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Senioren entdecken Kultur des Teilens

Foodsharing Kiel Senioren entdecken Kultur des Teilens

Ihre ärgsten Auswüchse zeigt die Wegwerfgesellschaft bei Lebensmitteln. Damit sich das ändert, engagieren sich seit vier Jahren 80 bis 100 überwiegend jüngere Leute bei Foodsharing Kiel. Sie holen nicht mehr verkäufliche Lebensmittel in Supermärkten und kleineren Geschäften ab, um sie anschließend zu verteilen.

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Nadja Henze, Jessica Prill und Anika Behrend (von links) von Foodsharing Kiel verteilten in der Räucherei überschüssige Lebensmittel gezielt an alte Menschen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Im Bürgertreff der Gaardener Räucherei hat sich der Verein nun erstmals gezielt an ältere Menschen gewandt. Überwältigend war der Zulauf beim Auftakt nicht, aber ermutigend. Etwa ein Dutzend Seniorinnen schauten sich die Sachen an und deckten sich durchweg mit kleineren Mengen an Lebensmitteln ein. „Ich habe Steckrüben mitgenommen, gerade genug für eine Mahlzeit“: Paula Jugel ist 97 Jahre alt und hat beim Einkaufen oft das Problem, dass die angebotenen Mengen viel zu groß für ihre Bedürfnisse sind. Einfach eintüten, was tatsächlich gebraucht wird, diese neue Möglichkeit findet sie absolut praktisch.

Edeltraud Bötel hat sich derweil mit ein paar Tomaten, Brot und einer Apfelsine versorgt. Bei ihrer Rente, so sagt die 75-Jährige, kann sie sich auch einen normalen Einkauf leisten. Sympathisch findet sie es aber, mit solchen Initiativen etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun: „Keine schlechte Idee!“

Ebenfalls gut finden Nadja Henzel, Jessica Prill und Anika Behrend die Idee, den Gedanken des Essenteilens an Seniorinnen und Senioren heranzutragen. Kommuniziert wird in der Szene gewöhnlich übers Internet, mit dem Ältere oft nichts anzufangen wissen. Also ging das Trio den klassischen Weg und warb sowohl mündlich als auch mit Zetteln für diesen besonderen Lebensmittelmarkt.

Altersarmut trägt auch dazu bei

„Auch Altersarmut ist ja immer mehr ein Thema“, nennt Jessica Prill einen weiteren Grund für die Initiative. Was Martina Lippold bestätigen kann. Die Kielerin betreut zwei alte Damen, von denen eine so wenig Rente hat, dass sie auf die Kieler Tafel angewiesen ist. Ein Angebot im Kreis von Senioren zu schaffen, macht es aus ihrer Sicht für Bedürftige aus dieser Altersgruppe allerdings deutlich leichter. „Ich finde es toll“, lobt Martina Lippold den Vorstoß der drei Frauen von Foodsharing.

Kooperationen pflegt der Verein derzeit mit 15 bis 20 Unternehmen. Jede Woche werden etwa 70 Mal Lebensmittel abgeholt. Brot, Brötchen und Salat sind die Dauerläufer, in der Saison gibt es auch Erdbeeren oder Spargel und je nach (Über-)Angebot gehören verschiedene Sorten an Obst und Gemüse zum Sortiment. Fleisch und alles andere, was ein Verzehrdatum hat, ist bei Foodsharing grundsätzlich tabu. Joghurt, der das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, wird dagegen gern genommen, denn mit einem Verfallsdatum hat diese Angabe nichts zu tun.

Keine Konkurrenz zur Tafel

Geachtet wird außerdem darauf, dass keine Konkurrenz zur Kieler Tafel aufgebaut wird. Zumal Nadja Henze Foodsharing ohnehin als Ergänzung dazu sieht. „Uns geht es ja nicht nur um Bedürftige, sondern auch um Leute, die etwas gegen die Wegwerfgesellschaft tun wollen“, betont sie.

Dieses Ziel will nach den guten Erfahrungen bei dem Versuch vom Freitag auch die Kieler Arbeiterwohlfahrt unterstützen. Der erste Lebensmittel-Marktplatz, so verspricht Bürgertreff-Leiterin Katharina Dreßen, soll nicht der letzte gewesen sein.

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