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Gesucht: Eine Großfamilien-Wohnung in Kiel

Wer kann helfen? Gesucht: Eine Großfamilien-Wohnung in Kiel

Seit mehr als einem Jahr suchen die Koros eine andere Wohnung in Kiel. Bisher vergeblich. Doch die Zeit drängt: In zwei Woche muss die neunköpfige Familie ihre Wohnung verlassen.

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In 14 Tagen müssen die Vierlinge Bilal, Maysaa, Mariam und Israa (erste Reihe, v.li.) und Rabia, Vater Mohamad, Sarah, Omar und Mutter Fatima ausziehen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vor acht Jahren wünschten sich Fatima und Mohamad Koro noch ein viertes Kind. Doch dann kamen Vierlinge. „Ich danke Gott für alle meine Kinder“, sagt der Vater heute, „aber ich hätte nie gedacht, wie groß die Ablehnung gegenüber sieben Kindern ist.“ Seit mehr als einem Jahr sucht die Familie eine andere Wohnung in Kiel. Bisher vergeblich. Doch die Zeit drängt: In zwei Woche müssen die Koros ihre Wohnung verlassen.

 Brot immer im Doppelpack, Mineralwasser kistenweise, Obst kiloweise – schon an der Menge, die Mohamad Koro in die Wohnung schleppt, zeigt sich: Hier wohnt eine Großfamilie. Auf 120 Quadratmetern hat man sich eingerichtet: ein Wohnzimmer, eine Küche, das Elternschlafzimmer, ein Zimmer teilen sich drei Kinder, ein weiteres die vier Jüngsten. Schon jetzt ist das beengt und verlangt von den sieben Schulkindern große Rücksichtnahme und Selbstdisziplin, damit jedes genug Ruhe zum Lernen findet. Die fünf Mädchen und zwei Jungen seien von Anfang an daran gewöhnt worden, feste Regeln einzuhalten, erzählt die Mutter.

 „Natürlich wäre es besser, wenn sich die Kinder nicht zwei, sondern vier Zimmer teilen könnten. Gerade weil unsere älteste Tochter das Abitur machen will“, sagt der Deutsche, der als 15-Jähriger aus dem Libanon nach Deutschland kam, und berichtet von seiner langen Suche nach einer größeren Wohnung. Immer wieder habe er nach Wohnungen oder einem Haus zur Miete gesucht. Zu Beginn habe er auch noch das ein oder andere Objekt gefunden, das groß genug und bezahlbar war. Denn die Kaltmiete soll nicht über 1000 Euro liegen.

Stiller Vorwurf

 Seit Koro seine Gastronomie wegen einer 70-prozentigen Schwerbehinderung aufgeben musste, ist er als Frührentner auf staatliche Unterstützung angewiesen und damit an eine Mietobergrenze gebunden. „Damit ist die Zahlung der Miete ja sicher. Aber das interessiert die Vermieter nicht mehr, wenn ich von meinen sieben Kindern erzähle. Dann heißt es immer: So viele Kinder können hier nicht wohnen.“ Meist schwinge dabei der stille Vorwurf mit, dass man nicht so viele Kinder in die Welt setzen dürfe. Wie es dazu kam, wolle man aber gar nicht erst hören.

 In diesem Jahr ist der Wohnungsmarkt in Kiel noch einmal deutlich enger geworden, ist die Erfahrung des Ehepaares. Die Konkurrenz um preiswerte Wohnungen sei inzwischen extrem. Die Familie würde auch ins Umland ziehen, wenn die große Tochter weiter ihr Gymnasium in Kiel erreichen könnte.

 Der Familienvater hat sich in seiner Not auch die Rechtsanwältin Faegheh Alizadeh um Hilfe gebeten, die sich wiederum an die Stadt Kiel und das Büro des Oberbürgermeisters gewendet hat. Beim Amt für Wohnen und Grundsicherung bemüht man sich, kann aber auch keine passende Wohnung herzaubern. Amtsleiter Martin Reinhart bestätigt, dass der Markt für billigen Wohnraum in allen Wohnungsgrößen in Kiel sehr eng ist.

 Der Amtsleiter sicher aber zu, dass die Familie nicht auf der Straße leben muss, sondern irgendwo untergebracht werden würde. „Aber die Wohnung wird kleiner als die jetzige sein.“ Eben ein Provisorium, um Obdachlosigkeit zu verhindern. Denn die droht schon bald: Weil die Koros keine neue Wohnung finden, hat der jetzige Vermieter bereits zweimal die Frist verlängert. Zuletzt bis zum 31. Oktober. Dann müssen die sieben Kinder mit ihren Eltern endgültig ausziehen. Ein Aussicht, die nicht nur den Eltern schlaflose Nächte bereitet.

 Wer einen Tipp für die Familie hat, kann sich an Faegheh Alizadeh wenden: 0431-38674065 oder info@f-alizadeh.de

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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