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Verständnis geht durch den Magen

Flüchtlingshilfe Verständnis geht durch den Magen

Von Kochen bis Kicken: Die Azubis der Provinzial-Versicherung organisierten ein Mitmachprojekt für junge Flüchtlinge. Das abschließende Fußball-Turnier steigt am Freitag.

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Zwölf Auszubildende der Provinzial organisierten ein dreitägiges Programm mit jungen Flüchtlingen. Dabei wurde in der Küche des Awo-Stadtteilzentrums „Altes Volksbad“ in Neumühlen-Dietrichsdorf auch gemeinsam gekocht. Vor dem Essen wurde ein gemeinsames Foto gemacht, bei dem alle ihren Spaß hatten – auch Sozialstaatssekretärin Anette Langner (vorn in der Mitte).

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Über den eigenen Tellerrand schauen, wollten zwölf Auszubildende der Provinzial Nord Brandkasse und organisierten eigenständig ein dreitägiges Mitmachprojekt mit 25 jugendlichen Flüchtlingen, die in Kiel und Preetz leben. Nach dem Kennenlern-Besuch bei der Provinzial in Kiel wurde gestern im Awo-Stadtteilzentrum „Altes Volksbad“ in Neumühlen-Dietrichsdorf gemeinsam gekocht. Am Freitag beginnt ab 15.30 Uhr auf der Waldwiese ein Fußballturnier mit zehn Mannschaften.

 Sana (13) und Adam (14) freuen sich. Das syrische Gericht Mnasale, mit Hackfleisch gefüllte Auberginen, das auf dem Herd brutzelt, ist fast fertig. Zusammen mit dem Koch Murad Miro, der 1999 aus Syrien nach Kiel gekommen ist, und dem Albaner Elvis (22) haben die beiden jungen Syrerinnen das Essen aus ihrer Heimat mit vorbereitet. Es wird die Hauptspeise eines Drei-Gänge-Menüs, das die Provinzial-Azubis und die jungen Asylsuchenden gemeinsam kochen. In einer anderen Ecke der Küche backen Tasneem (15) und Eva (12) aus Syrien sowie der Albaner Roland (23) Waffeln für die Nachspeise. Es wird viel erzählt und gelacht. Als alles angerichtet ist, erklingt orientalische Musik. Viele tanzen spontan. Beim gemeinsamen Essen an dem langen Tisch wird es ruhiger.

 „Es ist toll, was die Provinzial-Azubis für uns machen“, freut sich Tasneem. Sie und alle anderen hätten sehr viele Informationen bekommen. Auffällig: Nach nur wenigen Monaten in Deutschland sprechen die allermeisten jungen Syrer, die an dem Projekt teilnehmen, bereits sehr gutes Deutsch. „Wir werden weiter fleißig sein und freuen uns auf die Schule“, fügt Adam hinzu. Mit dem Ende der Sommerferien besuchen einige ab Montag die Gemeinschaftsschule Hassee, andere die Klaus-Groth-Schule. Die drei Mädchen und Adam erzählen, dass sie das Abitur machen und studieren wollen, um Ingenieur zu werden. Abdelrahman (15) hat vor, Pilot zu werden und hat zudem zwei starke Wünsche: die deutsche Sprache richtig gut sprechen und verstehen lernen sowie in die deutsche Gesellschaft integriert zu werden. Die anderen in der Gruppe stimmen ihm zu.

 „Das Projekt der Provinzial-Azubis ist ein großartiges Beispiel dafür, um junge Menschen bei uns willkommen zu heißen“, sagte Anette Langner, Staatssekretärin im Kieler Sozialministerium. Angesichts der abscheulichen Bilder und Fakten, die täglich bekannt werden, seien das „gute Signale zu zeigen, Deutschland ist anders“. Zudem, so Langner weiter, könnte man viel von den jungen Menschen lernen.

 Eigentlich wollten die Auszubildenden eine ganze „Perspektiv-Wechsel-Woche“ organisieren. „Der Aufwand war aber riesig“, sagte Nele König, Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Mit Günay Turan von der Arbeiterwohlfahrt Kiel, die das Projekt unterstützt, konnte dann ein Drei-Tages-Programm auf die Beine gestellt werden. „Die wenigsten von uns haben Kontakte zu Asylsuchenden. Das wollten wir ändern und damit auch Vorurteilen begegnen“, sagte sie. Arne Fischer stellte weitere Unterstützung der Provinzial in Aussicht. „Wir werden schauen, ob wir Praktikantenplätze zur Verfügung stellen können“, kündigte der Hauptabteilungsleiter im Bereich Personal an.

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