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Strom vom schwimmenden Kraftwerk

Hafen Kiel Strom vom schwimmenden Kraftwerk

Hybrid-Bargen sollen jetzt rauchende Kreuzfahrer-Schornsteine im Hafen überflüssig machen. Ausgestattet mit fünf Gasmotoren, einer Menge Hochtechnologie und viel weißer Farbe wird aus den Pontons eine Geheimwaffe gegen den Schornstein-Dreck der Schiffe.

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Die Hybrid-Barge „Hummel“ zusammen mit der „Aidacara“ am Ostseekai in Kiel: Am Sonnabend fährt die Barge durch den Kanal zurück nach Hamburg.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die 76 Meter lange „Hummel“ der Hamburger Firma Becker Marine ist die weltweit erste LNG-Hybrid-Barge zur umweltfreundlichen Erzeugung von Strom und Warmwasser. LNG ist die Abkürzung für „liquefied natural gas“ – auf Deutsch: verflüssigtes Erdgas. Eine Barge ist ein antriebsloses Schubleichter zur Beförderung schwerer Lasten. Bis Sonnabend ist der Neubau in Kiel zu Besuch. Die Landeshauptstadt ist die letzte Station auf einer Tour durch die drei wichtigsten Kreuzfahrthäfen der westlichen Ostsee. Um 10 Uhr wird die „Hummel“ Kiel wieder verlassen.

 Zu den Ersten, die sich einen Eindruck vom schwimmenden Kraftwerk machten, gehörte Kiels Bürgermeister Peter Todeskino. Als grüner Stadtrat ist Todeskino nachhaltigen Lösungen der Energieerzeugung gegenüber besonders offen. Gasmotoren, das ist eines seiner Lieblingsthemen. „Bald wird es in Kiel eines der modernsten Gasmotorenkraftwerke geben. Deshalb begrüßen wir diese Idee natürlich“, sagte er bei der Begrüßung der Barge. Was am Kieler Ostuferhafen erst geplant wird, hat Max Kommorowski bei der „Hummel“ bereits realisiert. Er ist Projektleiter für die Barge bei der Firma Becker Marine. Die Idee sei 2012 in einem Gespräch bei der Reederei Aida geboren worden, sagt er.

 „Ich halte das Konzept mit der Hybrid-Barge für eine bessere Lösung als Landstrom“, sagte Monika Griefahn, Umweltdirektorin von Aida. Aspekte sind Kosten und Flexibilität. Beim Landstrom fallen durch Steuern und Abgaben wesentlich höhere Kosten an. Der Strom, der auf der „Hummel“ erzeugt wird, geht über ein Kabel an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Deshalb wird dieser Strom nicht besteuert. „Das entlastet natürlich eine Kalkulation enorm“, räumt auch Ulf Jahnke, Sprecher des Seehafens Kiel, ein.

 Während stationäre Landstromanlagen an den Kreuzfahrtterminals im Winter ungenutzt sind, kann die Barge als schwimmendes Blockheizkraftwerk eingesetzt werden. „Im Winter haben wir einen Vertrag mit dem Hamburger Hafen“, sagt Becker Marine-Geschäftsführer Dirk Lehmann. Dann soll die „Hummel“ das Fernwärmenetz des Hamburger Hafens versorgen.

 Das Herz der 76 Meter langen „Hummel“ sind fünf Gasmotoren des Typs Caterpillar G3516C aus den USA. Ihre Leistung beträgt 7,5 Megawatt, was für ein Aida-Schiff vollkommen ausreicht. Das verflüssigte Erdgas ist auf minus 163 Grad gekühlt und wird in zwei Tankcontainern an Deck gelagert. Da es in Deutschland noch keine LNG-Tanklager gibt, kommt der Nachschub aus dem Gate-Terminal in Rotterdam.

 Der Mangel an LNG-Tanklagern wurde auch bei der Nationalen Maritimen Konferenz von Reedern kritisiert. Jetzt sollen bis 2020 in den Häfen Tanks für verflüssigtes Erdgas entstehen. „2019 wird Aida das erste Kreuzfahrtschiff in Dienst stellen, das ausschließlich mit LNG angetrieben wird. Bis dahin muss sich etwas tun“, sagte Monika Griefahn.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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