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„Gorch Fock“ wieder ausgelaufen

Ausbildungsfahrt „Gorch Fock“ wieder ausgelaufen

Fast ein ganzes Jahr lang wird die „Gorch Fock“ nicht in Kiel zu sehen sein. Am Montag hieß es zunächst „Leinen los“ zur 168. Ausbildungsfahrt. Anschließend muss das Segelschulschiff in die Werft.

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Erstes Ziel der Gorch Fock ist die irische Hauptstadt Dublin.

Quelle: gsc

Kiel. „Gut, dann wollen wir jetzt los.“ Kommandant Nils Brandt strahlt mit der Sonne um die Wette, als sein Vorgesetzter Carsten Stawitzki, Kommandeur der Marineschule Mürwik, seine Abschiedsrede beendet hat. Brandt ist die Ungeduld nach der langen Liegezeit der „Gorch Fock“ an der Tirpitzmole anzusehen. Er will endlich wieder raus auf die See, die Tücher hochziehen, segeln. Seine 170 Frauen und Männer, darunter 30 angehende Sanitätsoffiziere, können es auch kaum abwarten, verabschieden schnell Partner und Eltern. Drei Monate ist die Drei-Mast-Bark auf See, kehrt aber erst im Sommer 2016 nach Kiel zurück – nach dem Ausbildungstörn geht die „Gorch Fock“ in die Werft.

Pascal Wolny bemust die letzten Schäkel, damit sie sich bei Wind und Wetter nicht aufdrehen. Der 20-Jährige aus Duisburg gehört der Stammbesatzung an und klettert gerne in die Wanten. „Das macht Spaß, es gehört ein klarer Kopf dazu, wenn wir bei Schräglage Segel setzen oder bergen“, erzählt er. Peter Duszynski fährt seit sechseinhalb Jahren mit. Der 25-Jährige ist Segelmacher und flickt die Lappen an Bord mit der Nähmaschine zusammen, wenn sie bei Sturm reißen. „23 Segel mit 2000 Quadratmetern Fläche können wir setzen. Ein kompletter Reservesatz liegt unter Deck“, erklärt er. Es war sein Traum, auf den Rahsegler zu kommen. Bis 2021 ist er noch bei der Marine. „Dann möchte ich in der Windkraftbranche arbeiten. Da geht es auch hoch hinaus“, sagt er.

Brandt segelt sein Schiff jetzt nach Dublin, wo 14 Tage Ausbildung mit Crewwechsel auf dem Programm stehen. Dann geht es weiter nach Funchal auf Madeira mit vier Tagen Aufenthalt. In Cadiz kommen wieder neue Offiziersanwärter für den Sanitätsdienst an Bord, um das Leben an Bord eines Segelschiffes zu lernen. Vier Tage liegt die „Gorch Fock“ in Dartmouth und segelt in den letzten Novembertagen nach Wilhelmshaven. „In welche Werft das Schiff anschließend geht, steht noch nicht fest, das wird ausgeschrieben. Dort werden die üblichen Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt“, erklärt Achim Winkler, Sprecher des Marinekommandos. Wann genau im Sommer das Schulschiff nach Kiel zurückkommt, ist unklar. Nach Angaben von Winkler könnte es bis zur Kieler Woche knapp werden.

Das interessiert die Besatzung aber gerade überhaupt nicht. Mit einem langen Kuss verabschiedet sich Philipp Beck von seiner Freundin Acelya Karuoglu. „Ich freue mich auf das Meer und Segeln“, sagt der 19-Jährige. Mutter Regina lächelt: „Klar habe ich Angst um ihn, aber das hält sich in Grenzen.“ Sie ist schon stolz auf ihren Sohn, das sieht man ihr an. Merle Stornowski sehnt sich nach ihrer Hängematte, die die Schiffsbewegungen bei Seegang so gut neutralisiert. „Wenn es heftig schaukelt, werde ich unter Deck schon ein bisschen seekrank“, erzählt die 23-Jährige. Ihre Eltern sind dabei, um tschüs zu sagen. „Wir sind richtige Fans von dem Schiff und kommen immer, wenn Merle auf große Fahrt geht“, sagt Mutter Elke Dippel. Ein bisschen Sehnsucht in den Augen hat Imke Gutsmann, die vergangenes Jahr als Sanitätsoffiziersanwärterin mitgefahren ist. „Jetzt studiere ich Zahnmedizin. Aber ich wollte die Stammbesatzung begrüßen und meinen Bruder verabschieden, der mit auf die Reise geht“, erzählt die 21-Jährige.

Nun will Kommandant Brandt aber wirklich los: „Das Wetter ist gut, wir haben nach meteorologischen Gesichtspunkten diesen Törn ausgewählt“, erklärt der Kapitän zur See. Er finde es schade, dass es die letzte Ausbildungsreise für die angehenden Sanitätsoffizier auf der „Gorch Fock“ ist. „Hier lernen die jungen Menschen Kameradschaft. Wenn es während der Ausbildung mal nicht so läuft, werden sie sich immer an die Zeit auf dem Schiff erinnern“, sagt der imposant gewachsene Mann mit einem freundlichen Lächeln. Auch für Nervennahrung an Bord ist gesorgt. Vize-Landtagspräsident Bernd Heinemann hat zum Abschied einen riesigen Pott Nutella vorbeigebracht. Dann rollt die Stammcrew die Segel aus, ein dreifaches „Hurra“ ertönt, und schnell ist die „Gorch Fock“ am Horizont verschwunden.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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