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Schwanensee am Kleinen Kiel

Gespiegelte Liebesgeschichte Schwanensee am Kleinen Kiel

Seit drei Tagen hat ein Schwan mitten in der Landeshauptstadt Gefallen an sich selbst gefunden. Sein Blick in das spiegelnde Kunstwerk "Lichtkinetische Spirale" am Lorentzendamm vor der Förde-Sparkasse will nicht enden. Was steckt dahinter?

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Ein schneller Kuss für das Spiegelbild. Ist dieser Schwan am Kleinen Kiel in sich selbst verliebt?

Quelle: Twitter: @Fichte4

Kiel. Immer wieder betrachtet sich der Schwan in einer der reflektierenden Metallplatten des kreisrunden Kunstwerkes von Hermann Göpfert und Johannes Peter Hölzinger, baut sich vor dem Spiegel auf und stößt mit seinem Schnabel an das Selbstbild. Die Szene haben schon einige Kieler diese Woche am Lorentzendamm beobachtet, als sie am Kleinen Kiel spazierten, aus dem Bus stiegen oder Richtung Förde-Sparkasse gingen. Ist der Schwan in sich selbst verliebt?


Die majestätischen Vögel haben offenbar ein Herz für uns Journalisten: Ausgerechnet im Sommerloch liefern uns Schwäne immer wieder herzzerreißende Liebesgeschichten. Vielen ist noch "Petra", die schwarze Trauerschwänin aus Münster, im Gedächtnis, die 2006 bis 2008 auf dem Aasee eine nicht erwiderte Beziehung mit einem Tretboot in Schwanengestalt führte.


Das auffällige Verhalten von Tieren, besonders Vögeln, gegenüber ihren Spiegelbildern ist ein bekanntes Phänomen, das allerdings noch nicht hinreichend erforscht ist, wie Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein berichtet: "Man kennt das Verhalten von Bachstelzen oder Weißstörchen, die sich in Autos spiegeln." Meist ist deren Absicht aber wenig liebenswürdig: "Die Vögel wollen zwar Interaktionen loswerden, aber meist damit Rivalen bekämpfen."

Ludwichowski selbst hat aber den Eindruck, solche Attacken könnten den Vögeln durchaus Spaß machen. "Weniger natürlich den Besitzern des Autos, auf dem der Weißstorch dann herumhackt." Helfen könne nur, die Spiegelfläche abzudecken. Auch für Vögel, die als einsame Haustiere gehalten werden, hat die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz bereits davor gewarnt, Spiegel oder Vogelattrappen im Käfig zu platzieren. Die könnten zu Verhaltensstörungen der Tiere führen, heißt es.

Schwan im siebten Himmel?

Keine Kampfhandlungen sind dagegen vom Schwan am Kleinen Kiel bekannt – sein Geschlecht übrigens auch nicht. Dass er sich seinem Spiegelbild gegenüber offenbar milde verhält, hält Ludwichowski für "etwas ungewöhnlich. Schwäne sind nämlich eigentlich sehr aggressiv in der Brutzeit." Am Kleinen Kiel hat es allerdings Anfang Juni bereits Schwanennachwuchs gegeben. Vielleicht ist der Schwan nun eben als besonders stolze Mutter oder Vater Schwan im siebten Himmel?


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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kleiner Kiel
Foto: Großer Schwanenstolz am Kleinen Kiel: Aus den Eiern im Nest sind insgesamt fünf Küken geschlüpft.

Ach, du lieber Schwan. Das weiß gefiederte Pärchen mit den langen Hälsen, das seit (vermutlich) zwei Jahren am und im Kleinen Kiel wohnt, freut sich über Nachwuchs.

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