutet.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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