23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Ein Observatorium für die Tiefsee

Geomar Helmholtz-Zentrum Ein Observatorium für die Tiefsee

Viele verheerende Erdbeben entstehen in den Tiefen der Meere, können aber schwer vorausgesagt werden. Kieler Meeresforscher unter der Geophysikerin Prof. Heidrun Kopp vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung entwickelten jetzt ein neuartigen Mess-System für Plattenbewegungen in der Tiefsee.

Voriger Artikel
In manchen Ämtern droht der Kollaps
Nächster Artikel
In ein gutes Licht gerückt

Letzte Vorbereitungen an einem Wellgleiter für die Expedition: Geophysikerin Heidrun Kopp geht diese Woche mit 24 Forschern und 30 Besatzungsmitgliedern an Bord des Forschungsschiffs „Sonne“.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Diese Woche starten sie vor Nordchile zur Expedition mit der „Sonne“, um die Prototypen zum ersten Mal weltweit zu testen. Damit schlagen sie neue Wege in der Erdbebenforschung ein.

Die Daten gehen direkt zu Geomar

Kurz vor ihrem Aufbruch nach Chile kontrolliert Heidrun Kopp (42) in einem der Geomar-Lagerräume, ob auch wirklich alle notwendigen Geräte verpackt wurden. Mit dabei ist auch ein Wellengleiter, den die Forscher in ihr neues System mit dem Namen „GeoSEA-Array“ (Geodetic Earthquake Observatorium on the seafloor) integriert haben. Das Neuartige der vier Meter hohen Stahl-Konstruktionen ist, dass die 23 auf dem Boden abgesetzten Stationen in einer Tiefe zwischen 2000 und 6000 Meter miteinander per Schall „sprechen“. Die Datenübertragung – von der Temperatur bis zum Salzgehalt – erfolge drei Jahre lang drahtlos zu einem Wellengleiter an der Wasseroberfläche und von dort per Satellit zu Geomar, erzählt die Professorin. Die wichtigste Aufgabe des durch Lithium-Batterien autarken Tiefsee-Observatoriums aber ist es, an den Plattengrenzen jede Bewegung des Bodens zum ersten Mal millimetergenau zu messen. „So können wir schauen, was vor einem Beben passiert“, beschreibt die Geopyhsikerin.

Hier ereignete sich das größte jemals gemessene Beben

Gleich zwei wichtige Gründe sprachen dafür, sich diese Region für das Pilotprojekt auszusuchen: Zwischen der pazifischen Nazca-Platte und dem südamerikanischen Kontinent entladen sich immer wieder Spannungen in Beben. Das weltweite größte jemals gemessene Beben mit der Stärke 9 ereignete sich im Jahr 1960 dort. Vor der Küste Nordchiles liegt das letzte Beben aber schon lange zurück, so dass die Forscher von einer „seismischen Lücke“ sprechen, die es in diesem Ausmaß nur zwei oder dreimal auf der Erde gibt: Seit dem letzten Ausbruch 1877 bauen sich kontinuierlich neue Spannungen auf: „Deshalb erwarten Seismologen dort ein starkes Erdbeben“, erklärt die Geophysikerin und spricht von „überfällig“. Wobei „überfällig“ für die Forscher in dem Fall einen Zeitraum von heute bis in 50 Jahre umfasst. Das Kieler System soll nach Angaben von Dr. Dietrich Lange (Geomar) helfen, jede Erschütterung der Erdkruste zu erfassen, um Informationen über Entstehung und Verlauf sowie über die daraus resultierenden Tsunamis zu liefern: Während der vorangegangenen Expedition mit dem Forschungsschiff „Sonne“ hatten Kieler Wissenschaftler im Einsatzgebiet bereits das Unterwasserfahrzeug „Abyss“ auf die Reise in die Tiefe geschickt, um möglichst günstige Standorte für die Geräte zu finden. Eine Erdbeben-Vorhersage sei zwar nicht möglich, aber schon ein Einblick in Gefährdungsszenarien, ist die Forscherin überzeugt. Sie startet ab dem 27. November für drei Wochen von Antofagasta aus, um die Stationen zu positionieren.

Neben dem rein wissenschaftlichen Grund gibt es auch einen handfesten wirtschaftlichen Aspekt, weshalb die Deutschen sich eng mit ihren chilenischen Kollegen abstimmen: In Nordchile liegen mit Antofagasta und Iquique zwei der weltweit wichtigsten Kupfer-Exporthäfen. Würde ein Beben riesige Tsunami-Wellen auslösen und die Häfen zerstören, hätte dies Auswirkungen auf den Kupferhandel. Die Folge: Alle Elektroartikel vom Handy bis zur Windturbine würden teurer werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr zum Artikel
„Meteor“ aus Kiel
Foto: Für Kiel vor Afrika: Die „Meteor“ läuft von Namibia aus zur „Geotraces“-Expedition aus.

Seit sieben Jahren untersucht das internationale Forschungsprogramm „Geotraces“ Verteilung von Spurenstoffen in Weltmeeren. Ein Datenloch im Südatlantik soll jetzt mit einer Expedition des Forschungsschiffs „Meteor“ geschlossen werden, geleitet vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3