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Bewährung für Messerattacke

Großdiskothek bei Kiel Bewährung für Messerattacke

Anderthalb Jahre Jugendstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung für einen Stich in den Rücken, der tödliche Folgen hätte haben können. Mit diesem Urteil endete die Messerattacke vom 1. Februar 2015 in einer Großdiskothek im Raum Kiel gestern sowohl für das Opfer als auch für den Täter vergleichsweise glimpflich.

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Am Rand der Tanzfläche kam es zum Racheakt.

Quelle: Sven Janssen (Archiv)

Kiel. Das Jugendschöffengericht stellte dem 19-jährigen Angeklagten für die nächsten drei Jahre einen Bewährungshelfer zur Seite. Er muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und dem damals erheblich verletzten Zeugen (22) ein Schmerzensgeld zahlen, dessen Höhe jetzt ein Zivilgericht festzusetzen hat. Der Anwalt des Nebenklägers fordert „mindestens 3500 Euro“.

 Die Staatsanwältin hatte für den Racheakt am Rand der Tanzfläche zwei Jahre mit Bewährung, der Anwalt des Nebenklägers drei Jahre Jugendstrafe gefordert. Der Verteidiger sah bei dem im Grunde geständigen Täter, der nach viermonatiger U-Haft wieder zur Schule gehe und seitdem unauffällig geblieben sei, keine schädlichen Neigungen. Er sprach sich gegen eine Jugendstrafe aus.

 Hintergrund der laut Urteil spontan ausgeführten Messerattacke war ein zwei Jahre zurückliegender Angriff des Opfers auf den älteren Bruder des Angeklagten. Diesem hatte der 22-Jährige aus Eifersucht einen Stich in den Bauch versetzt, so die Beweisaufnahme. Die früher befreundeten Gegner stritten sich um eine gemeinsame Bekannte, hieß es. Auch damals saß der Täter einige Monate in U-Haft, auch er kam mit Bewährung davon.

 Mit dem Urteil sei „die Sache erledigt“, sagte der Vorsitzende gestern. Es gebe nichts mehr zu klären außer dem Schmerzensgeld. Vor Selbstjustiz hatte zuvor die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer gewarnt. Die Tat sei keine Privatangelegenheit ermahnte der Vorsitzende den Angeklagten und seine Familie.

 Das Gericht sah beim Täter keine Entschuldigung, keinerlei Anzeichen von Reue. „Ich hoffe, du stirbst“, hatte er nach Zeugenaussagen dem Verletzten zugerufen, als dieser von Sanitätern an ihm vorbei zum Krankenwagen geführt wurde. Seine Ankündigung zwei Wochen zuvor („Ich stech’ ihn ab“) wertete das Gericht als jugendtypisches Imponiergehabe.

 In der Hierarchie seiner Familie, die sehr wichtig für ihn sei, stehe der Angeklagte eher unten. Er fühle Erwartungsdruck, müsse sich um Anerkennung und Respekt bemühen, so das Urteil. Andererseits sei der 19-Jährige laut psychologischem Gutachten überdurchschnittlich intelligent. Ob er sein hohes Entwicklungspotential nutze, entscheide er selbst.

 Wegen Erziehungsmängeln appellierte der Vorsitzende auch an den elterlichen Einfluss beider Parteien, „damit die Geschichte zur Ruhe kommt.“ Fünf Justizwachtmeister hatten während der zweitägigen Verhandlung scharf darauf geachtet, dass die Widersacher und ihre Angehörigen sich nicht zu nahe kamen.

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