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Windjammerparade nicht in Gefahr

Gegenwind für Traditionsschiffe Windjammerparade nicht in Gefahr

Der Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums zur Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen für Traditionsschiffe in der Passagierfahrt sorgt in der Szene weiter für Unruhe.

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Die neuen Richtlinien für Traditionsschiffe werden zurzeit in Brüssel geprüft. Die Windjammerparade zur Kieler Woche ist aber nicht in Gefahr. Der größte Teil der teilnehmenden Schiffe kommt nicht aus Deutschland. Allein aus den Niederlanden sind jedes Jahr 30 bis 40 Schiffe dabei.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Mit einer Online-Petition wollen Freunde der alten Schiffe jetzt öffentlichen Druck gegen das Ministerium aufbauen. Zuletzt hatten sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer dafür eingesetzt, dass es einen Dialog zwischen den Eignern der Schiffe und dem Ministerium geben soll.

 Die gute Nachricht für Kiel: Selbst wenn die neue Sicherheitsrichtlinie im Mai in Kraft tritt, wird es weiter große Windjammer und ausreichend Segelschiffe bei Hafenfesten geben. „Die Windjammerparade zur Kieler Woche wird stattfinden. Wir haben bereits heute 40 Anmeldungen für dieses Jahr“, sagte am Freitag Kiels Hafenkapitän Michael Schmidt. Der Grund: Von den rund 100 Schiffen, die an dem maritimen Höhepunkt am zweiten Kieler-Woche-Sonnabend teilnehmen, ist nur rund die Hälfte aus Deutschland. Und unter diesen Schiffen ist wiederum ein großer Teil schon heute entweder im Besitz von Reedereien oder als Jacht klassifiziert. Nach der Liste des Hafenamtes vom vergangenen Jahr sind etwa zehn Schiffe darunter, die von einer Verschärfung betroffen wären. Ähnlich das Bild in Hamburg, wo gestern das Programm für den Hafengeburtstag im Mai vorgestellt wurde: „Wir haben bislang keine Unterschiede zum Vorjahr. Die Zahl der Anmeldungen ist hoch“, sagte Meike Bentivoglio, Sprecherin der Organisatoren.

 Problematisch ist die Ungewissheit. „Wir wissen bis jetzt nicht, was da genau auf uns zukommt“, sagte Michael Saitner, Vorsitzender der German Sail Training Union (GSTU), die die zehn großen deutschen Windjammer wie „Thor Heyerdahl“, „Roald Amundsen“ oder „Alexander von Humboldt II“ vertritt. „Gerade bei der Schulung der ehrenamtlichen Kräfte brauchen wir Übergangsfristen. Bei uns sind es 400 Leute, die Schulungen absolvieren müssen. Wenn diese Richtlinie sofort in Kraft tritt, haben wir ein großes Problem“, so Saitner. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass alle Besatzungsmitglieder von Traditionsschiffen mit Passagierbeförderung zukünftig die Seediensttauglichkeitsuntersuchungen bestehen müssen. Bei vielen kleineren Seglern sind die Besatzungsmitglieder im Rentenalter.

 Die neue Richtlinie war bereits vor Weihnachten einmal nachgebessert und bei Fragen des Brandschutzes und der Passagierzahl entschärft worden. Jetzt liegt der Entwurf zur Notifizierung durch die Europäische Kommission in Brüssel. Wenn die Richtlinie dort ohne Beanstandung durchkommt, soll sie umgehend durch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Kraft gesetzt werden. Ob es Übergangsfristen oder Bestandsschutz geben wird, ist weiter unklar. „Es wäre gut, wenn das Ministerium uns an einen Tisch holt und uns informiert“, so Saitner.

 Ein Ausweg zur Umgehung der strengeren Richtlinie ist die Ausflaggung. Saitner: „Österreich wäre da eine Alternative. Kiel wollen wir am Heck aber schon gern stehen haben.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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