2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Gaschkes Kandidatur stößt auf Kritik

SPD-Basis grummelt Gaschkes Kandidatur stößt auf Kritik

Nach der Nominierung der „Zeit“-Redakteurin Susanne Gaschke zur SPD-Oberbürgermeisterkandidatin rumort es an der Kieler Basis. „Das Beste am Ergebnis vom Wochenende ist, dass es so knapp ausfiel“, sagte zum Beispiel Dieter Hartwig, Vorsitzender des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook. Es gibt aber auch positivere Stimmen.

Voriger Artikel
Schleusenausfall: Chaos im Kanal
Nächster Artikel
Wem gehört das Dekolleté?

Nicht nur Applaus: Susanne Gaschke soll für die SPD ums Amt der Oberbürgermeisterin kandidieren.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.   Kritiker sind in der Kieler SPD schnell gefunden. „Bei 4500 städtischen Mitarbeitern plus weiteren 4200 Angestellten in den städtischen Beteiligungen und entsprechend großen Bilanzsummen ist eine ausgebuffte Verwaltungskraft nötig“, äußert sich ein Genosse. „Bei allem Respekt: Wo soll Susanne Gaschke das gelernt haben?“ Er kenne Parteifreunde, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen CDU-Kandidaten wählen werden. „Bitter!“

Für die Kieler SPD steckt die Suche nach Oberbürgermeister-Kandidaten voller Überraschungen. Zum ersten Mal treten mit Susanne Gaschke und Manuela Söller-Winkler zwei Frauen gegeneinander an. Es wird spannend am 11. August, wenn die Partei ihre Kandidatin kürt.

Zur Bildergalerie

Dieter Hartwig wirft der Kandidatin vor, sich nicht ausreichend mit Kieler Belangen befasst zu haben. „Ich kenne sie seit 1994 und kann mich nicht erinnern, dass sie sich jemals mit Kommunalpolitik auseinandergesetzt hat.“ Stattdessen habe sich Gaschke der Partei jetzt im Juso-Jargon mit „spätantikapitalistischen Thesen“ vorgestellt. „Diese Terminologie ist vorbei.“ Und als Journalistin habe sie zwar Politiker beurteilt, aber noch nie selbst Verantwortung für einen Etat und Arbeitsplätze tragen müssen. „Ich befürchte, dass das bürgerliche Lager unsere Kandidatin ziemlich auseinandernimmt.“ CDU-Kandidat Gert Meyer dürfte aufgrund „intimer Kenntnisse nicht nur von Geld, sondern auch Kultur“ punkten – und durch sein „sympathisches Auftreten“.

Eine ehemalige Genossin billigt Gaschke Entwicklungspotenzial zu. „Ich bezweifle aber, dass sie außerhalb der Partei gut ankommt – und darauf kommt es an. Kiel besteht nicht nur aus der SPD, das müssen die Genossen endlich einmal begreifen.“

Die Jusos äußern sich erwartungsgemäß froh. Gaschke nehme „die Wähler mit“ und habe eine Vision für die Zukunft der wachsenden Stadt. Positives merkt auch Hans-Werner Tovar an, der als Ratsherr zum linken Flügel zählt. Das OB-Amt sei politisch, und insofern halte er das Argument mangelnder Verwaltungserfahrung für nicht entscheidend. Der unterlegenen Bewerberin Manuela Söller-Winkler halte er als Landeswahlleiterin dagegen vor, für eine Wahl zuständig gewesen zu sein, die am Ende nicht verfassungsgemäß war. Und in ihrer Funktion als Kommunalaufsicht habe sie Kiels Kreditaufnahmen so stark beschnitten, dass die Stadt jetzt kaum noch handlungsfähig sei.

Und die anderen Parteien? Hinter vorgehaltener Hand zeigt man sich in der CDU erleichtert, weil man Söller-Winkler für die stärkere Konkurrenz hielt. Offiziell äußert sich Fraktionschef Stefan Kruber zurückhaltend. „Wir brauchen einen Kandidaten mit Erfahrung in Verwaltung und Politik: Gert Meyer ist das beste Angebot, das die Kielerinnen und Kieler haben.“ Die Linke ordnet Gaschke, Meyer und den grünen OB-Kandidaten Andreas Tietze der „Spardiktate-Koalition“ zu, „die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Sozialstaat in Deutschland abzuwickeln“. Die FDP will die SPD- und CDU-Kandidaten öffentlich zur liberalen Programmatik befragen. „Danach sprechen wir eine Wahlempfehlung aus“, kündigt Sebastian Blumenthal an.

_R Ob Kandidaten.jpgzel-uwi-Gaschke hinten

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr zum Artikel
Kieler Ratsversammlung
Foto: Cathy Kietzer (Mitte) gibt ihr Amt als Stadtpräsidentin ab. Gesa Langfeldt (re.) will ihre Nachfolgerin werden.

Mit der neuen Ratsversammlung muss in Kiel auch das Amt des Stadtpräsidenten neu gewählt werden. Cathy Kietzer, langjährige Amtsträgerin, tritt nicht wieder an. In der SPD haben sich noch am Wahlabend die Kandidaten positioniert.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr