23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Werra“ wird in Kiel ausgerüstet

Flüchtlingseinsatz „Werra“ wird in Kiel ausgerüstet

Babynahrung, Windeln und Spielzeug hatten auf einem deutschen Kriegsschiff bislang nichts zu suchen. In den Marinedienstvorschriften ist ganz klar die Mitnahme von Kindern unter zwölf Jahren verboten. Für die Besatzung des Kieler Tenders „Werra“ werden diese Vorschriften jetzt über Bord geworfen. Denn das Schiff soll Kinder, Frauen und Männer retten.

Voriger Artikel
Kreativer Wildwuchs oder Chaos?
Nächster Artikel
Roskilde-Festival spendet 40 000 Euro

Die 1993 in Flensburg gebaute „Werra“ ist einer von sechs Tendern der Marine.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Anfang Juni wird das 1993 in Flensburg gebaute Schiff von Kiel Kurs aufs Mittelmeer nehmen und sich dort an der Rettung von Flüchtlingen beteiligen. Die politischen Weichen sind gestellt. Ministerin Ursula von der Leyen selbst hatte die Beteiligung an der Seenotrettung angekündigt. „Wir werden für den Rest des Jahres einen substanziellen Beitrag zur Rettungsaktion leisten. Dabei wird es auch eine durchhaltefähige Planung geben“, bestätigt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Verklausuliert heißt das: Es wird die ständige Präsenz von mindestens zwei Marineschiffen im Einsatzgebiet geben. So wie jetzt mit „Hessen“ und „Berlin“. Wer die zweite Einheit sein wird, war gestern noch unklar. Möglicherweise stößt noch eine Korvette aus Warnemünde zur „Werra“. Eine offizielle Weisung für die Durchführung des Einsatzes gibt es noch nicht, deshalb halten sich alle Sprecher mit Details bedeckt.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im Tirpitzhafen in Kiel wird der Tender „Werra“ an der Instandsetzungspier umgerüstet. Es kommen Dinge von Bord, die für den Seenoteinsatz nicht benötigt werden. Zuletzt war die „Werra“ vier Wochen als Versorger für Schnellboote in Schottland im Einsatz. Das benötigte Werkstattgerät kommt an Land.

Kommandant Stefan Klatt und seine 60 Besatzungsmitglieder müssen das 100 Meter lange Versorgungsschiff „kindersicher“ machen. Windeln und Kindernahrung sind nicht alles. Sanitäts-, Schlaf- und Ruhebereiche für Flüchtlinge und sogar zusätzliche Toiletten müssen an Bord installiert werden. Bei den jetzt eingesetzten Einheiten waren die Hubschrauberlandedecks kurzfristig umgerüstet worden. Dixie-Toiletten wurden aufgestellt und Segeltuch als Sonnenschutz installiert. Aufgerüstet werden auch die Seenotmittel. Schwimmwesten und Rettungsinseln müssen an Bord. Für die Ausrüstung steht der Besatzung noch eine Woche zur Verfügung. Dabei müssen auch Unterkünfte für zusätzliches Sicherungspersonal des Seebataillons, der Feldjäger und des Sanitätsdienstes geschaffen werden. Jede Koje an Bord sei verplant, ist zu hören.

Das Auslaufen der „Werra“ ist Anfang Juni geplant. Zwischen dem 10. und 13. Juni soll die „Werra“ sich mit der „Hessen“ und der „Berlin“ in einem südspanischen Hafen treffen. Dort soll Ausrüstung ausgetauscht werden. Danach könnte die „Werra“ am 15. Juni das Einsatzgebiet erreichen. Dabei wird die „Werra“ auch den zum Rettungsschiff umgebauten Kutter „Sea-Watch“ überholen. Die private Rettungsmission war medienwirksam am 19. April in Hamburg gestartet. Sie kam bislang aber nur bis La Coruña in Nordspanien.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Seenotrettung
Foto: Die "Werra" hat am Mittoch Kiel verlassen.

Der Tender "Werra" hat Kiel zur Operation Seenotrettung verlassen. Kurz nach 10 Uhr legte das Schiff von dem Tabakschuppen im Tirpitzhafen ab und schleuste kurz danach in den Nord-Ostsee-Kanal ein.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr