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Bunt und vielfältig in die Zukunft

Haki-Zentrum am Westring Bunt und vielfältig in die Zukunft

Seit 25 Jahren dient das Haki-Zentrum im Westring als Anlaufstelle und Treffpunkt für homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle, intersexuelle und andere queere Menschen aus ganz Schleswig-Holstein. Das wird am Sonnabend, 10. September mit einem Hoffest gefeiert.

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Sie alle engagieren sich in der Haki für gesellschaftliche Akzeptanz nicht heterosexueller Menschen: Maiko Hanisch, Melanie Schenk, Anna Langsch, Johanna Fahl, David Freiberg und Alexander Nowak.

Quelle: Petra Krause

Kiel. Das Leben könnte so schön bunt sein, gäbe es nicht unzählige Vorurteile, Ressentiments und Diskriminierungen gegenüber Menschen anderer sexueller Orientierung als der heterosexuellen. Bis queere Menschen („queer“ ist eine Art Sammelbegriff, der Menschen aller Geschlechter und aller sexuellen Orientierungen umfassen kann) als selbstverständlicher Bestandteil der Gesellschaft wahrgenommen werden, braucht es Schutzräume, in denen sie sich treffen, austauschen, finden, informieren und beraten lassen können. Ein solcher „Schutzraum“ ist das Haki-Zentrum im Westring 278.

 Gegründet wurde die Haki 1974, damals noch als „Homosexuelle Aktionsgruppe Kiel“, an der Kieler CAU. Damals engagierten sich hauptsächlich Schwule in der Gruppe. Mit Öffnung der Kieler Pumpe 1979 konnten die Mitglieder endlich offizielle Räumlichkeiten für ihre Treffen nutzen. Nach diversen Abspaltungen und Veränderungen wurde es mit Beginn der finanziellen Förderung 1991 möglich, eigene Räumlichkeiten im Westring anzumieten und auch landesweit zu agieren. Damit stieg die Zahl der Arbeitsgruppen und der offenen Angebote beständig. Mittlerweile sind rund 20 verschiedene Gruppen im Haki-Zentrum angesiedelt, wie zum Beispiel das Beratungsteam, die zwei Jugendgruppen U21 und U27, das Schulprojekt „Schlau“, die Regenbogensportgruppe, die Hajo-Redaktion, die Kinogruppe Rosa Linse und seit Ende 2015 die neueste Gruppe „Queer Refugees & Migrants Network Kiel“, die Menschen unterstützt, die ihre Rechte als Queer kennenlernen und durchsetzten möchten. Hier engagiert sich der 26-jährige David Freiberg, um „Respekt zu schaffen“ für eine bunte Vielfalt. Das Thema sei etwas verschlafen worden, meint der 26-Jährige. Die Migrationsthematik gebe es schon seit den 90er-Jahren und nicht erst seit den Flüchtlingsströmen. Der Flyer der Gruppe wurde deshalb in Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Russisch und Farsi herausgebracht.

 Was Vorstandsmitglied Alexander Nowak wirklich bemerkenswert an der Haki findet, ist vor allem „die Vielfalt der Menschen, die unterschiedliche Herkunft, die verschiedenen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Der jüngste Teilnehmer ist 13, das älteste aktive Mitglied 79 Jahre. Und es klappt wirklich, dass alle miteinander reden, sich austauschen, ihre eigenen Projekte machen, aber auch gemeinsam zusammenarbeiten.“

70 Ehrenamtliche

 Diese Vielfalt spiegelt nun auch der Anfang 2016 veränderte Vereinsname wieder: „Haki – Raum für lesbische, schwule, bi*, trans*, inter* und queere Menschen in Schleswig-Holstein“. Heutzutage erhält das Zentrum einen jährlichen Zuschuss von 32000 Euro. Allein das viermal im Jahr erscheinende Haki-Journal Hajo verschlingt etwa 6000 Euro. Außer Sekretärin Anna Langsch mit einer Zweidrittel-Stelle und der studentischen Hilfskraft Johanna Fahl wird der Hauptanteil der Arbeit von etwa 70 Ehrenamtlichen geleistet. Erstaunlich ist auch, dass der Verein so viele Mitglieder hat wie noch nie (rund 140) und das Zentrum aufgrund der vielen Gruppen aus allen Nähten platzt.

 Alexander Nowak erklärt es sich einerseits damit, „dass wir sichtbarer werden und spannende Projekte haben“. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass der Schutzraum-Aspekt, den er selbst nach seinem Coming-out benötigte, zugenommen hat. „Homosexuelle Jugendliche, die in der Schule gemobbt werden oder von zu Haus rausfliegen, gibt es immer noch“, sagt Melanie Schenk, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Lübecker Beratungsstelle für Jugendliche Lambda Nord. Und Anna, die sich jahrelang mit dem Versuch gequält hat, als Mann zu leben und nun sagen kann: „Ich bin eine Frau“, sieht es noch kritischer. Während vor zehn Jahren öffentliche transphobe und homophobe Äußerungen noch politisch inkorrekt gewesen seien, werden diese heute im Fahrwasser der AfD offen ausgesprochen und massiver. Gleichzeitig sieht die 33-Jährige in der sichtbaren Diskriminierung aber auch eine Chance, „jetzt den Konflikt auszutragen, der schon vor zehn Jahren unter der Oberfläche schwelte“.

 Das erklärte Ziel bleibt deshalb, nicht mehr darum kämpfen zu müssen, anerkannt zu werden, wie man ist. Sich nicht mehr ständig erklären zu müssen. „Ein Zustand, auf den wir hinarbeiten, damit wir keine Schutzräume mehr brauchen“, sagt Alexander Nowak, oder wie Melanie meint: „Schlicht überflüssig zu werden.“ Die Frage, die im Raum hängen bleibt: „Eine realistische Vision oder Utopie?“

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