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Grünfläche könnte wieder ein See werden

Süden Kiels Grünfläche könnte wieder ein See werden

Im Süden Kiels soll ein See entstehen. Die Stadt will den Alten Moorsee südwestlich des gleichnamigen Stadtteils wieder vernässen und damit einer EU-Wasserrichtlinie nachkommen. Vor rund 200 Jahren war dort, wo heute Grünland ist, ein See mit einer Wasserfläche von rund 150 Hektar.

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Das Schöpfwerk an der Schlüsbek soll stillgelegt werden, damit auf der Grünfläche wieder der Alte Moorsee entstehen kann.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Schon 1805 begann man damit, das Gebiet trockenzulegen. 1956 wurde ein Schöpfwerk errichtet, das das Wasser noch wirkungsvoller aus dem ehemaligen Seengebiet pumpte und in die Schlüsbek leitete. Das Ergebnis war nicht nur, dass Grünland entstand, wo zuvor ein Feuchtgebiet war, sondern auch, dass die Schlüsbek selbst in niederschlagsarmen Zeiten unnatürlich viel Wasser führte.

 Jetzt plant die Landeshauptstadt, das Schöpfwerk stillzulegen, um einen Teil des Alten Moorsees wieder zu vernässen und die Schlüsbek in einen natürlicheren Zustand zurückzubringen. Durch die Wiedervernässung sollen neue Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten geschaffen werden. Besonders Wasservögel und Libellen sollen von der neugeschaffenen Wasserfläche profitieren. Außerdem dient sie dem Hochwasserschutz, weil der See als Auffangbecken dient. Mit der Renaturierungsmaßnahme setzt die Stadt die EU-Wasserrahmenrichtlinie um. Deshalb wird diese vom Land gefördert.

 Zwei Varianten zur Wiedervernässung des Alten Moorsees hat ein Ingenieurbüro nun erarbeitet. Dabei stützt sich das Büro auf Messungen des Grundwassers, die seit 2009 durchgeführt wurden. Denn schon 2007 hatte die Landeshauptstadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Seitdem sind die Grundwasserverhältnisse im Bereich des Alten Moorsees kontinuierlich gemessen und von externen Gutachtern bewertet worden.

Rückstauprobleme im Nordgraben?

 Die erste Variante sieht vor, das Hochwasser aus dem Speckhörner Bach, der oberhalb des zukünftigen Moorseegebietes verläuft, abzuleiten. Dafür sind jeweils ein Durchstich im Unterlauf des Südgrabens und im Oberlauf des Nordgrabens geplant. Diese wurden einst zur Hochwasserregulierung angelegt. Ein Wehr soll den Wasserstand des dann neu entstandenen Alten Moorsees regulieren. Je nach gewählter Anstauhöhe ergibt sich so eine Größe des Sees von bis zu 75 Hektar. Bei der zweiten vom Ingenieurbüro ausgearbeiteten Variante sind mehrere Hochwasserdurchstiche im Nord- und Südgraben geplant. Außerdem sollen Sohlgleiten in beiden Gräben den Wasserstand anheben. Experten befürchten bei dieser Variante allerdings Rückstauprobleme im Nordgraben.

 Ein Planungsbüro untersucht derzeit die Auswirkungen aus Sicht des Naturschutzes beider Varianten. Anhand von Biotopkartierungen und Bodenuntersuchungen werden dabei vor allem die zukünftigen Entwicklungen des Gebietes hinsichtlich der Tier- und Pflanzenwelt untersucht.

 Wann die Stadt mit den Wiedervernässungsmaßnahmen beginnen kann, steht noch nicht fest. Ein Hindernis bei der Umsetzung ist auch die Eigentumsfrage. Nicht alle Grundstücke auf dem Gebiet des Alten Moorsees gehören der Stadt. Gespräche mit den Eigentümern über mögliche Entschädigungsleistungen brachten nach Angaben des zuständigen Umweltschutzamtes bisher keinen Erfolg. Der Innen- und Umweltausschuss wird das Thema in einer der nächsten Sitzungen diskutieren.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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