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Bricht der Marzipan-Erpresser sein Schweigen?

Gericht in Kiel Bricht der Marzipan-Erpresser sein Schweigen?

Ein halbes Jahr nach dem Fund vergifteter Marzipanherzen an einer Kieler Schule muss sich ein 38-Jähriger ab Montag wegen versuchter räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten. Bislang schweigt der gebürtige Kieler zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

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Der Kieler soll zwei Schachteln vergiftete Marzipanherzen an einer Schule ausgelegt haben.

Quelle: Frank Peter (Archiv)

Kiel. Die Jagd nach dem Marzipan-Erpresser im Herbst 2016 war einer der spektakulärsten Polizei-Einsätze der vergangenen Jahre. Tagelang hatte ein 38-Jähriger die Ermittler auf Trab gehalten. Ein halbes Jahr, nachdem Fahnder des Spezialeinsatzkommandos den Verdächtigen festnehmen konnten, beginnt nun der Prozess gegen den Beschuldigten vor dem Landgericht Kiel.

Wegen versuchter räuberischer Erpressung soll dem Kieler der Prozess gemacht werden, sagt Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Beschuldigten, der nach Einschätzung von Experten voll schuldfähig ist, eine Freiheitsstrafe zwischen drei und 15 Jahren. Ende Januar hatte die Kieler Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, ab kommenden Montag wird die 10. Strafkammer des Landgerichts den Fall komplett aufrollen.

Bisher Schweigen in Vernehmungen

Bislang hat der 38-Jährige in Vernehmungen bei der Polizei zu den Anschuldigungen geschwiegen. Möglich ist, dass sich dies nun ändern wird: Nach Einschätzung seines Verteidigers Gerd-M. Achterberg wird sich der Angeklagte vor Gericht voraussichtlich zu den Vorwürfen äußern.

Der gebürtige Kieler soll laut Anklageschrift Mitte September 2016 zwei Schachteln mit vergifteten Marzipanherzen an der Reventlou-Schule ausgelegt haben. Wie Laboruntersuchungen ergaben, waren die Süßwaren mit einem natürlichen Insektenmittel verunreinigt worden. Der Wirkstoff sei zwar in ausreichend hoher Konzentration für Insekten tödlich, für Menschen allerdings nicht.

Per E-Mail waren im September Bombendrohungen gegen drei weitere Schulen eingegangen, betroffen waren damals die Hebbelschule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und die Muhliusschule. Hunderte Schüler mussten zum Teil ohne ihre Sachen binnen Minuten die Klassenräume verlassen. Der Unterricht wurde gar nicht erst begonnen oder vorzeitig beendet. Der Beschuldigte soll versucht haben, von der Handelskette Coop drei Millionen Euro in der digitalen Währung Bitcoins zu erpressen. Etwa 20 Droh-Mails soll der Erpresser insgesamt an das Handelsunternehmen verschickt haben. Ein Coop-Vorstandsmitglied bestätigte damals den Kieler Nachrichten, dass der Täter seine Informationen stets unter dem Absender „coopwillpay“ verschickt hatte. Was den Erpresser zu seiner Tat veranlasst hatte, konnte der Konzern nicht sagen.

Hoher Polizeiaufwand bis zum Zugriff

Die Landespolizei hatte sich im Herbst 2016 mit hohem Personalaufwand auf die Jagd nach dem Unbekannten gemacht. Zeitweise waren mehr als einhundert Polizisten in der Landeshauptstadt im Einsatz gewesen. Kriminalisten war es offenbar gelungen, den Verkaufsort der Marzipanherzen zu rekonstruieren und anhand der Videoaufzeichnungen aus dem Supermarkt den Verdächtigen zu ermitteln.

Mehrere Tage wurde der 38-Jährige von Zivilfahndern rund um die Uhr observiert, dann schlug das SEK zu und überwältigte den mutmaßlichen Erpresser nachts in seiner Wohnung in der Fleethörn. Der Mann, der bereits bei der Polizei bekannt war, ließ sich widerstandslos festnehmen. Er soll bereits in China eine Haftstrafe verbüßt haben. In Kiel war der Mann zuletzt arbeitslos gemeldet gewesen.

Nun startet der Prozess. Am ersten Verhandlungstag ist außer möglichen Einlassungen des Angeklagten auch die Vernehmung einer Polizeibeamtin als Zeugin geplant. Ein Urteil in dem Prozess vor der 10. Strafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitzenden Richter Ralph Jacobsen könnte bereits Ende April fallen.

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Foto: Die Polizei stürmte die Wohnung in der Kieler Innenstadt.

Aufatmen in Kiel: Ein SEK hat am Montagmorgen den mutmaßlichen Coop-Erpresser festgenommen. Um 4.01 Uhr stürmten Beamte die Wohnung eines 38-jährigen Deutschen in der Kieler Innenstadt. Polizei und Staatsanwaltschaft sind sich sicher, den Täter gefunden zu haben. Dieser soll allein gehandelt haben.

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