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Flughafen Holtenau: Zukunft bleibt ungewiss

Gutachten Flughafen Holtenau: Zukunft bleibt ungewiss

Ein Gewerbegebiet mit Landebahn oder ein neues Stadtviertel? Schon lange wird darüber gestritten, wie es mit dem Flugplatz in Kiel-Holtenau weitergehen soll. Ein mit Spannung erwartetes Gutachten, das die Stadt für 125 000 Euro in Auftrag gegeben hat, sollte mehr Klarheit bringen.

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Holtenau ist streng genommen nur noch ein Verkehrslandeplatz. Dennoch: Immer mehr Geschäftsflieger nutzen das Flugfeld im Kieler Norden.

Quelle: Frank Behling (Symbolfoto)

Kiel. Doch eine eindeutige Empfehlung gibt es nicht. Das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos hat zwei Varianten untersucht: Eine geht davon aus, dass der Flugbetrieb fortgesetzt wird und sich gleichzeitig Unternehmen auf dem Gelände ansiedeln. Die andere Variante wäre, den Flugplatz dicht zu machen und einen neuen Stadtteil mit Wohnungen und Gewerbe zu bauen. Die Gutachter konnten aber „kein K.O.-Kriterium“ feststellen, das „komplett gegen die Umsetzung einer der beiden Varianten spricht“, heißt es in dem fast 157-seitigen Papier, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Prognos schlägt stattdessen einen Kompromiss mit zwei Umsetzungsmöglichkeiten vor: Die Entwicklung des Flugbetriebs samt Gewerbe (Airpark) voranzutreiben und diese Option nach einigen Jahren wieder zu überprüfen oder einen sofortigen Schließungsbeschluss, den die Stadt aber zeitverzögert umsetzen könnte.

Die Ratsversammlung ist am Zug

Kiels Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer (SPD) sieht das Gutachten als gute Grundlage für eine sachliche Debatte, da beide Seiten gute Argumente hätten. Er selbst legte wieder ein Bekenntnis zum Landeplatz ab: Der Betrieb habe sich mit etwa 16000 Flugbewegungen stabilisiert und die Zuschüsse seien gesunken. „Ich kann momentan keine zwingenden Gründe erkennen, den Flughafen zu schließen.“ Er will der Politik raten, ihn zumindest mittelfristig weiterzubetreiben. Rückenwind erhält der Flugplatz auch von der Wirtschaft und der CDU. Die Kieler Industrie- und Handelskammer fordert Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann sieht im Flugplatz einen „unverzichtbaren Standortvorteil“, den man nicht leichtfertig aufgeben dürfe. Wohnraum könne auch außerhalb des Geländes entstehen. „Der Flughafen hat eine große Bedeutung für unsere Landeshauptstadt“, sagte CDU-Verkehrsexperte im Landtag, Hans-Jörn Arp.

Jetzt ist die Ratsversammlung am Zug. Das rot-grün-blaue Ratsbündnis hat zugesichert, nach Vorlage des Gutachtens noch 2016 über die Zukunft des umstrittenen Flughafens, von dem seit 2006 kein Linienflieger mehr abhob, zu entscheiden. Damit droht ein weiterer Kooperationskonflikt. Während die Grünen den Flugplatz am liebsten gleich schließen wollen, um sofort mit den Planungen für einen neuen Stadtteil mit Wohnen und Gewerbe zu starten, macht sich die SPD für eine Weiterentwicklung des Airparks stark.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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