25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Nordpolar-Eis schmilzt auch von unten

Geomar Helmholtz-Zentrum Nordpolar-Eis schmilzt auch von unten

Ein Forschungsteam um den Meeresgeologen Dr. Henning Bauch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz fand weitere Beweise dafür, dass die Ozeanzirkulation Einfluss auf das Ende der Eiszeiten hatte.

Voriger Artikel
Neuanfang auf Hof Akkerboom
Nächster Artikel
Hanfplantage in Studentenwohnung entdeckt

Bereits auf der zweiten Reise des Forschungseisbrechers „Polarstern“ im Jahr 1984 wurde der Sedimentkern vom Boden der Norwegensee entnommen, der für die aktuellen Untersuchungen des Forscherteams herangezogen wurde.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut/dpa

Kiel. Bisher wurde vorwiegend angenommen, dass die verstärkte Sonneneinstrahlung und der damit einhergehende Temperaturanstieg in der Atmosphäre die Hauptgründe gewesen seien. Doch: „Die Vermutung, dass sich das Tiefwasser im Nordpolarmeer während eines Glazial, einer Kaltzeit, erwärmt hat, legten bereits frühere Studien nahe“, erklärte Bauch.

 Gemeinsam mit Dr. David Thornalley vom University College London und weiteren Forschern aus England, den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Australien hat Bauch nach eigenen Angaben einen weiteren unabhängigen Nachweis dafür erbracht, dass warmes Wasser aus tieferen Meeresschichten von unten zum Abschmelzen von polaren Eismassen beitragen kann. Die Forscher stellten fest, dass sich das Tiefenwasser im Nordpolarmeer während des Höhepunktes der letzten Eiszeit vor etwa 20000 bis 30000 Jahren erwärmte. Dieser Temperaturanstieg wirkte sich in der nachfolgenden Schmelzphase auch auf den Nordatlantik aus und könnte somit zum Schwinden der Eisbedeckung beigetragen haben, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des internationalen Fachmagazins „Science“ erklären.

 Für ihre Untersuchungen isolierten die Geologen Einzeller, die ihre Gehäuse größtenteils aus Kalk aufbauen – sogenannte Foraminiferen – aus verschiedenen Schichten eines Sedimentkerns vom Boden der Norwegensee. Der Sedimentkern, der für diese Untersuchungen herangezogen wurde, stammt noch von der zweiten Reise des Forschungseisbrechers „Polarstern“ im Jahr 1984. „Für mich ist es schön zu sehen, dass eine Region, in der ich schon seit 26 Jahren forsche, immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage bringt”, freute sich der Meeresgeologe. 2019 soll die „Polarstern“ endgültig durch einen Neubau ersetzt werden. „Ich bin somit natürlich auch diesem Forschungsschiff irgendwie dankbar, das in meiner Heimatstadt Rendsburg 1982 auf der Nobiskrug-Werft gebaut wurde. Das Ferne liegt manchmal eben sehr nah, und das nicht nur in unseren Sedimentkernlägern”, sagte der gebürtige Rendsburger.

 Mit der Radiokarbonmethode bestimmten die Forscher das Alter der winzigen Organismen. „So konnten wir nachweisen, dass das Wasser der Norwegensee in etwa 3000 Metern Tiefe Tausende Jahre älter war als näher an der Oberfläche“, erklärte Bauch. „Daraus schließen wir, dass es lange Zeit keinen Austausch zwischen dem alten Bodenwasser und der Atmosphäre gab, und sich das tiefere Wasser erwärmen konnte.“ Die Forscher vermuten, dass eine Linse aus kaltem, süßem Schmelzwasser den Austausch mit der kühleren Luft verhindert hat und die Temperaturen unter der Linse deshalb anstiegen. Den Beleg dafür lieferten auch hier die Foraminiferen, an denen spezielle Sauerstoffisotope, sogenannte „clumped isotope“, nachgewiesen wurden.

 „Der Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass auch Veränderungen in der Ozeanzirkulation drastische Konsequenzen für das Klima haben können“, beschrieb Bauch die Bedeutung der Ergebnisse.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3