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„Octopus“ birgt Glocke der „Hood“

HDW-Jacht „Octopus“ birgt Glocke der „Hood“

Der US-Milliardär Paul Allen hat mit der in Kiel gebauten Megajacht „Octopus“ erneut eine spektakuläre Tiefsee-Operation absolviert. Fünf Monate nach der Entdeckung des Schlachtschiffs „Musashi“ hat Allen mit seiner Jacht im Nordatlantik am Freitagabend die Schiffsglocke des Schlachtkreuzers „Hood“ aus 2845 Metern Wassertiefe geborgen.  Die Glocke soll im Ehrenmal der Britischen Marine in Portsmouth ausgestellt werden. 

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Die Bergung der Schiffsglocke erfolgte auf Wunsch der Briten.

Quelle: hfr

Kiel. Die „Hood“ war am 24. Mai 1941 bei einem der spektakulärsten Seegefechte des Zweiten Weltkriegs von dem deutschen Schlachtschiff „Bismarck“ in der Dänemarkstraße vor Grönland versenkt worden. Die 262 Meter lange „Hood“ war zu dem Zeitpunkt der Stolz der britischen Royal Navy und galt als eines der größten  Kampfschiffe der Welt. Bei dem Aufeinandertreffen der beiden Giganten erhielt die „Hood“  gleich zu Beginn des Gefechts einen verhängnisvollen Treffer in eine der Munitionskammern. Das gewaltige Schiff explodierte und sank sofort. Nur drei der 1418 Soldaten an Bord überlebten.

2001 wurde das in drei Teile zersprengte Wrack der „Hood“ durch britische Wissenschaftler auf dem Meeresboden zwischen Island und Grönland geortet und fotografiert. Das Wrack liegt als Trümmerfeld verteilt. Schon damals wurde bei der Erkundung auch die Schiffsglocke entdeckt. Eine Bergung  der Glocke war aus Kostengründen aber für die Briten bislang nicht darstellbar.

Diese Aufgabe übernahm jetzt der amerikanische Milliardär  und Microsoft-Mitbegründer  Paul Allen mit seiner Jacht aus Kiel.  „Das Ende des Zweiten Weltkriegs liegt jetzt 70 Jahre zurück und unsere Bemühungen dienen dem Andenken an die vielen hundert mutigen Matrosen, die auf See fielen“, sagte Paul Allen in einer Mitteilung am Sonntagmorgen. Die Expedition zur Bergung der Schiffsglocke der „Mighty Hood“ durchzuführen sei ihm eine wahre Ehre, so der 62-Jährige weiter.

Die britische Regierung hat das Wrack der „Hood“ unter Schutz gestellt und zur Kriegsgräberstätte erklärt. Es darf nur mit vorheriger Genehmigung angesteuert werden. Die Bergung der Schiffsglocke erfolgte auf Wunsch der Briten. „Die HMS Hood Association ist Paul Allen und der Crew der  ‚Octopus‘ für ihre großartigen und fachmännischen Bemühungen bei der Bergung der Glocke aus den dunklen Tiefen der Dänemarkstraße zu tiefem Dank verpflichtet. Vor allem die Unterstützung von Paul Allen war herausragend und wir zollen seinem persönlichen Engagement bei der Bergungsoperation unsere Anerkennung“, sagte Präsident der Hood Association,  Konteradmiral Philip Wilcocks. Sein Onkel fiel im Gefecht an Bord der „Hood“.

Die britische Marine dankte dem Amerikaner für die Bergung ebenfalls. Der Erste Seelord der Royal Navy, Admiral Sir George Zambellas,  sagte: "Die 'Mighty Hood' war ein großartiges Symbol der Macht der königlichen Marine in den Jahren zwischen den Weltkriegen. Es handelt sich um eines der größten Kampfschiffe in der langen und ruhmreichen Marinegeschichte unseres Landes.“

Es ist bereits der zweite Versuch von Allen, die „Hood“-Glocke zu heben. Eine Expedition im Sommer 2012 wurde durch widrige Wetterbedingungen und technische Schwierigkeiten behindert. Die Glocke wurde 1894 gegossen und diente bis 1914 auf der Vorgängerin der „Hood“. 1920 kam sie zur Indienststellung auf den Schlachtkreuzer, mit dem sie dann unterging.

Die von dem Tauchroboter geborgene Glocke ist nach erster Begutachtung an Bord der „Octopus“  in gutem Zustand. Sie wird jedoch noch etwa ein Jahr der Konservierung und Restaurierung durch Experten benötigen, hieß es am Sonntag.  Danach soll sie in Portsmouth im Ehrenmal der Royal Navy ausgestellt werden.

Im März hatte Paul Allen mit der „Octopus“ bei den Philippinen das Wrack des Schlachtschiffes „Musashi“ gefunden. Es war das letzte verschollene Schlachtschiff im Pazifik. Die 126 Meter lange Mega-Jacht „Octopus“ dient dem Milliardär bei seinen Fahrten als Plattform und Forschungsschiff. 2001 bis 2003 war das Schiff in Kiel bei der Werft HDW gebaut worden. Die „Octopus“ ist mit zwei Hubschraubern, einem U-Boot sowie Tauchgerät für die Tiefsee ausgerüstet. Zuletzt war sie im Herbst vorigen Jahres in Hamburg bei Blohm + Voss überholt worden.

http://www.paulallen.com/

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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