7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Messerstecher hielt Kiel in Atem

Großeinsatz in Suchsdorf Messerstecher hielt Kiel in Atem

Die Polizei hat am Sonntagabend die Hintergründe des Großeinsatzes in Kiel-Suchsdorf veröffentlicht: Sie suchte einen 24-Jährigen, der in der Nacht zu Sonntag einen 43-Jährigen in der Schauenburger Straße lebensgefährlich mit einem Messer verletzt haben soll.

Voriger Artikel
Ausnahmezustand in Kiel-Suchsdorf
Nächster Artikel
Gesucht: Eine Großfamilien-Wohnung in Kiel

Die Polizei suchte einen 24-Jährigen, der an einem versuchten Tötungsdelikt in Kiel beteiligt gewesen sein soll.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Großeinsatz für die Polizei im Großraum Kiel: Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke suchten die Ermittler nach einem 24 Jahre alten, als gefährlich eingestuften Verdächtigen. Nach mehr als 16 Stunden gelang Zielfahndern am Sonntagabend dann der Zugriff: Gegen 19 Uhr nahmen sie den Gesuchten im Stadtteil Suchsdorf fest.

„In einer Wohnung in der Schauenburger Straße war es in der Nacht zu Sonntag gegen 2.30 Uhr zu einem versuchten Tötungsdelikt gekommen“, berichtet Matthias Arends von der Polizeidirektion Kiel. Aus noch ungeklärter Ursache war der 24-Jährige mit einem 43 Jahre alten Bekannten in dessen Wohnung in Streit geraten. Mit einem Messer verletzte der Täter sein Opfer lebensgefährlich. „Im Verlauf der Auseinandersetzung griff der 24-Jährige auch die Lebensgefährtin des Mannes an“, so Arends. Bei der Messerattacke erlitt die Frau leichte Verletzungen.

Nach der Bluttat floh der 24-Jährige zu Fuß vom Tatort. Obwohl die Polizei unmittelbar nach dem Notruf der Opfer eine Fahndung einleitete und dutzende Streifenwagen aus Kiel und Umgebung zusammenzog, konnte der Messerstecher zunächst nicht gefunden werden. Selbst speziell ausgebildeten Suchhunden der Polizei gelang es nicht, den Verdächtigen aufzuspüren, der in einer übergroßen Jacke im Tarnmuster unterwegs war.

Großer Polizei-Einsatz in Suchsdorf

Während der Suche nach dem Mann hatte die Polizei am Sonntagvormittag mehrere Straßenzüge in Alt-Suchsdorf abgeriegelt. Im Bereich Steenbeker Weg, Schneiderkamp und Eckernförder Straße hatten sich bewaffnete Beamte seit 10 Uhr an den Zufahrten zu Wohngebieten postiert. Jeder, der per Auto oder Fahrrad in die Siedlungen wollte, wurde von den Polizisten gestoppt und musste sich ausweisen. „Wir haben keinerlei Informationen von den Einsatzkräften bekommen, was passiert ist“, empörte sich ein Anlieger des Schneiderkamps.

In Windeseile kursierten Gerüchte im Stadtteil: Die einen hatten etwas von einer Geiselnahme gehört, andere von einer Schießerei. Manche fürchteten, es handele sich um einen Anti-Terror-Einsatz. „Wenn Streifenpolizisten mit Maschinenpistolen vor einem stehen und nicht einmal sagen wollen, ob man in Gefahr ist, dann fehlt mir jegliches Verständnis“, kritisierte eine junge Mutter. Eine andere Anwohnerin berichtete, ihr hätten Beamte gesagt, dass ein bewaffneter Mann gesucht werde und sie besser im Haus bleiben soll. „Wenn dann ein paar Häuser weiter Kinder im Garten spielen, weil deren Eltern nichts von dem Polizeieinsatz bemerkt haben und sie niemand gewarnt hat, ist das skandalös“, sagte die Anwohnerin.

Polizei verteidigt Strategie

Die Polizei verteidigte am Sonntagabend ihre Strategie, zunächst keine Informationen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben. Im Fokus der Ermittlungen hätte die Suche nach dem 24-Jährigen gestanden. Dieser wurde von der Polizei zwar als gefährlich beschrieben, dennoch stellte Behördensprecher Arends klar: „Wenn Bürger in unmittelbarer Gefahr gewesen wären, hätten wir dies natürlich auch unmittelbar den Betroffenen mitgeteilt.“ Die Kritik von Anwohnern in Alt-Suchsdorf am Vorgehen der Polizei werde aber intern geprüft.

Nach knapp drei Stunden, gegen 13 Uhr am Sonntagmittag, hatte die Einsatzleitung die Straßensperren in dem betroffenen Wohngebiet zunächst wieder aufgehoben. Zeitgleich waren Einsatzkräfte im Sukoring zusammengezogen worden.

Hier sehen Sie Bilder vom Polizei-Einsatz in Kiel-Suchsdorf am 16.10.2016.

Zur Bildergalerie

Nach Informationen von KN-online hatte es „verdichtende Hinweise“ gegeben, dass sich der Gesuchte im Keller eines Mehrfamilienhauses versteckt halten könnte. „Gegen 14 Uhr rollten plötzlich zivile Fahrzeuge heran, vermummte Einsatzkräfte stürmten mit Schutzschilden in das Gebäude“, berichtete ein Augenzeuge. Nach eineinhalb Stunden war das Zivilkommando wieder abgerückt.

Nähere Details zu dem versuchten Tötungsdelikt will die Kieler Polizei am Montag bekanntgeben. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Suchsdorf
Foto: Der 24-jährige Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Der Messerstecher, der am Sonntagabend in Suchsdorf festgenommen worden ist, sitzt in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Kieler Staatsanwaltschaft wurde der 24-Jährige am Montagnachmittag wegen versuchten Totschlags dem Haftrichter vorgeführt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3