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„Wir haben keine Fehler gemacht“

Gaardener Fälle „Wir haben keine Fehler gemacht“

Die Kieler Polizei will in den Ermittlungen zu den beiden Missbrauchsfällen in Gaarden keine Fehler gemacht haben. Im Gegenteil: Polizeichef Thomas Bauchrowitz wertet in einem Pressegespräch am Montag die Festnahme des Verdächtigen einen Tag nach der zweiten Tat am 31. Januar erneut als „Erfolg“.

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Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz stellte sich den Fragen der Journalisten zu den beiden Missbrauchsfällen in Gaarden.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken hatte bei einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche erklärt, Stadt, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten den zweiten Missbrauch verhindern können. Der Polizeichef teilt Stöckens Auffassung nicht. Zudem habe die Polizei mehrfach auf einen Haftbefehl gedrängt, die Staatsanwaltschaft habe die Situation aber juristisch anders bewertet.

 „Wir hätten dem Mädchen eine ganz schwere Erfahrung ersparen können“, hatte Stöcken gesagt. Aus seiner Sicht hätten Sozialpsychiatrischer Dienst, Polizei und Staatsanwaltschaft vorher handeln können. „An einer Stelle wäre eine Ausfahrt gewesen, die alle hätten nehmen können“, hatte der Dezernent dazu gesagt. Auch nach kritischer Prüfung der Unterlagen sehe er diese Ausfahrt nicht, so Bauchrowitz. Er sei bedacht darauf, eine Erklärung von Stöcken bei dem gemeinsamen Gespräch mit der Staatsanwaltschaft am kommenden Mittwoch zu hören. Seitens der Polizei seien „keine Fehler gemacht worden“, so Bauchrowitz. Hätte man den Täter vorher inhaftieren können? Mit den Möglichkeiten der Polizei nicht, so Kiels oberster Polizist: „Die Ermittlungen haben ihren Lauf genommen, sie sind sehr zügig gemacht worden. Ich bin der Meinung, dass seitens der Kriminalpolizei und der Schutzpolizei ohne schuldhaftes Verzögern gearbeitet wurde.“ Vielleicht hätten andere Behörden andere Entscheidungen treffen können, aber das wisse er schlichtweg nicht.

 „Wir haben immer dann, wenn ein Umstand für die Frage des Haftbefehls entscheidend war, diesen der Staatsanwaltschaft auch mitgeteilt“ so Bauchrowitz. Am 6., 7. und 12. Januar hätten seine Beamten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsergebnisse vorgetragen, auch mit dem Ziel, einen Haftbefehl zu erwirken. Doch der Mann blieb auf freiem Fuß, weil der Staatsanwaltschaft die Haftgründe nicht ausreichten. Hat die Polizei nicht ausreichende Gründe vorgetragen? Bauchrowitz sieht seine Behörde nicht in der Verantwortung: Die Staatsanwaltschaft sei Herrin des Verfahrens und entscheide über die Frage, ob Untersuchungshaft beantragt werden solle oder nicht. „Wir könne nur die nötigen Fakten nennen. Die Bewertungen, die dort vorgenommen werden, haben wir nicht zu kommentieren“, so der Polizeichef.

 Die Polizei schildert ihre Version der Ermittlungen so: Nur eine Stunde nach Bekanntwerden des ersten Missbrauchs einer Fünfjährigen in einer Kita in Gaarden hätten die Ermittler den 30-Jährigen festgenommen. Das Mädchen sei in der Rechtsmedizin untersucht worden. Die Staatsanwaltschaft sah keine Haftgründe und ließ den Mann in der Nacht wieder laufen. Am Folgetag sei das Mädchen vernommen und seien die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt worden. Die Polizei habe der Kita-Leitung empfohlen, ein Hausverbot auszusprechen. Das sei am 8. Januar geschehen. An diesem Tag habe sich die Mutter über den Notruf bei der Polizei gemeldet und Sorgen um ihren Sohn geschildert. Sie habe allerdings auf mehrfache Nachfrage verneint, dass von ihrem Sohn eine konkrete Gefahr für Fremde oder sich ausgehe.

 Nachdem der Verdächtige trotz Hausverbots in den Kindergarten gegangen sei, habe man ihn am 12. Januar gesucht und in der Elisabethstraße in Gaarden angetroffen, mitgenommen und verwarnt. Anschließend habe die Polizei die Stadt über das Ermittlungsverfahren informiert.

 Die Mutter habe auch bei einer Befragung am 18. Januar pädophile Neigungen ihres Sohnes ausdrücklich verneint, aber auf akute psychische Probleme hingewiesen. Im Anschluss habe man erneut die Stadt informiert.

 Am 31. Januar spielte das zweite Opfer mit seiner Cousine auf dem Schulhof, als die Siebenjährige von dem Mann in seine Wohnung gelockt wurde. Die Mutter habe das Mädchen als vermisst gemeldet. Kurz darauf hätten Beamte die Erstklässlerin in der Schulstraße gefunden. Aufgrund der massiven Verletzungen sei das Mädchen unter Vollnarkose operiert worden. Zuvor habe sie den Täter kurz beschrieben. Die Polizei verdächtigte daraufhin einen anderen bereits verurteilten Sexualstraftäter, der nach KN-Informationen in derselben Straße wohnt wie der 30-Jährige. Erst am Folgetag sei das Mädchen in der Lage gewesen, den Ermittlern die richtige Wohnung zu zeigen. „Zwischen Tat und Festnahme lagen weniger als 30 Stunden“, lobte Bauchrowitz seine Ermittler.

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