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Roboter der FH Kiel in der Altenpflege

„Grace“ vor Einsatz Roboter der FH Kiel in der Altenpflege

Die Fachhochschule Kiel hat mit "Grace" einen Roboter entwickelt, der nicht nur menschliche Züge hat, sondern auch Menschen helfen soll. Jetzt steht die Maschine kurz vor ihrem ersten Einsatz in der Altenpflege.

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Tanzen kann der Roboter auch: Hannes Eilers steuert "Grace" im Robotik-Labor der Fachhochschule über drei Monitore.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Grace“ schwingt ihre Arme hin und her. Mit etwas abgehackter Stimme erklärt sie: „Ein Arm nach vorne, ein Arm nach hinten.“ Dann geht sie in die Knie, streckt den Po nach hinten und setzt sich. „Den Rücken gerade machen, nicht plumpsen“, ermahnt sie. Ihre blauen Augen leuchten, während sie spricht, ihr Mund bewegt sich nicht.

„Grace“ ist ein Roboter – weißer Körper mit orangefarbenen Akzenten an Kopf, Schultern und Füßen. „Wir haben sie Grace nach Grace Hopper genannt, der amerikanischen Pionierin der Informatik“, sagt Hannes Eilers und deutet auf ein Plakat an der Wand, auf dem die 1992 gestorbene Informatikerin abgebildet ist. Eilers sitzt an seinem Schreibtisch im Robotik-Labor der Fachhochschule (FH) Kiel und schaut auf drei Monitore. Hier sieht er das Programm, das die Roboter-Grace steuert. „Bis jetzt kann sie vor allem Physiotherapie-Übungen“, sagt er und lässt „Grace“ erneut die Arme schwingen. Eilers hat Elektrotechnik und Informatik studiert, jetzt ist er Laboringenieur für Robotik an der FH. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet er mit „Grace“ an einem neuen Projekt. „Unser Ziel ist es, einen Roboter zu entwickeln, der Menschen im Alltag begleitet und unterstützt“, sagt der 28-Jährige. Besonders ältere Menschen, die noch zu Hause wohnen, aber nicht mehr ganz fit sind, hat er dabei im Blick.

Ein Roboter ist nie genervt

„Auf die Idee bin ich wegen meines eigenen Großvaters, der vor ein paar Jahren gestorben ist, gekommen. Er war am Ende bettlägerig und konnte nichts mehr machen. Meine Oma musste alles für ihn tun und war deshalb selbst irgendwann erschöpft“, erzählt Eilers. Ein Roboter ist nicht genervt, wenn er zum hundertsten Mal kommen muss, um ein Glas Wasser zu reichen, das Bett aufzuschütteln oder das Zimmer zu lüften, habe er damals gedacht und angefangen, über den Einsatz von Robotern in der Altenpflege nachzudenken. „Wir wollen den Menschen in der Altenpflege nicht ersetzen, sondern entlasten. Nur in der Zeit, in der keiner da sein kann, wollen wir Roboter einsetzen“, stellt der Ingenieur klar.

Im vergangenen Jahr hat Eilers mit Physiotherapeuten zusammengearbeitet, um den Roboter-Einsatz zu testen. „Manche Übungen sind so kompliziert, dass es schwierig ist, sie sich zu merken. Andererseits ist es wichtig, die Übungen regelmäßig zu machen.“ Der Einsatz von „Grace“ sei deshalb auch aus Therapeuten-Sicht hilfreich.

Roboter erinnert an alles

Gedächtnisspiele, an die Tabletteneinnahme erinnern oder den Herd ausschalten und den Kühlschrank schließen – all das sind aus Eilers Sicht Einsatzmöglichkeiten eines Roboters. „Ich kann mir auch vorstellen, dass er als aktives Hilfsmittel von Ärzten genutzt werden kann.“ Etwa um frühzeitig eine Depression zu erkennen. „Wenn ein Patient nur da sitzt und nichts sagt, könnte der Roboter das registrieren und an den Arzt weitergeben.“ Als Gesprächspartner sieht Eilers den Roboter hingegen nicht. „Wir können ihn sicherlich so programmieren, dass er einfache Fragen stellt wie ,Wie geht es Dir?’oder aus der Zeitung vorliest, aber mehr nicht.“ Im nächsten Jahr wollen Eilers und sein Team den Roboter in einem Pflegeheim testen. „Es ist uns wichtig, ihn möglichst schnell in der Praxis auszuprobieren. Da werden wir noch viel direkter mitkriegen, wo der Roboter vielleicht noch hilfreich wäre.“

Drei bis fünf Jahre dauere die Entwicklung noch, schätzt der Ingenieur. Danach könne der Roboter für weniger als 5000 Euro kommerziell genutzt werden. Dass nicht alle von einem Roboter als täglichem Begleiter begeistert sein werden, ist dem 28-Jährigen bewusst. „Diejenigen, die jetzt alt sind, werden wahrscheinlich mit einem Roboter fremdeln. Aber für meine Generation und die nachfolgenden werden Roboter nichts Besonderes mehr sein.“ Der demografische Wandel schreite weiter voran, und es sei schlicht nicht möglich, ausreichend Pflegekräfte auszubilden. Daher müsse nach Alternativen gesucht werden, der Roboter sei eine davon. „Wenn es genug Pflegekräfte gebe, müssten wir das nicht machen“, sagt Eilers und wendet sich wieder den Monitoren zu. Es ertönt Musik, „Grace“ schwingt wieder die Arme, dieses Mal im Takt der Musik – tanzen kann sie nämlich auch.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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