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Ist der Delfin gar nicht allein?

Große Tümmler in der Förde Ist der Delfin gar nicht allein?

Die Faszination Meer geht weiter. Die Kieler zieht es jetzt nicht nur zum Delfin ins Wasser, sondern auch zu den Algen. Einige der Mikroorganismen strahlen in der Dunkelheit zurzeit hellblau. Mehrere Augenzeugen wollen zudem mindestens zwei Große Tümmler in der Förde gesehen haben.

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Delfine und Schweinswale sind für Laien schwer zu unterscheiden, zumal bei Nacht. Es können also beide Artverwandten sein, auf die man in der Förde trifft.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Das Phänomen Meeresleuchten wird des Nachts in der ganzen Förde beobachtet. Sobald die Sonne untergegangen ist, springen die Menschen ins kühle Nass, wirbeln das Wasser auf, reizen so die Einzeller und erzeugen das seltene Leuchten.

Wenn sie viel Glück haben, schwimmen zeitgleich die Meeressäuger um sie herum. Die zusätzliche Lichtquelle reicht aber nicht aus, die Umgebung genau zu überblicken. Und so kommt es nun zum Rätselraten an der Förde: Sind es ein, zwei oder gar drei Delfine?

 Am Mittwochabend von der Dämmerung bis 21.30 Uhr beobachteten an der Kiellinie rund 40 Zuschauer auf Höhe des Segelcamps 24/7 mehrere Tümmler. „Es waren mindestens zwei Delfine, ein adultes Tier und ein Kalb“, berichtet Biologe Dr. Malte Unger. Mehrmals war der 41-jährige Kieler nach Feierabend unterwegs, um den Delfin zu filmen. Am Mittwoch wurde er dann fündig und war überrascht, mehrere Tiere anzutreffen. „Es waren auf jeden Fall zwei. Der eine war deutlich kleiner, und sie sind immer nebeneinander geschwommen“, berichtet Nicole Tschentscher, die auf einem Spaziergang mit ihrem Hund vorbeigekommen war und schließlich über eine Stunde mit den Tieren im Wasser verbrachte. Während andere Augenzeugen von drei Tieren sprechen, sind sich Tschentscher und Unger aber nicht ganz sicher, mehr als zwei Tiere entdeckt zu haben. Mit seiner Unterwasserkamera versuchte der Biologe vergeblich Filmaufnahmen zu machen. „Wegen der Dunkelheit sieht man nur Wellen und die Lichter der Stadt, aber brauchbares Material mit Delfinen ist leider nicht dabei“, ist er enttäuscht.

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 Und da ist er nicht der Einzige. Bisher ist kein aktuelles Fotomaterial aufgetaucht, das mehr als einen Delfin in der Förde zeigt. Walforscher Prof. Boris Culik war am Donnerstag mit dem Boot unterwegs, um die Tiere in der Förde aufzuspüren. Erfolglos. „Bisher habe ich nur den einen Delfin gesehen und davon gehört.“ Der Experte schätzt daher, dass es sich bei der Gruppe um die drei- bis vierköpfige Schweinswalfamilie handelt, die sich ebenfalls gerade in der Förde aufhält. Doch Malte Unger wehrt ab: „Schweinswale sind kleiner, viel dunkler und viel scheuer.“ Außerdem muss mindestens ein Delfin dort gewesen sein, denn ein Tier ist in die Luft gesprungen, was nur bei Delfinen möglich ist. Culik hält daher zwei Erklärungen für logisch. Entweder, dass sich entgegen aller Berichte doch mehr Delfine in der Förde befinden, oder dass die Tiere zeitversetzt am selben Ort waren: Zuerst die Schweinswalfamilie (Kleine Tümmler) und später der ausgewachsene Delfin (Großer Tümmler). Auf keinen Fall könnten sie zeitgleich an der Stelle gewesen sein, denn Delfine jagen Schweinswale: „Erst kürzlich wurde in Dänemark beobachtet, wie eine Gruppe von Delfinen einen Schweinswal erlegt hat“, berichtet Culik.

 Während die einen nach ihren Freunden fahnden, erfreuen sich andere über das zweite, zuverlässigere Schauspiel an der Hörn: das Meeresleuchten.

Meeresleuchten ist ein globales Phänomen - hier in Puerto Rico.

Quelle: Puerto Rico Tourism

Es tritt global auf. Zwar sei es auch in der Ostsee immer mal wieder zu beobachten, „fast immer im Rahmen der Plankton-Herbstblüte, die hier typischerweise von Dinoflagellaten dominiert ist“, berichtet Prof. Stefanie Ismar vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Aber „dieses Jahr liegt das Meeresleuchten saisonal früh und ist bemerkenswert kräftig“. Das letzte Leuchten, das Ismar in der Förde erlebt hat, sei vor zwei Jahren im November gewesen. Laut der Meeresbiologin sind die Hauptverantwortlichen für das momentane starke Meeresleuchten Organismen namens Noctiluca scintillans. Das sind große Einzeller von 200 bis 2000 Mikrometer, die bei chemischer oder auch mechanischer Reizung biolumineszieren – also dieses besondere Licht erzeugen.

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