18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Potenzmittel reichten nicht zur Verurteilung

Freispruch Potenzmittel reichten nicht zur Verurteilung

545 gefälschte Tabletten eines rezeptpflichtigen Potenzmittels hortete der Angeklagte in seiner Wohnung, so das Ergebnis der polizeilichen Durchsuchung. Um die Pillen gewinnbringend weiterzuverkaufen, befand die Staatsanwaltschaft und forderte eine Verurteilung zu 3000 Euro Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Doch der Prozess gegen den 58-Jährigen endete am Mittwoch im Kieler Amtsgericht mit einem Freispruch.

Voriger Artikel
Im Nu auf Passivhaus-Standard
Nächster Artikel
Neues Leben auf Hof Akkerboom

Der Angeklagte bezeichnete sich selbst als Dauerkonsument von Potenzpillen.

Quelle: Uli Deck/dpa/ Archiv

Kiel. „Alles für den Eigenbedarf“, behauptet steif und fest der übergewichtige Schnauzbartträger und legt ein ärztliches Attest vor. Danach ist der kleine, untersetzte Endfünfziger wegen seiner Diabeteserkrankung zur Ausübung eines normalen Sexuallebens auf Medikamente gegen erektile Dysfunktion angewiesen. „Ich habe zwei Freundinnen“, berichtet der Mann, „eine Türkin und eine Bulgarin.“ Die beiden Frauen könnten hier gerne eine Aussage machen.

 Doch zunächst widmet sich Richter Jörg Möller der Sprachkompetenz des Angeklagten: „Warum brauchen sie einen Dolmetscher?“ will er von dem geschiedenen Familienvater aus der Türkei wissen, der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt. Die juristisch wichtigen Feinheiten wolle er genau verstehen, lässt der Angeklagte die Übersetzerin mitteilen.

 Zu denen gehört wohl das Verfallsdatum der Tabletten, das schon Ende 2012 abgelaufen ist, wie der Vorsitzende süffisant bemerkt. „Darauf habe ich nicht geachtet“, sagt der Angeklagte. Ein Praxistest zur Wirksamkeit der Imitate liegt dem Gericht zwar nicht vor. Doch die chemische Analyse ergab immerhin die Beimischung eines einschlägigen Wirkstoffs.

 Die Erklärung des bekennenden Dauerkonsumenten, er habe ein Schnäppchen gemacht und sich „bei einem Bekannten“ mit Potenzpillen statt zum handelsüblichen Preis von 14 Euro für nur ein bis zwei Euro pro Stück langfristig bevorratet, lässt sich laut Urteil nicht widerlegen. Der nicht vorbestrafte Hausmeister war im Januar 2014 durch belastende Aussagen eines Landsmannes in den Fokus der Polizei geraten.

 Mit Vorwürfen, der Angeklagte deale nicht nur kartonweise mit gefälschten Viagra-Tabletten („Made in India“), sondern auch mit Drogen, Waffen und Frauen, handelte sich der angebliche Zeuge am Ende selbst eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung ein. Die Anschuldigungen platzten nach dem dramatischen Einsatz eines Mobilen Einsatzkommandos wie eine Seifenblase.

 Am Ende blieben nur die Potenzpillen. Die lagen dort, wo sie hingehören, untermauerte Strafverteidiger Aytug Tuncel seine Forderung nach Freispruch: „Im Schlafzimmer“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3