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Exhibitionist zum 18. Mal verurteilt

Gerichtsverhandlung Exhibitionist zum 18. Mal verurteilt

In Sachen Selbstentblößung ist der Angeklagte als notorischer Wiederholungstäter bekannt. Sein ganzes Leben verfolge ihn der Drang, sich vor Frauen auszuziehen, bekennt der Exhibitionist mit den 17 einschlägigen Vorstrafen. Weil der 63-Jährige dabei nie übergriffig wurde, beließ es das Amtsgericht bei einer Bewährungsstrafe.

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Ein Exhibitionist wurde zum 18. Mal vor dem Kieler Amtsgericht verurteilt.

Quelle: Arne Dedert/ dpa/ Archiv

Kiel. Groß und schlank, kantiges Gesicht, sommerliche Bräune und graumeliertes Haar – nichts deutet bei dem gepflegt auftretenden Angeklagten auf seine bizarre Leidenschaft. Die brachte ihn in den 80er Jahren auch schon hinter Gitter. Im Kieler Packhaus nahm er an Gesprächen für (potenzielle) Triebtäter teil. Und schluckt – angeblich – brav die ihm verschriebenen triebdämpfenden Medikamente.

 Weil er bei seinem letzten Auftritt am 5. September 2014 vor einem Kieler Supermarkt zweifach unter Bewährung stand, musste der Exhibitionist diesmal mit Haft pur rechnen. Nachdrücklich bestreitet er zunächst den Vorwurf: „Ich hatte getrunken und ein ganz dringendes Bedürfnis“, erklärt er, warum er am helllichten Mittag nach Biergenuss am Unterstand für die Einkaufswagen vor einer Kundin die Hosen herunterließ.

 Der Richter glaubt nicht an die Geschichte vom Harndrang. Laut Protokoll berichtete die belästigte Zeugin der Polizei von eindeutigen Handbewegungen. Die Beamten nahmen den Angeklagten mit auf die Wache, wo er keinerlei Bedürfnis nach Urinieren geäußert habe. Als der Vorsitzende ankündigt, die Beteiligten zu befragen, gibt der 63-Jährige klein bei.

 „Um uns allen Peinlichkeiten zu ersparen, stimme ich dem zu“, akzeptiert er den Tatvorwurf. Ob er das Problem mal therapeutisch angegangen sei, fragt der Richter – und erfährt Details über Kreislaufbeschwerden. „Tut mir alles furchtbar leid“, hüstelt der Asthmatiker, zückt seinen Schwerbehindertenausweis und stellt altersbedingten Triebverlust in Aussicht: Mit Mitte 60 habe er eigentlich „überhaupt kein Verlangen mehr“, sei schon viel ruhiger und ausgeglichener geworden.

 Die Staatsanwältin möchte den „doppelten Bewährungsversager“ nicht ein drittes Mal davonkommen lassen. Da spricht der geschiedene Rentner in spe eindringlich von der Angst, seinen kleinen Hund und die Wohnung zu verlieren. Und bekommt, weil der letzte bekannte Vorfall schon vier Jahre zurückliegt, vom Gericht „die allerletzte Chance“: sechs Monate Freiheitsstrafe, auf drei Jahre unter Aufsicht zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil nimmt er sofort an und verabschiedet sich erleichtert: „Dann nochmal vielen Dank!“

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