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Plankton-Puzzle zum Mitmachen

Geomar Plankton-Puzzle zum Mitmachen

Sie sind zart und bizarr – die winzigen Meeresorganismen aus der Gruppe der Rhizaria. Sie erfüllen doch große Aufgaben. Als tierisches Plankton (Zooplankton) sind diese Einzeller lebend Hauptnahrungsquelle für Fische und Wale und bilden die Grundlage der Nahrungskette im Ozean.

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Die CTD-Rosette wird bis in Tiefen von 6000 Metern abgeseilt: Die Sonde misst Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe beziehungsweise Druck.

Quelle: Dr. Rainer Kiko

Kiel. Tot sind sie fast noch wertvoller, denn beim Absterben nehmen sie Kohlenstoff von der Wasseroberfläche mit in die Tiefsee und tragen so zum Stoffkreislauf der Erde bei. Kein Wunder, dass Forscher mehr wissen möchten über die sogar klimarelevante Organismengruppe, die aber noch längst nicht all ihre Geheimnisse preisgegeben hat. Mit der Teilnahme am Bürgerprojekt Plankton-ID kann nun jeder Interessierte Kiels Meeresbiologen bei der Analyse eines einmaligen Datenmaterials aus den Meeren dieser Welt helfen. „Alles, was für unser Plankton-Puzzle gebraucht wird, sind gute Augen, Sorgfalt und ein Computer“, betonen Dr. Rainer Kiko und Svenja Christiansen, beide Meeresforscher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung sowie Projektkoordinatoren des neuen Citizen-Science-Projektes.

 Die Rhizaria, deren Größe zwischen wenigen Hundert Mikrometern und mehreren Zentimetern variiert, sind äußerst schwer zu erforschen, da sie mit herkömmlichen Planktonnetzen leicht beschädigt werden. Umso mehr ist man auf das dank neuer Technik heute mögliche Bildmaterial aus der Tiefsee angewiesen. „Zurzeit liegen uns mehr als 50000 Bilder allein von der Planktongruppe der Rhizaria vor, die klassifiziert werden müssen“, erklärt Rainer Kiko und räumt ein: „Ohne die Hilfe interessierter Laien würde es Jahre dauern.“ Um diese Fotos sowie weitere Daten zu gewinnen, waren Kieler Meeresforscher von Geomar und der Christian-Albrechts-Universität zusammen mit Fachkollegen vom französischen Observatoire Océanologique in Villefranche-sur-Mer auf Expeditionen vor Angola, Namibia sowie Mauretanien und Peru. An Bord des Forschungsschiffes „Meteor“ nahmen zuletzt Rainer Kiko und Svenja Christiansen aus Kiel an Expeditionen zu den Kapverdischen Inseln teil.

 Auf diesen Fahrten wurde die mit Sonden und Licht ausgestattete CTD-Rosette bis zu 6000 Meter hinabgelassen. Auf ihren Fahrten in die Tiefe maß sie unablässig Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe/Druck, entnahm Proben, und eine druckfeste Unterwasserkamera schoss dazu zwischen sechs und elf Fotos pro Sekunde. „Insgesamt gibt es drei Millionen solcher Bilder, die wir klassifizieren müssen“, berichtet Kiko. Jedes Bild muss zehnmal unabhängig voneinander zugeordnet werden, um eine hohe Qualität der Daten zu gewährleisten, daher haben sich die Forscher 80000 Identifizierungen für die rund 8000 Bilder des ersten Teilprojekts als Ziel gesetzt. Das hört sich gewaltig an, scheint aber lösbar. Nur einen Tag, nachdem die Wissenschaftler ihre Website ins Netz gestellt hatten, waren am Donnerstag bereits 34 Teilnehmer bei der Arbeit und hatten 8000 Identifizierungen vorgenommen. „Am besten geht diese Arbeit auf einem großen Touchpad oder iPad“, sagt Kiko, ansonsten sei aber auch jeder Computer geeignet.

 Dabei macht die Zuordnung der Vignetten zu verschiedenen Planktongruppen ähnlich dem Memory-Spiel viel Spaß und ist ein interessanter Zeitvertreib. Hat man die gewünschte Art der Zuordnung erst einmal begriffen, schnellt auch gleich die überprüfbare Trefferquote in die Höhe. Zudem bietet die Internetseite laufend aktuelle Informationen und Hintergründe. „Vorwissen ist dabei nicht notwendig. Alle, die Lust haben, können unsere Forschung sinnvoll unterstützen und dabei selbst Teil des Entdeckungsprozesses werden“, werben Kiko und Christiansen für die Teilnahme an dem wissenschaftlichen Projekt.

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Ein Artikel von
Susanne Blechschmidt
Lokalredaktion Kiel/SH

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