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Freiräume werden mit Licht und Liebe ausgefüllt

Nacht der Kirchen Freiräume werden mit Licht und Liebe ausgefüllt

Die 6. Nacht der Kirchen wird so bunt und vielfältig wie noch nie. Am Freitag, 16. September, öffnen 26 Gotteshäuser in Kiel ihre Türen unter dem Motto „Freiraum – glaube. liebe.hoffe!“.

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Mit Karaoke und Lichteffekten verzaubern Juliane Groß und Pastor Joachim Kretschmar (hinten) in der Claus-Harms-Gemeinde die 6. Nacht der Kirchen in der Bauernhauskirche, während Annelie Kinner von der Gemeinde St. Nikolaus auf Kunst und Pastor Helge Frey (vorn) auf ein deutsch-afrikanisches Fest in seiner Baptistenkirche setzen.

Quelle: Susanne Blechschmidt

Kiel. Imperativ, Befehl von oben? „Manchmal muss man ja Menschen dazu auffordern, doch zu hoffen“, ist die Erfahrung von Helge Frey, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde der Baptisten in Kiel. Seine Amtskollegen bei der Programmvorstellung in der Bauernhauskirche St. Gabriel in Russee repräsentieren andere Konfessionen. Doch ob evangelisch-lutherisch, katholisch oder freikirchlich: „Wir Christen gehören zusammen, und wir zeigen unser Gesicht“, betont Annelie Kinner, Vorsitzende des Kirchenvorstands der Katholischen Gemeinde St. Nikolaus in der Pfarrei Franz von Assisi, und hebt den ökumenischen Charakter dieser Nacht besonders hervor.

 Aber nicht nur Menschen verschiedener Konfessionen sind eingeladen, sondern ausdrücklich „auch die Menschen, die Kirchen sonst eher fernbleiben“. Annelie Kinner wertet es als „wunderbares Zeichen der Ökumene – dass alle den Zutritt zur guten Stube“ erhalten. Wer sich aber vielleicht einen kleinen Schubs geben muss, wird sicherlich nicht enttäuscht. Auf die Besucher warten tatsächlich Freiräume, die ganz anders als sonst ausgefüllt wurden: mit viel Licht und Liebe. Ein Beispiel ist die Bauernhauskirche in der Rendsburger Landstraße: Dort ermöglichte Pastor Joachim Kretschmar von der Claus-Harms-Kirchengemeinde ausdrücklich den Jugendlichen in seiner Gemeinde, das Programm nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

 Das wird radikal umgesetzt. „Alle Stühle kommen raus“, sagt Kretschmar, „man geht oder steht herum, und die Besucher erwartet eine besondere Lounge-Atmosphäre. Alles sieht völlig anders aus als sonst.“ Dafür verantwortlich ist vor allem eine ausgeklügelte Illumination, die den Kirchenraum und auch den Vorplatz des Fachwerkhauses in wechselnden Farben aufleuchten lässt. „Außerdem können die Leute bei uns versuchen, auf der Slackline zu balancieren“, sagt Juliane Groß, die das Programm mit den anderen ehrenamtlich engagierten Jugendlichen gestaltete. So werden Besucher animiert, Karaoke zu singen, „am liebsten solche Lieder, die Liebesbotschaften enthalten. Und mal sehen, vielleicht tanzen ja auch einige.“ Zwischendurch soll immer wieder raumfüllende Orgelmusik erklingen. Zur Stärkung werden den experimentierfreudigen Besuchern Fingerfood aus der Friteuse und alkoholfreie Cocktails gereicht.

 Ganz anders definiert Annelie Kinner das Motto für sich in St. Nikolaus an der Rathausstraße. Sie möchte mit den Besuchern auf Entdeckungsreise durch den „durchgestylten“ Raum gehen. Auch hier tauchen riesige Scheinwerfer die Kirche in rosa- oder andersfarbiges Licht. Das strahlt auch die Kettensägenskulpturen der Künstlerin Rosa Treß an, zum Beispiel ihre Skulptur „Herz“. Dazu liefert die Orgel Livemusik, Balletttänzer schweben durch die Kirche, und es wird „laut, leise, hell und dunkel, bunt und einfarbig“, verspricht Kinner. Während die meisten Programme um 19 Uhr beginnen und manchmal bis Mitternacht andauern, ist die Zeit in St. Nikolaus ausgesprochen kostbar: nur eine Stunde dauert dort die Nacht der Kirchen, und zwar von 21 bis 22 Uhr. Der Abend endet mit einem gemeinsam intonierten „Der Mond ist aufgegangen ...“.

 Ähnlich märchenhaft geht es in der Universitätskirche am Westring zu. Nach einem Konzert der evangelischen Posaunenchöre ist ein Märchen von Hans Christian Andersen zu hören, danach werden Wunschlieder auf Zuruf gespielt. Eher klassisch präsentiert sich dagegen St. Nikolai am Alten Markt, wo ab 19 Uhr ein Konzert die Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung mit Werken bekannter Komponisten thematisiert. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Kiel folgt der Stummfilm „Tramp“ von Chaplin mit Live-Orgelimprovisation. Wer in der Altstadt weiterschlendert, kann nebenan zu den Glocken des Carillons hochsteigen oder mal eben am Kieler Kloster vorbeischauen, wo das Improtheater Tante Salzmann spielerisch-witzig das Motto in Szene setzt.

 Zum ersten Mal dabei ist die Kirche der Baptisten in der Wilhelminenstraße (neben dem Studio): mit einem mehrsprachigen deutsch-afrikanischen Gottesdienst, mit einer Band, mit Rastazöpfeflechten und bunten Gewändern. „Wir haben den Freiraum genutzt für die Interpretation ,alles ist erlaubt’“, erklärt Helge Frey. Dementsprechend finden sich auf dem Büfett schleswig-holsteinische Rote Grütze neben Gerichten mit Kochbananen oder Yams aus Ghana.

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Ein Artikel von
Susanne Blechschmidt
Lokalredaktion Kiel/SH

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