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Gaschke will Kindern mehr Gewicht geben

Oberbürgermeisterwahl Kiel Gaschke will Kindern mehr Gewicht geben

Fünf Kandidaten wollen bei der Oberbürgermeister-Wahl am 28. Oktober das Rathaus von Kiel erobern. Susanne Gaschke (SPD), Gert Meyer (CDU), Andreas Tietze (Grüne) sowie die unabhängigen Kandidaten Jan Barg und Matthias Cravan. Wie und wo werben sie für sich und ihre Positionen? In der zweiten Folge der Reihe „Ortstermin“ besucht Susanne Gaschke den Kinder- und Jugendbauernhof der AWO in Mettenhof.

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Die SPD-Kandidatin für die Kieler Oberbürgermeister-Wahl, Susanne Gaschke, will Angebote wie den Kinder- und Jugendbauernhof in Kiel-Mettenhof stärken.

Quelle: Klahn

Kiel. Kindern mehr Gewicht geben: Eine solche Schlagzeile dürfte der Journalistin Susanne Gaschke gefallen – nicht, weil die Überschrift besonders originell wäre, sondern weil sie dieses Anliegen gar nicht oft genug betonen kann. Gerade hat ihr der Fotograf vorgeschlagen, gemeinsam mit den Mädchen und Jungen auf die Wippe zu klettern, weil das ein so wunderbar symbolträchtiges Motiv ergibt, da ist der Moment plötzlich gekommen: Die Wippe schnellt so abrupt nach oben und nach unten und wieder nach oben, dass nicht nur die Kinder beginnen zu juchzen. Klick. Das kann man nicht spielen.

Gaschke hat den Ortstermin an diesem Morgen mit Bedacht für die Presse ausgewählt – ihr Wahlmarathon führt sie insgesamt zu 80 Stationen in der ganzen Stadt. Mag ja sein, dass das Konzept eines Jugendbauernhofs am Rande des viel zu oft als Problemstadtteil stigmatisierten Mettenhofs nicht neu ist. Mag auch sein, dass der Kontakt zu Tieren und Pflanzen draußen in der Natur für manchen vollkommen unspektakulär ist. „Ich finde es eigenartig modern“, stellt die OB-Kandidatin nach einem gut einstündigen Rundgang fest. „Es handelt sich um offene Jugendarbeit, die zugleich klar und strukturiert ist. Was völlig frei ist, überfordert viele Jugendliche.“

Gummistiefel sind für diese Umgebung tatsächlich das richtige Schuhwerk. Wo ist die Forke? Hofleiter Jens Lankuttis erspart seinem Gast zwar, den Pferdestall auszumisten, bittet die 14-jährige Miray dann aber, Gaschke eine Bürste zum Striegeln in die Hand zu drücken. Das Mädchen nimmt ihrem geliebten Norwegerpferd Hannibal schnell die Scheu vor der Fremden und ermöglicht der Erwachsenen sogar ein paar geführte Runden hoch zu Ross.

„Diese Einrichtung steht im Kontrast zu vielem, was die Jugendkultur sonst so bietet“, sagt die SPD-Kandidatin später. Immer die neueste Mode, immer die angesagtesten Computerspiele, immer die schicksten Cafés: Der Druck, ständig mithalten zu müssen, sei für ohnehin benachteiligte Familien besonders schwer auszuhalten. „Deshalb sind nicht kommerzielle Angebote wie dieses besonders wichtig. Wir könnten in Kiel mehr davon gebrauchen – übrigens auch in Gaarden.“

Der Diskurs, dass die Stadt chronisch pleite ist und eisern sparen muss, mache sie „langsam echt fertig“, gesteht Susanne Gaschke irgendwann an diesem Vormittag. Seit Wochen betont die Wahlkämpferin, dass Kiel zukunftsorientiert bleiben muss und seine Angebote nicht kaputtsparen darf. Gerade bei Projekten wie diesem gehe es um vergleichbar kleine Summen. „Wenn die schwarz-grüne Mehrheit seinerzeit einen Teil der Stadtteilbüchereien aufs Ehrenamt umgestellt hat, dann war das komplett kontraproduktiv. Wer Leselust fördern will, braucht Profis, und die kosten nun einmal Geld.“ Gaschke wird nicht müde zu betonen, dass Bildung ein gesellschaftlicher Schlüssel ist, der in die Hände aller sozialen Schichten gehört. Das sei vielleicht nicht bahnbrechend und nichts, was nicht auch ihre Mitbewerber unterschreiben würden. Zum Selbstgänger wird es für sie trotzdem nicht.

Der Kieler SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Weber nutzt den Besuch, seine Parteifreundin um etwas zu bitten: Als mögliche neue Verwaltungschefin möge sie sich gegenüber dem Land dafür einsetzen, dass der Mettenhofer Jugendbauernhof wieder einen zweiten Mitarbeiter im Rahmen des Freiwilligen Ökologischen Jahres beschäftigen darf – die Stelle war vor ein paar Jahren Kürzungen zum Opfer gefallen. „Hier im sozialen Brennpunkt wäre das dringend nötig.“ Klar, dass Susanne Gaschke nickt.

Sie ist mit dem Hofleiter weiter zu einem Schafgehege gelaufen. Wieso er nicht wisse, welchen Namen das Tier vor ihr habe? Gaschke fragt die Experten, wie sie sagt – die Kinder. Prompt erhält sie eine Antwort: Christin. „Ich bin mir ganz sicher, dass ein solcher Hof eine Abzweigung ist“, sagt sie am Ende. „Hier erreichen wir Kinder, die wir mit anderen Angeboten nicht erreichen.“ Es gebe so vieles in Kiel, was gut funktioniert. Ein künftiger Oberbürgermeister müsse dies stärken.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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