18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Das Böse ist immer und überall

Forum zur IT-Sicherheit Das Böse ist immer und überall

Der Andrang beim ersten landesweiten Forum zur IT-Sicherheit war groß. Die Kieler Industrie- und Handelskammer (IHK), das Landeskriminalamt (LKA) und der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein dürfen das als Zeichen fürs gewachsene Problembewusstsein in Sachen Kriminalität aus dem Internet werten.

Voriger Artikel
Zukunft jenseits des Kirchturms
Nächster Artikel
Bewährung für Messerattacke

Reges Interesse galt auf dem ersten Landesforum zur IT-Sicherheit den Erkenntnissen des Landeskriminalamtes.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Es kommt nicht von ungefähr, wie zahlreiche Beiträge des Forums deutlich machten. Dass das Böse immer und überall lauert, machte LKA-Chef Thorsten Kramer gleich zu Beginn deutlich. Betrug, Falschgeld, Drogen- und Waffenhandel, ganz zu schweigen von alltäglicher Hetze und Beleidigung: Alles läuft nach seinen Worten zunehmend übers Internet. Hinzu komme ein „enormes Dunkelfeld“, dessen Ausprägungen selbst gewiefte Spezialisten kaum überschauen könnten.

 Ein beliebtes Produkt, das im Verborgenen und teils sogar unverblümt offen gehandelt wird, ist Software, mit deren Hilfe sich IT-Systeme lahmlegen oder auch Daten klauen oder verändern lassen. Um solchen Machenschaften begegnen zu können, hat das LKA das Dezernat 23 formiert, dessen Mitarbeiter sich ausschließlich mit Cyberkriminalität beschäftigen. Alexander Hahn, der Leiter dieser Spezialtruppe, berichtete von stetig steigenden Fallzahlen – und von einer stetig sinkenden Aufklärungsquote. Einer der wichtigsten Gründe für den frustrierenden Trend: Computerkriminalität geschieht international und immer professioneller, Ermittlungsbehörden dagegen tun sich immer noch schwer, nationale Grenzen zu überwinden.

 Frank Müller, der in der Zentralstelle des Dezernats zu den ersten Ansprechpartnern in Sachen Computerkriminalität gehört, betrachtet es dennoch als äußerst wichtig, entsprechende Attacken anzuzeigen: „Nur so kommen wir dahinter, mit welchen Methoden die andere Seite arbeitet, und können entsprechend aufklären.“

 Prävention ist in der Tat die wichtigste Waffe, auf die das LKA setzt. „IT-Sicherheit ist ganz eng damit verbunden“, betont Hahn, nach dessen Worten dieses Thema „unbedingt Chefsache“ sein muss. Vorbeugung müsse in Wirtschaftsbetrieben „sehr, sehr viel mehr“ als eine Firewall zum Virenschutz umfassen, hebt der Experte hervor. Sparsamer Umgang mit Zugangsrechten und getrennt arbeitende Systeme können nach seiner Erfahrung schon viel Unheil abwenden, am aller- wichtigsten ist für Hahn aber die Sensibilisierung und Fortbildung des Personals. „In den meisten Fällen stellt der Mensch die Schwachstelle dar“, lautet sein Befund.

 Wie schnell PCs und Smartphones sich knacken lassen, demonstrierte das Team eines Essener Unternehmens in einer „Live-Hacking-Show“. Auf ebenso unterhaltsame wie beängstigende Weise wurde gezeigt, dass oft schon in Bruchteilen von Sekunden umfassende Datenmengen gestohlen oder unbrauchbar gemacht werden können. Durchweg entscheidend war bei den Vorführungen menschliches Fehlverhalten. Achtlos das Smartphone herumliegen lassen, Allerweltspasswörter, unbedachtes Öffnen von oft schon auf den ersten Blick zu erkennenden Programmdateien, all das öffnet der Netzkriminalität Tür und Tor.

 Damit das künftig möglichst selten der Fall ist, wurde eine Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Landeskriminalamt und den drei schleswig-holsteinischen Industrie- und Handelskammern besiegelt. Enge Zusammenarbeit bei der Aufklärung ist ein zentraler Punkt. Und auch die Zusage, dass Hinweise auf Probleme mit Hackern höchst diskret behandelt werden. Aus gutem Grund, denn viele Firmenchefs meiden nach Attacken die Polizei, weil sie einen Imageschaden befürchten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3