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Flüchtlingshilfe auf der grünen Wiese

Kiel Flüchtlingshilfe auf der grünen Wiese

Noch sieht das 15000 Quadratmeter große Areal aus wie ein Acker mit Grünbepflanzung. Doch auf dieser Fläche am Bremerskamp zwischen der Gemeindegrenze zu Kronshagen und Uni-Campus sollen frühestens ab September 2016 rund 600 Menschen nach ihrer Flucht in einer Erstaufnahmeeinrichtung zur Ruhe kommen.

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Auf großes Interesse der Ortsbeiräte stießen die Erläuterungen von Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (Bildmitte, links) und Projektleiter Thiemo Lüeße (rechts). Im Herbst 2016 soll auf der großen Wiese am Bremerskamp eine Erstaufnahmeeinrichtung für 600 Flüchtlinge stehen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Wo Flüchtlinge bis dahin provisorisch unterkommen sollen, blieb bei einem Ortstermin am Bremerskamp aber weiter unklar.

 Das Interesse an der Erstaufnahmeeinrichtung, die später Studenten als Quartier dienen soll, war groß. Etwa 20 Vertreter dreier Ortsbeiräte (Suchsdorf, Steenbek-Projensdorf, Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook) einschließlich der Kronshagener Verwaltungsspitze nutzten die Möglichkeit der Vor-Ort-Information. „Eine Luxusunterbringung wird es hier allerdings nicht geben“, betonte der für Erstaufnahmeeinrichtungen zuständige Projektleiter des Landes, Thiemo Lüeße. Gebaut werde nach Standards des sozialen Wohnungsbaus mit durchschnittlich sechs bis acht Quadratmetern Platz pro Person.

 Als Langzeit-Unterkunft sei die Einrichtung auch nicht konzipiert. Spätestens nach ein paar Wochen sollen die Flüchtlinge auf andere Kommunen im Land verteilt werden, wo sie dann möglichst schnell in Wohnungen unterkommen sollen. Die neuen Erstaufnahmeeinrichtungen in Kiel, Lübeck und Flensburg dienten laut Lüeße den Neuankömmlingen erst einmal als Rückzugsraum, um nach oft schlimmen Flucht-Erfahrungen zur Ruhe zu kommen und sich in einer völlig neuen Kultur zu orientieren.

Diverse Hilfestellungen

 Dazu werden den Flüchtlingen in der Kieler Erstaufnahmeeinrichtung mit rund 9000 Quadratmetern Nutzfläche diverse Hilfestellungen angeboten. Dazu zähle unter anderem ein dort angesiedelter ärztlicher Dienst zur Erkennung und Behandlung von möglicherweise auch infektiösen Krankheiten. Außerdem kümmerten sich 19 Betreuer um die Sorgen und Nöte der Bewohner, deren Kinder vor Ort umsorgt würden. Zudem erhält die Einrichtung einen eigenen Sicherheitsdienst sowie eine Polizeistation mit voraussichtlich fünf Beamten. Hinzu kämen Dienststellen des städtischen Amtes für Ausländerangelegenheiten sowie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

 Offen bleibt hingegen die Frage nach den vom Land zu tragenden Kosten der Einrichtung, die nach etwa neun Monaten Bauzeit stehen soll. Thiemo Lüeße mochte sich auf eine konkrete Summe nicht festlegen („...auf jeden Fall eine achtstellige Zahl“), um das laufende Bau-Ausschreibungsverfahren nicht negativ zu beeinflussen.

 Offen ist auch, welche äußere Abschirmung das Gebäude erhalten soll. Einen hohen Zaun, gar von Stacheldraht gekrönt, hielt Lüeße für „unangemessen“. Schließlich solle das Gebäude ja noch erkennbar und für Nachbarn zugänglich bleiben. Andererseits müssten die Bewohner vor unerwünschten Besuchern durch eine „Form der Einfriedung“ auch geschützt werden.

Stadt will Land unterstützen

 Sozialdezernent Gerwin Stöcken betonte die Bereitschaft der Stadt zur Unterstützung des Landes bei der Flüchtlingsunterbringung: „Kiel muss und kann Menschen in Not aufnehmen. Allerdings wünschen wir uns vom Land auch eine möglichst frühzeitige Einbindung in die Planungen.“ Die Anmerkung des Dezernenten zielte zwischen den Zeilen insbesondere auf die ebenfalls noch unbeantwortete Frage, wo Flüchtlinge in Kiel bis zur Fertigstellung der Erstaufnahmeeinrichtung in provisorischen Unterkünften unterkommen sollen.

 Wie berichtet, sind für solche Wohncontainer zwar bislang drei nicht näher bezeichnete Standorte in der Stadt im Gespräch. Benennen wollte sie Thiemo Lüeße aber nach wie vor nicht, bat stattdessen um „Verständnis für meine noch etwas geheimniskrämerische“ Zurückhaltung.

 Die Anmietung von Wohncontainern ist nach Einschätzung des Haus&Grund-Geschäftsführers Sönke Bergemann jedoch „keine gute Lösung und nur im absoluten Notfall umzusetzen“. Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Integration wäre es weit sinnvoller, Flüchtlinge in einem „normalen“ Wohnumfeld unterzubringen. Der Verein sei „gerne bereit“, gemeinsam mit der Stadt einen Aufruf an alle Haus&Grund-Mitglieder zu starten, um Wohnraumreserven zu mobilisieren. Als Voraussetzung nannte Bergemann jedoch, dass die Stadt als Vertragspartner der Vermieter auftrete. Auch finanziell lohne die Alternative: „Denn die Anmietung von Containern dürfte teurer sein als die Unterbringung von Flüchtlingen in einem normalen Haus.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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