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Die Putzkolonne kommt zum Zug

Gesellenprüfung der Gebäudereiniger Die Putzkolonne kommt zum Zug

Sie fanden erschwerte Arbeitsbedingungen vor: 21 Gebäudereiniger legten ihre Gesellenprüfung in einem Waggon der Bahn ab. Dort gibt es besonders knifflige Punkte.

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Akrobatisches Reinigen: Bei der Gesellenprüfung im Zugabteil zeigt Denise-Michelle Horn vollen Körpereinsatz.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Der Geruch von Putzmitteln strömt einem aus den geöffneten Waggontüren entgegen. In den Abteilen ist es stickig und heiß. Trotzdem strengen sich die zwölf angehenden Gebäudereiniger bei ihrer Gesellenprüfung an. Insgesamt 21 Prüflinge müssen sich hier an zwei Tagen beweisen. Jeder der Kandidaten hat einen Bereich zugeteilt bekommen, in dem er Böden, Decken, Sitze und Ablageflächen reinigen soll. Nach sechs Stunden muss alles blitzblank sein. „Im Zug gibt es besonders knifflige Punkte. Ecken, Kanten und Rillen können leicht übersehen werden“, erklärt Wilfried Birck vom Prüfungsausschuss. Zusammen mit Uwe Steckewenz und Michael Plambeck kontrolliert er im Anschluss den Waggon. „Wir beobachten die angehenden Gesellen natürlich schon während der Arbeit, denn der Weg zum Ergebnis zählt auch“, sagt Birck.

 Die Kommission wählt den Prüfort in jedem Jahr individuell aus. „Das Berufsfeld ist ja auch vielfältig. Nicht nur Büros, sondern auch Krankenhäuser, Großküchen oder die Kabinen der Color Line gehören zu den späteren Einsatzorten“, sagt Steckewenz. Rund 100 junge Menschen absolvieren die dreijährige Ausbildung derzeit in Schleswig-Holstein. Da 90 Prozent aller Beschäftigen in diesem Tätigkeitsbereich über keine Ausbildung verfügen, blicken die Gesellen in eine hoffnungsvolle Zukunft. „Gelernte Gebäudereiniger haben gute Übernahme- und vor allem Aufstiegschancen“, so Steckewenz weiter. Sie können schnell in Führungspositionen aufsteigen und koordinieren dann die Abläufe. Schnelligkeit und effektives Arbeiten ist besonders wichtig. Keiner von ihnen wird im Arbeitsalltag noch einmal sechs Stunden mit der Reinigung eines Zugabteils verbringen. „Da muss alles viel schneller gehen“, so Birck.

 Stefan Kloppenburg von der Deutschen Bahn sieht erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Fachkräften und Laien. „Das Fachwissen über die richtige Putzmitteldosierung und Reinigung fehlt bei unausgebildeten Gebäudereinigern“, findet Kloppenburg. Die Deutsche Bahn habe zwar ein eigenes Serviceteam zur Reinigung der Verkehrsmittel, allerdings werde dieses oft durch externe Dienstleister verstärkt. Deshalb unterstütze die Deutsche Bahn die angehenden Gesellen gerne.

 Denise Michelle Horn reinigt heute zum ersten Mal einen Zug. Besonders der Zwischenraum unter den Sitzen, macht der 22-Jährigen zu schaffen. „Es ist schwieriger, als gedacht. Vor allem, weil es enger ist“, so Horn. „Der Vorteil ist, dass die Züge von innen alle gleich sind. Wenn man sich einmal an die Ecken und Winkel gewöhnt hat, ändert sich nichts mehr“, ermuntert Bahn-Mitarbeiter Kloppenburg die Auszubildende. Auch Florian Mitschke bereitet der begrenzte Platz Schwierigkeiten. „Man hat nicht so viel Bewegungsfreiraum und muss sich und sein Arbeitswerkzeug besser organisieren“, erklärt der 29-Jährige bei der Reinigung der Zugtoilette.

 Nur fünf bis zehn Prozent aller Auszubildenden fallen jährlich durch die Gesellenprüfung. Meistens scheitert es dann aber am theoretischen Teil, den die Teilnehmer schon hinter sich gebracht haben. Wilfried Birck ist mit der Arbeit seiner Prüflinge bisher sehr zufrieden. „Sie sind fleißig und konzentriert“, lautet sein Zwischenfazit.

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