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Roboter bannen die Gefahr im Meer

Geomar Roboter bannen die Gefahr im Meer

Das Geomar Helmholtz-Zentrum hat ein wegweisendes und bisher einmaliges Projekt angeschoben, bei dem Roboter alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich machen sollen und gleichzeitig Wasserproben auf Sprengstoffeinträge analysiert werden.

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Warner Brueckmann (links) und Jens Greinert vom Kieler Geomar arbeiten an einem Projekt, bei dem Roboter Minen und andere Sprengkörper unter Wasser entschärfen. Diese Arbeit wird wissenschaftlich begleitet, um mögliche Austritte des Sprengstoffs und die Auswirkungen auf die Umwelt zu analysieren.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die große Gefahr im Meer rostet vor sich hin. Im 20 Meter tiefen Versenkungsgebiet Kolberger Heide vor Heidkate türmen sich Minen bis zu sechs Meter hoch, die nach dem Krieg mit Schuten dort abgekippt wurden. Derzeit werden Bomben, Torpedos und Minen im Meer von den Tauchern des Kampfmittelräumdienstes entschärft oder gesprengt. Das Geomar Helmholtz-Zentrum hat jetzt ein wegweisendes und bisher einmaliges Projekt angeschoben, bei dem Roboter die Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich machen sollen und gleichzeitig Wasserproben auf Sprengstoffeinträge analysiert werden.

 Seit 70 Jahren liegen die Vernichtungswaffen im Meer. An den Deutschen Küsten sind es nach Schätzung insgesamt 1,6 Millionen Tonnen. Ihre Größe entspricht in etwa der Länge eines Güterzuges von Kiel nach München und zurück. „Es ist jetzt an der Zeit, dieses Problem anzugehen. Irgendwann rosten die Ummantelungen durch, denn Minen und Bomben wurden wegen ihres Selbstzwecks nicht für die Ewigkeit gebaut“, sagte Warner Brückmann, Leiter des Technologietransfers bei Geomar. „Es ist ein Anachronismus, dass Taucher ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um die Sprengkörper zu entschärfen.“ Durch die Öl- und Gasindustrie in der Tiefsee gebe es bereits Technologien, die in abgewandelter Form dafür eingesetzt werden könnten.

 Seit dem vergangenen Jahr steht das Thema Munition im Meer bei Geomar ganz oben auf der Agenda. Mit mehreren Partnern aus der Wirtschaft sowie der Uni Kiel und dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) tüfteln die Forscher an einer automatischen Lösung – Forschungsgelder beim Bund sind dafür beantragt. Ein Unternehmen in Hamburg entwickelt einen Roboter, der die Minen aufnimmt, mit einem Wasserstrahl ein Loch hineinschneidet, den Sprengstoff vergeelt und herausspült. Die explosive Masse soll direkt an Bord verbrannt und die dadurch entstehende Energie für den Betrieb der Maschinen genutzt werden. „Ein Roboter kann an einem Tag deutlich mehr Minen unschädlich machen als ein Taucher“, erklärte Brückmann. Kommen gleich mehrere Roboter zum Einsatz, geht es natürlich noch schneller. Ein Prototyp könnte in zwei Jahren fertig sein.

 Forscher am Geomar, Toxikologen der Uni Kiel und IOW-Wissenschaftler begleiten die Arbeit des Automaten. „Wir nehmen Wasserproben und analysieren mit Strömungsdaten, inwieweit sich der Sprengstoff TNT schon jetzt nachweisen lässt oder bei der späteren Entschärfung möglicherweise entweicht“, erklärte Projektleiter Jens Greinert, Professor für Tiefseemonitoring am Geomar. Im April 2016 wollen die Experten zur Kolberger Heide und mit ihren Messungen beginnen. „Das Gebiet liegt vor unserer Haustür. Wir können das. Wir wollen da jetzt ran, wann sonst?“, sagte Greinert. Die Partner wollen Standards erarbeiten, damit später Unternehmen aus der Privatwirtschaft diese Aufgabe übernehmen können. Mit diesem Konzept betreten die Experten Neuland.

 Die Minen im Meer bergen aber noch eine ganz andere Gefahr: Mafia-Jäger und Staatsanwalt Giovanni Falcone wurde 1992 mit seiner Frau und drei Polizisten von einer Bombe bei Palermo getötet. Ein Fischer hatte Weltkriegsblindgänger aus dem Mittelmeer gehoben und den Sprengstoff TNT extrahiert. Etwa eine Tonne davon soll er der italienischen Verbrecherorganisation verkauft haben.

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