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Alternativkneipe „Subrosa“ feiert 20-jähriges Bestehen

Gaarden Alternativkneipe „Subrosa“ feiert 20-jähriges Bestehen

Alternativen Modellen des Arbeitens und Wirtschaftens wird gern eine kurze Halbwertzeit nachgesagt. Aufs „Subrosa“ trifft das aber nicht zu. Im Gegenteil: Die kollektiv geführte Kneipe feiert ihr 20-jähriges Bestehen und kommt bei den Gästen besser denn je an.

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Mitten in Gaarden, mitten im Leben: Das „Subrosa“ in der Elisabethstraße.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. 17 Frauen und Männer sind gegenwärtig für Küche, Tresen und Service zuständig. Viele davon studieren noch und machen mit, weil sie Geld brauchen und zugleich nach einer Arbeit streben, die Sinn und Anerkennung bringt. Andere gehören quasi zum Inventar, sind seit Jahren dabei und machen „Subrosa“ als Hauptberuf.

Marion ist eine davon. Mehr oder weniger vom ersten Tag an war sie Gast in der Gaardener Kneipe und wurde auf diese Weise – wie viele andere auch – zur Mitarbeiterin beziehungsweise Kollektivangehörigen. Die Anfänge, so erinnert sich die autodidaktisch zur Köchin gewordene Kielerin, waren durchaus ein bisschen exotisch. „Eine rein vegetarische Küche, das war damals noch nicht so geläufig“, erinnert sie sich an so manche verwunderte Reaktion, wenn neue Gäste die Speisekarte aufschlugen und feststellten: Nicht Fisch, nicht Fleisch.

Längst hat es sich herumgesprochen, dass beides nicht nötig ist, um gut zu essen. Tofu-Reis-Spinat-Bratlinge, couscousgefüllte Wraps und ganz besonders der mit Sojawürfeln statt Hackfleisch gefüllte „Rosiburger“ finden besten Absatz. Auch bei Leuten, die nur gelegentlich vegetarisch oder vegan essen. Mathias Woloszyn, seit knapp vier Jahren im Kollektiv, geht sogar davon aus, dass die meisten Gäste keine eingefleischten Fleischlosen sind.

Auch kommen die meisten, die Essen bestellen, nicht unbedingt aus Gaarden, sondern aus dem ganzen Stadtgebiet. Junge Familien, Studenten und Berufstätige bei der Pause prägen am Nachmittag und frühen Abend das „Subrosa“. Je mehr es jedoch in die Nacht hineingeht, desto szenemäßiger gestaltet sich das Geschehen. Künstler und Akademiker, freiwillig und unfreiwillig Alternative, Gestrandete und Etablierte – sie alle finden ihren Platz in der Elisabethstraße 25.

„Man ist mitten im Leben“, beschreibt Jan-Philip Waldow das, was das „Subrosa“ ausmacht. Waldow sitzt gerade am Stammtisch „Soziale Arbeit“ der Fachhochschule und erntet umfassendes Nicken für seinen Satz. Einen besseren Platz zum Treffen kann sich niemand vorstellen. Mathias Woloszyn geht es ähnlich. Das „Subrosa“ irgendwo anders in Kiel – das würde nach seiner Überzeugung gar nicht funktionieren. Jedenfalls nicht mit ihm: „Gaarden ist mein Stadtteil, woanders würde ich gar nicht mitmachen.“

Wobei das Mitmachen eine aufwendige Angelegenheit sein kann. Alle 17 Leute im Kollektiv arbeiten zu gleicher Bezahlung, mit gleichen Rechten und Pflichten, mit gleichen Entscheidungsbefugnissen. Jeder ist Chef und Arbeitnehmer zugleich. „Entscheidungen dauern oft länger, aber dafür werden sie dann auch von allen getragen“, beschreibt Woloszyn das Prinzip. Bewährt hat es sich, einmal pro Woche in voller Runde zu tagen. Dass man sich nicht einig wurde, ist dabei noch nie wirklich passiert. Konsens ist Pflicht, manchmal gelingt das zwar nur unter Bauchgrummeln, aber es gelingt. Auch deswegen, weil das Kollektiv souverän genug ist, Beschlüsse, die sich nicht bewähren, zurückzunehmen.

Nichts zurück nimmt man indes seit 20 Jahren in Sachen politischer Haltung. Wie eh und je ist das Subrosa Teil der linken Szene – und ein Spiegel dessen, was sie gerade umtreibt. Widmeten sich in früheren Zeiten die meisten Flyer und Plakate Kriegen, der Atomkraft oder Hartz IV, so dominiert in diesen Tagen eindeutig dieses Thema: „Refugees welcome“.

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