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Wache zieht ins Containerdorf

Gorch Fock Wache zieht ins Containerdorf

Die Besatzung der „Gorch Fock“ muss in Container umziehen. Das Vorzeigeschiff der Deutschen Marine wird bei der Rückkehr von der Frühjahrsreise am Mittwoch als erste Einheit der Marine auf ein neues Wachkonzept umgestellt.

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Der Test mit der „Gorch Fock“ soll Lösungsansätze für andere Marineeinheiten bringen.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Ab Januar 2016 sollen sich Marinesoldaten außerhalb der Dienstzeiten nicht mehr an Bord ihrer Schiffe und Boote aufhalten. Damit will die Bundeswehr die Vorgaben der EU-Arbeitszeitrichtlinie erfüllen. Da Schiffe und Boote grundsätzlich Arbeitsplätze sind, wurde die „Arbeitszeitverordnung für Soldaten“ (AVZS) geschaffen. Sie begrenzt die Arbeitszeit auf höchstens 48 Stunden pro Woche – so wie auch zuvor bei Feuerwehr und Polizei. „Ich begrüße nachdrücklich die Einführung der AVZS“, so der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, in einem Rundbrief. Soldaten sollen bei Arbeitszeiten nicht schlechter gestellt werden als Arbeitnehmer außerhalb der Bundeswehr.

 Das bedeutet aber auch, dass die Zeiten an Bord reduziert werden müssen. Zum Beispiel bei der Hafenwache, jener Zeit außerhalb des Tagesdienstes zwischen 7 und 17 Uhr sowie bei Pausen. Wie das Marinekommando in Rostock gestern mitteilte, wurde die „Gorch Fock“ deshalb als Pilotschiff für das Projekt „wachfreies Schiff“ ausgewählt. Für diesen Versuch müssen die Soldaten in Container umziehen und ihr Schiff von dort überwachen. Es handelt sich laut Marine um sechs Wach-, Wohn- und Bürocontainer. In ihnen sind 16 Schlafräume für die Hafenwache enthalten. Außerdem gibt es für die Crew eine Unterkunft („Steinschiff“) im Stützpunkt, wo sie wohnen darf.

 Wenn die Besatzung nach Dienstschluss nicht mehr an Bord ihres Schiffes wohnt, reduziert sich auch ihre Dienstzeit. Wie der Inspekteur weiter mitteilt, werde deshalb mit Hochdruck an der Umsetzung der AZVS für alle Einheiten der Marine gearbeitet. Ziel soll es sein, dass die Schiffe langfristig durch Technik an ihren Liegeplätzen ferngesteuert überwacht werden – mit der Folge geringerer Arbeitszeiten. „Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn die Soldaten von Aufgaben der Bewachung entbunden werden“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses und designierte Wehrbeauftragte unterstützt den Vorstoß des Inspekteurs. Genauso wie der CDU-Abgeordnete Ingo Gädechens, ebenfalls Mitglied des Verteidigungsausschusses: „Es ist nicht sinnvoll, wenn angesichts des Personalmangels ein Antriebs- oder Navigationsmeister auch noch am Wochenende die Aufgaben der Bewachung übernehmen muss“, so Gädechens.

 Der Test mit der „Gorch Fock“ soll Lösungsansätze für andere Marineeinheiten bringen. Große Probleme gibt es in Wilhelmshaven bei den Fregatten, wo es derzeit weder Unterkünfte für die Soldaten an Land noch Technik für die Fernüberwachung der Fregatten gibt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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