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Katzenjammer in Kiel: Streunen verboten

Geflügelpest-Beobachtungszone Katzenjammer in Kiel: Streunen verboten

Tausende von Kieler Katzenhaltern machen sich derzeit ernsthaft Sorgen um ihre Tiere. Denn rauslassen dürfen sie sie seit Dienstag wegen der Geflügelpest nicht mehr – jedenfalls nicht außerhalb ihrer Grundstücke.

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Mursik schmeckt’s (noch): Doch wie lange ihre Katze so friedlich bleibt, kann Ines Janssen nicht einschätzen. Denn raus können ihre beiden Tiere jetzt erst einmal nicht mehr. Die Katzenklappen sind zu. Das wird den beiden Freiläufern bald nicht mehr gefallen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Folge: Wenn aber Katzenklappen dauerhaft geschlossen bleiben (müssen), könnte das die Stubentiger aggressiv machen – oder sogar krank.

Noch sind Paul und Mursik einigermaßen friedlich. Kater und Katze wundern sich zwar, dass die mit Klebeband fixierten Klappen beim Schnauzenstups seltsamerweise einfach nicht mehr den Weg ins Freie eröffnen wollen. Doch aus Sicht von Frauchen Ines Janssen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Ausgangsverbot zur Rebellion ihrer Mitbewohner auf vier Pfoten führen wird und sie Möbel oder Tapeten zerkratzen oder aus lauter Verzweiflung auf den Parkettboden urinieren. „Denn meine Katzen sind Freiläufer, die kann man nicht einfach so einsperren“, sagt sie. „Lange halten sie das jedenfalls nicht durch. Und ich auch nicht.“

Die Inhaberin einer Werbeagentur dürfte beileibe nicht die einzige Katzenhalterin sein, die nicht weiß, wie sie die Anordnung der Stadtverwaltung umsetzen und diese schwierige Zeit überstehen soll. Denn seit Dienstag ist die Landeshauptstadt komplett zur Beobachtungszone erklärt worden. Besitzer von Hunden und Katzen dürfen ihre Tiere nun nicht mehr frei herumlaufen lassen.

Kaum Ansturm auf Katzengeschirre

„Für Hunde ist eine gewisse Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit durch das Laufen an der Leine nicht besonders problematisch. Aber Katzen tun, was sie wollen – das ist ihre Natur“, betont die Leiterin des Tierheims Uhlenkrog, Elisabeth Haase. Deshalb sei es meist auch völlig abwegig, Katzen an einer Leine zu führen. „Daran müsste man sie schon sehr frühzeitig gewöhnt haben. Sonst kann das nicht funktionieren, sie reagieren darauf meist aggressiv.“

So blieb der Ansturm auf spezielle Katzengeschirre in den Geschäften für Tierbedarf offenbar aus. Bei Zoo Knutzen registrierten Mitarbeiter gar keine steigende Nachfrage, im Futterhaus im Citti-Park nur eine leichte. „Es kommen zwar viele verunsicherte Katzenhalter und fragen nach möglichen Hilfsmitteln, aber ein Geschirr kauft kaum jemand“, berichtet Marktleiterin Petra Brandt.

Schon eher als Gegenmittel gegen eine drohende Katzenrebellion in Frage kämen bei Kunden die mit Pheromonen (Botenstoffe) gefüllten Verdampfer (28,99 Euro) oder spezielle Sprays (21,99 Euro) zur Beruhigung der Katzen.

Stress-Vermeider scheinen sinnvoll

Sogar Tierärztin Maja Leptien hält den Einsatz von Pheromonen oder Bachblüten-Globuli für durchaus sinnvoll, um den Katzen allzu großen Stress wegen des verhängten „Ausgehverbots“ zu ersparen. Solcher Stress stelle sich insbesondere bei Freiläufern ein, die es nicht gewohnt sind, in den Wohnhäusern ihrer Halter ihr „Geschäft“ zu erledigen. „Weil Katzen ihr Verhalten nicht einfach so umstellen können, kann das zu Verstopfungen oder entzündeten Blasen führen, die dann ärztlich behandelt werden müssen.“

 Damit es dazu bei Mursik und Paul gar nicht erst kommt, hat Ines Janssen zu einem kleinen Trick gegriffen. Die 51-Jährige hat spezielles Katzenstreu mit Erdgeruch in die Katzentoilette gefüllt. Ihre beiden Freiläufer auf vier Pfoten scheinen die Alternative angenommen zu haben. Vorerst jedenfalls. „Aber was ich tun soll, wenn das Freilaufverbot noch länger anhalten und meine Katzen aggressiv werden sollten, kann ich wirklich nicht sagen.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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