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Die Magie der Manege

Gesellschaft der Circusfreunde Die Magie der Manege

Ein Leben ohne Zirkus? Das ist für Ottmar Liebicher undenkbar. Seit vielen Jahren engagiert sich der 60-jährige Kieler für den Erhalt der klassischen Zirkuskultur in Deutschland, als Sektionsleiter der Gesellschaft der Circusfreunde (GCD) in Hamburg und Schleswig-Holstein.

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Die Gesellschaft der Circusfreunde ist seine große Familie: Zirkusfan Ottmar Liebicher hat viele Tourneen begleitet und vom Aufbau bis zum Würstchenverkauf mit angepackt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Und in dieser Funktion wird er nicht müde, jeden erreichbaren Zirkus zu besuchen, seine zahlreichen Kontakte zu Artisten und Tierlehrern zu pflegen und sich mit anderen Fans auszutauschen. Seit wenigen Wochen ist Liebicher im Ruhestand – und es überrascht nicht, dass der ehemalige Justizvollzugsbeamte die neu gewonnene Zeit für seine Passion nutzen will.

Ein Kamel namens "Kielius"

Auf Ottmar Liebichers Krawatte thront ein Leopard, am Revers stecken gleich mehrere Anstecker – für den Zirkus im Allgemeinen und Tiere im Zirkus im Besonderen –, und unter dem Arm trägt er mehrere Banner der „Circusfreunde“ sowie Aktenordner mit selbst fotografierten Zirkusmotiven. Ganz klar: Der Mann brennt für sein Thema, und das nicht erst seit gestern. Schon als kleiner Junge habe er seinen Vater in seiner Geburtsstadt Ratzeburg zu Vorstellungen begleitet, erzählt Liebicher. Der war Feuerwehrmann und mit seinem Team für den Brandschutz auf dem Zeltplatz zuständig. Da war der Funke bei seinem Sohn bereits übergesprungen. Die entscheidende Initialzündung für die lebenslange Faszination Zirkus kam dann doch unerwartet. An seinem Geburtstag am 14. Mai 1996 hörte Ottmar Liebicher zufällig im Radio, dass der in Kiel gastierende Circus Carl Busch einen Taufpaten mit Namensvorschlag für ein weißes Kamelfohlen suchte. Liebicher schlug den Namen „Kielius“ vor – und fand sich nicht nur mit Sekt und Kamel in der Manege wieder, sondern erhielt noch eine Ehrenkarte dazu. „Die gilt ein Leben lang“, sagt er nicht ohne Stolz.

Nicht nur Glitzer in der Zirkus-Welt

Inzwischen ist er mit Familie Wille-Busch befreundet, hat Tourneen begleitet und vom Aufbau bis zum Würstchenverkauf mit angepackt. „Ich habe das Metier kennengelernt und weiß, was das für ein knüppelharter Job ist.“ Vielfältigkeit, Internationalität, Zusammenhalt – das sind die Begriffe, die der 60-Jährige Pensionär nennt, wenn er versucht, seine Leidenschaft für die Zirkuswelt in Worte zu fassen. Für eine Welt, die eben nicht nur bunt und glitzernd ist, sondern vor allem schwere Arbeit und Disziplin bedeutet. Das ist überall gleich, ob bei Carl Busch, Krone, Probst oder Charles Knie. Liebicher kennt sie alle, reist selbst über Grenzen bis Dänemark und Monte Carlo, um die neuen Programme zu erleben. Nicht überall gleich ist dagegen die Haltung von Tieren im Zirkus. Während einige namhafte Unternehmen wie Roncalli, Flic Flac oder Cirque du Soleil ausschließlich auf Artistik und Clownerie setzen, gehören für andere Traditionsunternehmen die Tiernummern zu den Hauptattraktionen.

Sachlicher und respektvoller Umgang

„Zirkussen ohne Tiere fehlt die Würze“, findet Ottmar Liebicher. In Debatten mit Tierschutz-Aktivisten betont er gebetsmühlenartig, dass die Tiere im Zirkus geboren sind und unter strengen gesetzlichen Auflagen und Kontrollen gehalten werden. Sobald ein Tierzirkus in Schleswig-Holstein seine Zelte aufschlägt, ist Liebicher mit seinen Mitstreitern von der GCD zur Stelle, verteilt Flugblätter und diskutiert mit Demonstranten. „Es ist wichtig, sachlich und respektvoll miteinander umzugehen“, betont Liebicher. Sein Wunsch: Die Leute sollen sich vor Ort selbst ein Bild machen. Manchmal erlebt er auch skurrile Situationen. So musste er Demonstranten vor einem Puppentheater auf dem Wilhelmplatz darüber aufklären, dass die Vorstellung hundertprozentig tierfrei sei.

Die GCD ist „wie eine große Familie“ für Liebicher. Seit 2008 ist er Leiter der rund 100 Mitglieder zählenden schleswig-holsteinischen Sektion. Zweimal im Monat treffen sich die Zirkusfreunde zum Austausch über Zirkusvorstellungen, zu Betriebsführungen oder Vorträgen. „Das ist mein Ding“, sagt Liebicher. Als Justizvollzugsbeamter in der Justizvollzugsanstalt Kiel war er zuletzt für die Besuchsregelung zuständig. Jetzt hat er endlich ganz viel Zeit für eigene Besuche – im Zirkus. Mit lebenslanger Ehrenkarte, versteht sich.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Das kennen die meisten Besucher: Mit Cirkus Krones Eingangsportal beginnt der Aufbau auf dem Wilhelmplatz.

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