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Flughafen in Kiel-Holtenau bleibt Zankapfel

Gutachten Flughafen in Kiel-Holtenau bleibt Zankapfel

Starker Rückenwind für den Kieler Flughafen: Einen Tag nach der Veröffentlichung des Gutachtens zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung der Luftverbindung stellt sich, wie erwartet, eine breite politische Mehrheit, Gewerkschaftsbund und Wirtschaft hinter den Kurs der Verwaltung, am Flugplatz festzuhalten.

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Der Ball liegt jetzt bei der Politik, die laut Zeitplan noch in diesem Jahr entscheiden könnte, wohin die schwierige Reise des Flughafens in Kiel geht.

Quelle: Frank Behling (Symbolfoto)

Kiel. Grüne und Linke wollen ihn dagegen so schnell wie möglich schließen. Damit ist die Debatte um das fast 100 Hektar große Areal in der Stadt, der Engpässe beim Wohnraum wie bei Gewerbeflächen drohen, voll entbrannt. Nach jahrelanger Hängepartie wird der Ruf nach klarer Entscheidung über die Zukunft des Flughafens lauter.

 Immer wieder gerät der mit 500000 Euro im Jahr subventionierte Flughafen zwischen die Fronten. Gewerbegebiet mit Landebahn (Airpark) oder ein neues Stadtviertel? Die Prognos-Expertise sah auf beiden Seiten gute Argumente und schlug eine Kompromissvariante vor. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der sich gegen eine schnelle Schließung stemmt, hofft auf Versachlichung der Debatte. Der Ball liegt jetzt bei der Politik, die laut Zeitplan noch in diesem Jahr entscheiden könnte, wohin die schwierige Reise geht: Am 3. November beraten drei Ratsausschüsse das Gutachten, am 17. November liegt es der Ratsversammlung vor.

 Bis dahin trommeln Befürworter und Gegner für ihre allseits bekannten Positionen. „Der Flughafen ist Teil der Wirtschaftsinfrastruktur und benötigt jetzt endlich eine zehn- bis 15-jährige Planungssicherheit“, erklärte nicht nur Jörg Orlemann, Hauptgeschäftsführer der Industrie-und Handelskammer. In dieselbe Kerbe schlägt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB): Die Arbeitnehmer erwarteten von der kommunalen Politik ein rasches Bekenntnis zur Landebahn mit klarer Perspektive für die Kiel-Region, fordert auch DGB-Vorsitzender Frank Hornschu ein Ende der Verunsicherung.

 Auch die Ratsfraktionen von SPD und SSW stellen sich wenig überraschend hinter den Flugbetrieb: Benjamin Raschke (SPD) und Marcel Schmidt (SSW) teilten gemeinsam mit, dass der Airpark auch angesichts der in Kiel knappen Gewerbeflächen ein Standortfaktor sei. Ähnlich klingt es bei CDU und FDP. Beide Fraktionen verlangen mit Blick auf SPD, Grünen und SSW, für die Unternehmen endlich Planungssicherheit herzustellen und keine faulen Kompromisse mehr zu schließen. Der Flughafen sei ein „herausragendes Alleinstellungsmerkmal“ für die Stadt im Werben um Gewerbeansiedlungen, betont Jan Wohlfarth (CDU). Ralf Meinke (FDP) führt zudem das laut Gutachten geringere finanzielle Risiko für die Stadt bei einem Airpark ins Feld.

 Wie die Befürworter sehen sich auch die Flughafengegner der Grünen und Linken durch das Gutachten bestärkt. Die Schließung des Flughafens ermögliche eine umfassendere Entwicklung des Areals und der benachbarten Gebiete, ist Stefan Rudau (Ratsfraktion Die Linke) überzeugt. Für Lutz Oschmann, Fraktionsvize der Grünen, sprechen deutliche Vorteile für die Variante Wohnen und Gewerbe, da die Gewerbeflächen und Arbeitsplätze laut Gutachten doppelt so hoch wie beim Airpark ausfielen. Dazu komme der Aspekt „dringend benötigter Wohnbauflächen“, grenzt sich Oschmann vom Kurs des Kooperationspartners SPD ab. Die SPD-Basis zeigt sich dagegen längst nicht so geschlossen wie ihre Spitzenleute. Kämpfers Linie, den Flughafen weiter zu betreiben, hält Michael August, SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Holtenau, für das „Schlimmste, was passieren kann. Die Entwicklung des MFG-5-Geländes hängt von einer schnellen Entscheidung ab. Wir brauchen mehr Wohnraum und Gewerbeflächen.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Leitartikel
Kristian Blasel

Monatelang haben Kieler Politik und Wirtschaft auf dieses Gutachten gewartet. Nun ist es da, doch auf den ersten Blick hat sich damit nichts geändert: Die Grünen sehen sich in ihrem Nein zu einem „Airpark Holtenau“ bestärkt.

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