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Blick in das Klima der Vergangenheit

Forschungsschiff Blick in das Klima der Vergangenheit

Unvorstellbar: 25 000 Jahre Klimageschichte an Bord hatte das deutsche Forschungsschiff „Maria S. Merian“, als es am Freitag nach einer dreiwöchigen Expedition mit Gesteinsproben in den Hafen der kanadischen Küstenstadt Halifax einlief.

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Auf der Expedition mit der „Maria S. Merian“ setzten die Forscher einen sogenannten Multicorer (Bildmitte) ein, um Sedimentproben aus dem Meeresboden zu stanzen. Im Hintergrund ein Kastengreifer, mit dem große Proben von der Oberfläche des Meeresbodens gewonnen werden können.

Quelle: Dr. Felix Gross

Kiel/Halifax. Fahrtleiter Prof. Ralph Schneider von der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) und sein internationales Forscherteam hatten während der Expedition „MSM-45“ zahlreiche Sedimentkerne, Plankton- und Wasserproben entnommen. Die Wissenschaftler aus Deutschland, Dänemark, Peru und Kanada waren dazu in der Labradorsee zwischen Grönland und Kanada unterwegs gewesen. Mehr als 250 Meter Sedimentkerne und noch viele ungezählte Daten sammelten sie nach Angaben der Pressestelle der Kieler Uni auf der 2500 Meilen langen Fahrt.

Aus den Erkenntnissen der entnommenen Sedimentkerne könne man nun die gesamte Klimageschichte der Labradorsee für die vergangenen 25 000 Jahre vollständig dokumentieren, mit aktuellen Beobachtungen vergleichen und damit Rückschlüsse auf die heutigen Klimaveränderungen ziehen. Die Labradorsee, die zwischen Grönland und der Nordostküste von Kanada liegt, ist eines der wichtigen Randmeere in subpolaren Klimazonen. Die Tiefenwasserbildung in dieser Region gilt als Stabilisator der nordatlantischen thermohalinen Zirkulation – eine Kombination von Meeresströmungen, die vier der fünf Ozeane miteinander verbindet und umgangssprachlich auch „globales Förderband“ genannt wird. Dieses transportiert in der Labradorsee mit dem Nordatlantikstrom warmes Wasser nach Norden und hat somit einen entscheidenden Einfluss auf das gemäßigte Klima in Nordeuropa und Nordamerika. Entscheidend für die Tiefenwasserbildung ist die Süß- und Salzwasserbalance in der Labradorsee, erklärte die Uni. Wird diese aus dem Gleichgewicht gebracht, beispielsweise durch ein schnelleres Abschmelzen der Gletscher Grönlands, kann der Nordatlantikstrom geschwächt werden und sich das Klima in den mittleren und hohen Breiten der Nordhalbkugel abkühlen.

Mehr Wissen über Klimaschwankungen

Die Forschungsexpedition „MSM-45“ soll zu einem besseren Verständnis über den Einfluss von großen Süßwasserzuflüssen auf das globale Förderband beitragen. Dafür werden Sedimentschichten untersucht, die Aufschluss geben über Zeiten mit extremen natürlichen Klimaschwankungen. Diese sind zum Beispiel am Übergang zwischen der letzten Eiszeit (vor 25 000 Jahren) und der heutigen Warmzeit aufgetreten. Deren Daten werden anschließend mit heutigen Beobachtungen verglichen.

Die Herausforderung der Expedition bestand zunächst in einer intensiven Kartierung des Meeresbodens und dem Auffinden sowie der Probenentnahme der wenigen existierenden ungestörten Ablagerungen der heutigen Warmzeit. Nur anhand dieser Sedimente könne es – nach Rückkehr der Proben in die Kieler Labore – gelingen, paläoozeanographische Veränderungen in der Labradorsee detailliert zu rekonstruieren. „Es gibt nur wenige Stellen auf den Kontinentalhängen und Schelfen Westgrönlands und Nordost-Kanadas, die sich für die Probenentnahme eignen“, erklärte Fahrtleiter Schneider vom Institut für Geowissenschaften an der Uni Kiel und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“. Man habe rund 250 Meter Sedimentkerne gewinnen können, die nach ersten Einschätzungen „von hervorragender Qualität sind und uns Aufschluss über die Klimageschichte der vergangenen 25000 Jahre geben können“. Die Expedition mit dem Forschungsschiff ist nach Uni-Angaben ein Beispiel für die gelungene Kooperation der Kieler Meereswissenschaften der CAU mit der kanadischen Dalhousie-Universität in Halifax.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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