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Schutz vor Übergriffen gefordert

Frau vor Schule getötet Schutz vor Übergriffen gefordert

Der Ehemann, der seine Frau mit einem Küchenmesser in Kiel getötet haben soll, sitzt in U-Haft. Experten bezeichnen das Verbrechen als schlimmste Form der Eskalation von häuslicher Gewalt. Opferschützer drängen angesichts steigender Zahlen darauf, Betroffene besser vor Übergriffen zu schützen.

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In der Nähe der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf hat ein 40-Jähriger seine Frau getötet.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Einer repräsentativen Studie der Europäischen Union zufolge sind 35 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen bereits Opfer häuslicher Gewalt geworden. Zahlen, die sich mit den Erfahrungen der Frauenberatungsstellen in Schleswig-Holstein decken: Bei ihnen steigen die Fallzahlen, in denen Opfer Hilfe suchen, seit Jahren.

Auch die 34-Jährige, die am Mittwochvormittag von ihrem getrennt lebenden Ehemann mit einem Messer getötet worden war, hatte nach Informationen der Kieler Nachrichten Unterstützung gesucht und vor etwa einem Jahr juristisch durchgesetzt, dass sich der gewalttätige Partner ihr nicht mehr nähern durfte. Nachbarn und Bekannte hatten allerdings übereinstimmend berichtet, dass der Mann sich bereits vor dem tödlichen Angriff nicht an die Auflagen gehalten hatte, seiner Frau aufgelauert und sie bedroht hatte.

Frau vor Schule getötet: Sie war Opfer häuslicher Gewalt

„Der Fall Dietrichsdorf ist exemplarisch für das, was ich häufig im Bereich häuslicher Gewalt erlebe und unter welch tragischen Umständen solch ein Fall enden kann“, sagt Martin Lämmerhirt. Der Chef des Weißen Rings in Kiel drängt schon seit Langem darauf, Opfer seitens der Behörden besser zu schützen. Der Polizei will er keinen Vorwurf machen: Sie sei nicht in der Lage, in Fällen zivilrechtlich angeordneter Wegweisungen zu kontrollieren, dass Männer sich an die Auflagen halten.

„Hierzu hat die Polizei gar nicht genug Personal“, sagt Lämmerhirt. Und: „Um einzuschreiten, muss erst Gefahr im Verzug sein – mitunter ist es dann nur zu spät.“ Grundsätzlich stelle sich die Frage, was juristische Kontaktverbote nutzten, wenn sich aus Verstößen keine Konsequenzen ergäben. „Hier müssen neue juristische Wege beschritten werden, wobei Haft eine Option wäre“, so der Opferschützer.

Ex-Partner belästigen Frauen weiterhin

Andrea Langmaack vom Frauennotruf in Kiel spricht von einem gravierenden Problem: 31 Prozent der Frauen, die sich aus einer gewaltvollen Beziehung gelöst hätten, würden weiterhin von ihren Ex-Partnern belästigt. „Was bringt die beste Beratung und Betreuung, wenn man die Frauen nicht schützen kann?“ fragt die Beraterin. Das sogenannte Gewaltschutzgesetz sieht nämlich durchaus auch Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr wegen Nichtbeachtung vor. „Hier muss nur schneller und härter durchgegriffen werden.

Verstöße gegen Kontaktverbote würden häufig mit Geldstrafen geahndet, was renitente Ex-Partner allerdings nicht abhalten würde, den Opfern nachzustellen. „Grundsätzlich darf nicht vergessen werden, dass die eigentliche Trennung oder Scheidung der gefährlichste Moment für die Frau ist“, sagt Langmaack.

Laut Kieler Amtsgericht sind allein im vergangenen Jahr 189 Anträge auf „Erlass einer Gewaltschutzverfügung“, sprich: Näherungsverbote, gestellt worden. Landesweit sind 2016 mehr als 200 gewalttätige Männer von der Polizei aus Wohnungen verwiesen worden. Dreimal so viele Meldungen über Fälle häuslicher Gewalt sind den Beratungsstellen von den Ermittlungsbehörden übermittelt worden.

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