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Volles Risiko bei Olympia

Günther Bantzer Volles Risiko bei Olympia

Das goldene OB-Jubiläum wird selten erreicht. Günther Bantzer ist es gelungen: In 15 Jahren als Oberbürgermeister holte er Olympisches Segeln nach Kiel. Jetzt hofft er auf eine Neuauflage: „Olympia bringt nicht nur die Infrastruktur voran, sondern auch neue Ideen“, sagt der 94-Jährige, „damals war es die Spiellinie.“

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Am 1. November vor 50 Jahren trat Günther Bantzer das Amt als Kieler Oberbürgermeister an. Heute erinnern den 94-Jährigen viele Fotos in seiner Kieler Wohnung auch an die OB-Zeit.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Vor 50 Jahren trat Günther Bantzer sein Amt als „jüngster Oberbürgermeister“ von Kiel an. Bei einer kleinen Feier mit Genossen gab der 94-jährige Sozialdemokrat gut gehütete Anekdoten preis – wie den Trick mit dem Rathausplatz.

 Woran er sich als Erstes erinnert, wenn er an seinen Amtsantritt damals vor 50 Jahren denkt, möchten Andreas Arend und Jürgen Röpstorff vom SPD-Kreisvorstand von Günther Bantzer wissen. „Daran, dass ich immer noch keine Wohnung hatte, als ich aus Herford hierherkam“, antwortet der gebürtige Dresdener verschmitzt und ist dann aber auch schon beim Thema Olympia. „Die Entscheidung für München 1972 stand ja lange vorher fest, in Kiel hatte sich aber noch nichts getan. Mein Vorgänger hat wohl aufs Glockenspiel vom Rathausturm gehört. Aber wer an ‚Kiel hat kein Geld‘ glaubt, der wagt nichts.“ Der Jurist Bantzer hingegen fuhr in Sachen Olympia volles Risiko und finanzierte unter anderem nicht nur den Anbau des Opernhauses mit den offiziellen Geldern, sondern ließ auch das Gelände vor dem Rathaus von einem Parkplatz zu einem zentralen Platz umbauen.

 „Damit das als Teil des abgesegneten Opernhausprojektes durchging, haben wir für die Zeit der Olympiade den Rathausplatz einfach in Opernplatz umbenannt“, erzählt Bantzer, „leider hat das jemand vom Bundesrechnungshof aber später entdeckt.“ Kiel drohte die Rückzahlung einer nicht unbeträchtlichen Summe. Es kam zu einer offiziellen Anhörung, bei der Bantzer unumwunden zugab, gelogen zu haben. Trotzdem kam Kiel davon, weil einer der entscheidenden Herren sagte: „Wenn es ums Geld geht, lügen doch alle Oberbürgermeister.“

 Auch in einem anderen Punkt kam Bantzer ungeschoren davon. Es ging um die Million DM, die Kiel nach der Olympiade noch übrig hatte. „Am Schwimmbad in Schilksee musste einiges gemacht werden, vor allem fehlte ein Nichtschwimmerbecken. Dafür haben wir dann die Million eingesetzt.“ Auch das bekam der Bundesrechnungshof heraus und bei einer Anhörung in München gestand Bantzer die Zweckentfremdung der Mittel ein. „Da meldete sich eine Frau und meinte, dass diese Summe an Olympiamitteln in München allein für die Wartung und Pflege des Daches vom Olympiastadium ausgegeben würde. Da hätte Kiel das Geld doch besser für die Bürger eingesetzt.“ Damit, erinnert sich Bantzer, war Kiel aus dem Schneider. Die Frau soll übrigens eine CSU-Landtagsabgeordnete gewesen sein.

 Bantzer hat auch nach seiner OB-Zeit von 1965 bis 1980 die Kommunalpolitik mit wachen Augen begleitet und findet, dass sich die Bürger heute deutlich mehr für Olympia engagieren als in den Jahren vor 1972. Offenbar sei nach der damaligen Erfahrung heute vielen klar, dass durch solch ein Großereignis viel an Infrastruktur bewegt werden kann, im Kielwasser aber auch andere Ideen folgen. Die Spiellinie war zum Beispiel solch eine Idee aus München, die Kiel nach Olympia importieren wollten. „Aber der Architekt, der das in München realisiert hatte, veranschlagte zwei Millionen DM dafür. Da haben wir uns bedankt und verabschiedet und unsere Kiellinie dann für 30000 Mark realisiert.“

 Dass allein die Aussicht auf Olympia in Kiel heute die Bürger kreativ werden lässt, das wünscht sich der Ex-OB. „Schön wären Ideen, die Jugendlichen zugute kommen.“ Da, so findet Bantzer, geht noch was in Kiel.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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