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Immer wieder Krieg und Krieg

Gaardener Kulturfrühling am Iltisbunker Immer wieder Krieg und Krieg

Lernen die Menschen aus der Geschichte? Herzlich wenig offenbar, denn sie machen immer wieder Krieg und Krieg und Krieg. Das ist die Kernaussage einer beklemmenden Videoprojektion des Kieler Künstlerpaars Charmi am Iltisbunker.

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 Das Künstlerpaar Charmi projizierte bizarre Bilder an die Bunkerwand.

Quelle: Martin Geist

Kiel-Gaarden. 25 Jahre waren es im Dezember her, dass Shahin Charmis Malerei-Projekt „Revolution und Krieg“ am Iltisbunker beendet war. 70 Jahre zurück liegt es, dass der Hochbunker seinen eigentlichen Zweck erfüllte. Der Alt-Gaardener Walter Ehlert hat diese Zeit noch nicht persönlich erlebt, sich aber intensiv damit beschäftigt. Er schilderte am Sonnabend zum Auftakt der Kunst-Aktion, wie die kleinen Leute den Bunker erlebten. „Stromausfall war das Schlimmste, dann fiel auch die Lüftung aus“, heißt es an einer Stelle.

Solche Schilderungen, verbunden mit Zahlen, wonach die Kieler im Krieg 633 Vollalarme erlebten und manchmal 300 und mehr Menschen an einem Tag den Bomben zum Opfer fielen, stimmten die zahlreich erschienen Besucher darauf ein, dass Krieg nicht einfach weit weg ist. Nicht räumlich und eben auch nicht zeitlich. 180 Millionen Tote forderten laut Shahin Charmi die Kriege des 20. Jahrhunderts. So viel zum Thema aus der Geschichte lernen.

Vielleicht tragen Aktionen wie die von Charmi und seiner Frau Patricia dazu bei, entsprechende Einsichten zu befördern. Verstörende Bilder zu verstörenden Klängen der Minimalmusikerin Dörte Marth alias Xyramat legten sich über Rosa Luxemburg, meuternde Matrosen und andere Motive, die Charmi 1989 an die Bunkerwand gemalt hatte. Krieg um Krieg tauchte in kurzen Sequenzen auf und hinein in die in den vergangenen Wochen fotografierten „Gardener Gesichter“. Will heißen: Sie gehen uns alle etwas an, diese Kriege.

Auch der Iltisbunker sollte alle etwas angehen. Meinte zumindest der ehemalige Stadtpräsident Rolf Johanning, der die Aktion eröffnete und dabei detailreich schilderte, wie umstritten die Malerei einmal war. Wie die CDU über „sozialistischen Realismus“ schäumte, die grünen Ratsfrauen angesichts blanker Brüste „frauenfeindliche Darstellung“ beklagten.

Nicht zuletzt plädierte Johanning, der von 1970 bis 1991 Gaardener Ratsherr war, für eine Restaurierung des stark angegriffenen Bunkerbildes. Denn auch wenn die frühere Aufregung passé ist, wird dieses Werk nach seiner Überzeugung noch lange nötig sein, um darauf hinzuweisen, dass der Krieg keine abstrakte Angelegenheit ist.

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