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Kontrolle am Fernbusbahnhof

Großaktion von Zoll und Polizei Kontrolle am Fernbusbahnhof

Polizei und Zoll nahmen Fahrer, Gepäck und Passagiere auf dem Fernbusbahnhof unter der Kieler Gablenzbrücke ins Visier. Dabei deckten die Beamten mehrere Drogendelikte auf.

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Freunde und Angehörige der Reisenden in den Fernbussen konnten ihre Lieben wegen der Kontrollen erst mit Verspätung in Empfang nehmen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Kiel. „So lange unterwegs – und jetzt auch noch das.“ Der Kommentar einer jungen Frau, die gerade dem Fernbus aus Stuttgart entstiegen ist, macht deutlich: Kontrollen von Bussen, Passagieren und Gepäck wecken nicht unbedingt Begeisterung. Dennoch stieß die Großaktion von Bundespolizei, Landespolizei und Zoll am Donnerstagabend auf dem Fernbusbahnhof unter der Kieler Gablenzbrücke überwiegend auf Verständnis.

 „Das wird ja auch mal Zeit, dass da was passiert.“ Roland Roschat aus Schwentinental begrüßt die geballte Präsenz der Sicherheitskräfte ausdrücklich. Auch wenn er indirekt ein bisschen darunter leidet. Auf seinen Sohn, der mit dem Flixbus aus Hamburg zu Besuch kommt, muss er wegen der Kontrollen noch etwa 20 Minuten warten. So wie alle anderen auch, muss der junge Mann sein Gepäck von einem mobilen Röntgengerät checken lassen. Das dauert bei einem gut gefüllten Bus eben seine Zeit.

 Fürs Gepäck interessiert sich in erster Linie der Zoll. „Es geht um alles, was Verboten oder Beschränkungen unterliegt“, erklärt Claus-Peter Minkwitz, Sprecher des Hauptzollamtes Kiel. Das können unversteuerte Zigaretten oder auffällig große Mengen Alkohol sein, und illegale Drogen ohnehin. Gut erkennen lassen sich unter den Röntgenstrahlen organische Substanzen, sagt Zollamtsinspektor Roland Berg. Zeigt etwa der Bildschirm grüne Stellen, deutet das auf Heroin hin. Zigaretten können zudem schon aufgrund der Form ihrer Packungen relativ einfach zwischen Socken und Handtüchern herausgefischt werden.

 Allein auf die Technik verlassen sich die Ermittler allerdings nicht. Labrador Wodau erschnüffelt mit seiner Spürnase selbst noch so gut versteckte Zigaretten, sein Kollege, der Belgische Schäferhund Bandit, ist als Spezialist für Rauschgift mit von der Partie. Als gegen 20 Uhr ein Bus aus Amsterdam ankommt, riecht es nach Arbeit für die beiden Hunde, denn bekanntlich bringen Touristen aus dieser Stadt gern Bedenklicheres als nur Tulpen mit. In diesem Fall aber Fehlanzeige: Weder die Hunde noch der Scanner können Anrüchiges entdecken.

 „Je mehr kontrolliert wird, desto besser ist es“, kommentiert der Fahrer des Busses die Aktion. Dass es ihn selbst trifft, nimmt er geduldig hin. Ein Beamter der Landespolizei überprüft den Fahrtenschreiber darauf, ob die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten eingehalten worden sind, die Bundespolizei kümmert sich derweil um die Papiere des Fahrers. All das nimmt Zeit in Anspruch, aber am Ende kann der freundliche Fahrer unbehelligt Feierabend machen.

 Ganz anders erging es einem Kollegen von ihm. Der wurde gleich an seinem Arbeitsplatz in Handschellen gelegt und festgenommen, weil bei der Überprüfung seiner Papiere herauskam, dass zwei Vollstreckungsbefehle über 400 und 500 Euro gegen ihn vorlagen. In einem Fall ging es um ein Delikt im Rotlichtmilieu, im anderen um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. „Entweder er schafft das Geld heran oder er muss ins Gefängnis“, beschreibt Oberkommissar Michael Hilbert von der Bundespolizei den weiteren Gang der Dinge.

 Beteiligt waren an der Aktion, die bis in die Nacht hinein währte, 15 Kräfte vom Zoll sowie jeweils drei von Landes- und Bundespolizei. Unterm Strich kam dabei eine überschaubare Zahl von Verstößen heraus. Neben dem verhafteten Fahrer fiel ein Reisender aus Leverkusen durch verbotenes Mitführen einer Gaspistole auf, im Berlin-Bus wurden sieben Gramm Amphetamin gefunden, nicht aber der Besitzer der Droge. Ebenfalls aus Berlin kamen zwei weitere Männer mit verbotenen Substanzen zurück nach Kiel. In einem Fall handelt es sich um ein halbes Gramm Marihuana, in dem anderen um fünf Pillen der schon seit Hippie-Zeiten beliebten Droge Methylendioxyamphetamin (MDA). Um einen Verstoß gegen das Asylverfahrensgesetz kümmert sich außerdem die Bundespolizei. „Diverse Verstöße“ wurden nach Angaben des Hauptzollamtes Kiel, auf dessen Initiative es zu der Gemeinschaftsaktion gekommen war, auch bei Pkw-Kontrollen im Umfeld des Fernbusbahnhofs festgestellt. Drogen waren aber nicht im Spiel.

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