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Richtfest: Meeresforscher bauen ihre Zukunft

Geomar-Probenlager Richtfest: Meeresforscher bauen ihre Zukunft

Richtfeste markieren einen wichtigen Bau-Schritt. Michael Wagner, Verwaltungsdirektor vom Kieler Geomar-Zentrum für Ozeanforschung, sprach beim Zentralen Probenlager sogar von einem Meilenstein auf dem Weg hin zu Europas größtem meereswissenschaftlichen Zentrum.

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Architekt John Barnbrook aus Berlin schaut jede Woche einmal bei seinem Großprojekt vorbei. Im Hintergrund ist das neue Zentrale Probenlager zu sehen, neben dem ein Parkdeck mit 169 Plätzen für Autos entstehen soll.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Auf dem ehemaligen Parkplatz steht jetzt nach langen Vorbereitungen der Rohbau für das neue Zentrale Probenlager, auf dem die Richtkrone hochgezogen wurde. Damit nimmt das 90-Millionen-Euro-Gesamtprojekt zum ersten Mal konkrete Formen an. Die Arbeiten für die Erweiterung von Geomar liegen voll im Zeitplan. Mitte Juni soll das Riesenlager, in dem Sedimentkerne mit einer Gesamtlänge von 13 Kilometern Platz finden, eingeweiht werden, sechs Wochen später das Parkdeck mit Stellflächen für 169 Fahrzeuge und einer Vielzahl von Fahrradständern folgen.

Erst nach dem Umzug kann im zweiten Schritt das Bau-Karussell beginnen: Die Gebäude 5 und 6 des bisherigen Probenlagers an der Wasserkante werden abgerissen, um Platz zu machen für den repräsentativen Bau eines Verwaltungssitzes, dessen Grundsteinlegung im nächsten Frühjahr erfolgen soll. Dass am Montag das Richtfest für den ersten wichtigen Bau des Gesamtprojekts gefeiert werden konnte, wertete Geomar-Direktor Prof. Peter Herzig als „deutliches Signal, dass die Bauarbeiten vorankommen und wir in absehbarer Zeit einen modernen Meeresforschungs-Campus von internationaler Bedeutung am Kieler Ostufer haben werden“. Denn Ziel des ehrgeizigen Vorhabens ist es, alle noch über das Kieler Stadtgebiet verteilten Abteilungen des Geomar-Helmholtz-Zentrums am Standort am Seefischmarkt auf dem Ostufer zusammenzuführen.

Fast 1000 Mitarbeiter jetzt am Ostufer

Das von Bund (90 Prozent) und Land (zehn Prozent) finanzierte Projekt ist eines der größten seiner Art in der deutschen Forschungslandschaft und wird auch in Kiel große Auswirkungen haben, da etwa 470 Mitarbeiter vom Westufer-Standort auf das Ostufer umziehen, sodass fast 1000 Menschen im Dienst der Erforschung von Klima und Ozeanen am Seefischmarkt arbeiten werden. An der Kiellinie bleiben voraussichtlich das Aquarium und die biologischen Experimentierräume.

Noch ist das Zukunftsmusik, doch die 7,2 Millionen Euro teure Erstellung des Probenlagers mit der Lochblech-Fassade lässt schon ahnen, wie groß die Ausmaße der Erweiterungsbauten insgesamt ausfallen werden. Im Sommer 2019 soll auch der Ausbau mit Fertigstellung des zweiten Gebäudes abgeschlossen sein. Wagner erinnerte an den 2004 erfolgten organisatorischen Zusammenschluss des Forschungszentrums für Marine Geowissenschaften (Geomar) und des Instituts für Meereskunde (IfM). Eine Fusion, die beiden Einrichtungen gut getan habe: Die Forschung sei „auf einem Niveau, das internationalen Ansprüchen gerecht wird“. Jetzt sollte auch räumlich zusammenwachsen, was zusammengehöre, spielte er auf das Zitat von Willy Brandt an. Während der Entwurf des Staab-Architekten-Büros (Berlin) für das Lager funktional und zweckmäßig ausfällt, soll der Bau an der Wasserkante durch dreieckige Gestaltungselemente aus Blech mit Segel-Optik glänzen.

Das Geomar-Zentrum

Die Forscher untersuchen die chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Das Zentrum gilt mit diesem Spektrum als einzigartig in Deutschland. Bohrkerne, Entnahme von Bodenproben durch Bohrungen und Sedimentproben prägen dabei die Meeresforschung. Sie geben Auskunft über die Beschaffenheit des Bodens und erlauben durch ihre Schichtung einen Blick zurück in die Klimageschichte. Geomar-Kuratorin Doris Maicher berichtete, dass die Kieler Meeresforscher im Jahr im Schnitt 500 Meter solcher Bohrkerne sammeln und präparieren. Ist die Innenausstattung des neuen Zentrallagers fertig, können die Wissenschaftler ihre Proben in 6,5 Meter hohen Gitterregalen lagern lassen. Das Lager mit der kleinen Expeditionshalle im Vorbau, so Maicher, biete so ausreichend Platz bis ins Jahr 2045. Erwartet wird, dass das neue Haus für Bohrkerne bis zu 44000 solcher Proben aufnehmen kann.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Habeck stellt neues Projekt vor
Foto: Munitionsfunde in der Ostsee sollen geborgen werden: Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), Prof. Dr. Peter Herzig (Direktor GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel) und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) legen selber symbolisch Hand an um eine schwedische Ankertaumine von 1912 zu entsorgen, die um die ursprünglich enthaltenen 70 KG TNT erleichtert wurde.

Die ersten Muschelkörbe sind versenkt. Die Weichtiere sind Teil eines einmaligen Forschungsprojekts, das Landesregierung und Geomar am Dienstag in Kiel gestartet haben. Dabei soll systematisch untersucht werden, welche Gefahren von der Munition im Meer ausgehen.

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