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Entmagnetisierung: Unter Wasser ist der Bohrer los

Friedrichsort Entmagnetisierung: Unter Wasser ist der Bohrer los

Die Zeit der Vorbereitungen ist vorbei, jetzt beginnt für eine der größten Wasserbaustellen an der deutschen Ostseeküste die spannende Phase. Auf der Kieler Förde starten die Bohrungen für den Bau der rund 63 Millionen Euro teuren Entmagnetisierungsanlage der Bundeswehr, die bis 2021 fertiggestellt werden soll.

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Die Arbeitsplattform „Kurt“ hat vor Friedrichsort mit dem Bohren von 567 Löchern im Grund der Förde begonnen. In diese Löcher kommen später mit Kunststoff bewehrte Pfähle aus Fertigbeton.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Am 8. Februar war Spatenstich für das Großprojekt. Seitdem hat sich auf der Förde einiges getan: So hat die Arbeitsplattform „Kurt“ 14 große Festmacher-Pfähle in den Fördegrund gerammt, und der Boden wurde von metallischen Gegenständen und Kampfmitteln aller Art befreit. „Das war der erste Abschnitt. Jetzt beginnt die eigentliche Bauphase“, sagt Olaf Seifert, verantwortlicher Projektleiter und Leiter des Baubüros Kiel des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA).

Der Klang der Kettensäge ist in diesen Tagen oft an der Förde zu hören. Von der Arbeitsplattform aus haben Arbeiter die Reste der alten Entmagnetisierungsanlage zerlegt. Das 40 Jahre alte Bauwerk war morsch, überholt und nicht mehr leistungsstark genug. Nun bauen die Frauen und Männer draußen auf der Förde zwischen Lindenau-Werft und Friedrichsorter Leuchtturm die neue Anlage, dafür wird die „Kurt“ in einem Sperrgebiet zwischen den 14 Pfählen verankert. Und genau dort wird jetzt gebohrt – Tag für Tag kommen bis zu 20 Meter tiefe Löcher in den Grund der Förde. Später sollen es insgesamt 567 Bohrungen sein, die ein gigantisches Rastermuster – wie ein Schnittbogen – auf dem Meeresboden entstehen lassen.

Eigener Bauhof eingerichtet

In diese Löcher kommen später mit Kunststoff bewehrte Pfähle aus Fertigbeton. Sie bilden das Fundament für die eigentliche Entmagnetisierungsanlage. „Auf dieses Fundament wird dann in einem nächsten Schritt die Anlage gebaut. Bevor das aber beginnt, wird jedes Element an Land montiert und getestet“, sagt Seifert und zeigt zum Gelände des ehemaligen Marinefliegerhorstes, wo ein Bauhof für die riesige Anlage eingerichtet worden ist.

Sein Augenmerk gilt aber zunächst den Pfählen. „Etwa zwei Bohrungen pro Tag, das ist unser Ziel“, so Seifert. Die müssen allerdings auf den Zentimeter genau sitzen. Ob die 567 Bohrungen wirklich in einem Jahr gesetzt sind, hängt auch vom Winter ab. „Wenn das Wetter mitspielt, kann es gelingen“, so der Ingenieur. Bei Sturm und Eis kann „Kurt“ jedoch nicht arbeiten – aus Sicherheitsgründen muss dann pausiert werden.

Wenn die Pfähle gesetzt sind, werden unter Wasser auf dem Grund große Holzkonstruktionen montiert, sogenannte Sondentische, auf denen dann Mess-Sonden und Kabel für die Erzeugung von Magnetfeldern montiert werden. Diese Magnetfelder dienen, wenn die Anlage steht, der Entmagnetisierung der Schiffe. Für diese Vermessung steht die 240 Meter lange und 80 Meter breite Anlage den Kriegsschiffen nach Fertigstellung ab 2021 zur Verfügung.

Neues Kraftwerk wird gleich mitgebaut

„Diese Baustelle ist für uns eines der größten Projekte und eine wirkliche Herausforderung“, sagt Henning Dierken, Leiter des WSA Lübeck. Seine Behörde ist mit der Bauaufsicht betraut. Dazu gehört auch der Bau eines neuen Kraftwerks in Friedrichsort. In einem Gebäude am Deich bei Caterpillar wird in einem Sperrbereich der Bundeswehr ein dieselelektrischer Gleichstromerzeuger errichtet.

Es bleibt also viel zu tun auf einer der größten Baustellen an der Ostseeküste – so lange, bis die Anlage fertig ist. Dann allerdings werden an der Wasseroberfläche nur noch die gelben Sperrgebietstonnen auf das Bauwerk hinweisen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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